Sonntag, Dezember 11, 2005

Im Gleichschritt

An einem Tag wie gestern, da Hertha nach Hamburg und Arsenal nach Newcastle mußte (beide Matches im Fernsehen gesehen), gibt es mehr Anschauungsmaterial zum Thema Auswärtsschwäche, als mir lieb sein kann: Die Hertha kassierte gegen den HSV in den ersten paar Minuten mehrere tödliche Pässe, zwei Tore und eine Demütigung durch eine Beinlich-Banane, die in den Strafraum zurückprallte und dort ein tolles Durcheinander hervorrief; Arsenal kassierte im St. James's Park nach bestimmender erster Halbzeit und einer sehr physischen zweiten ein spätes Tor durch Solano und hat nun das zweite Auswärtsmatch in Serie verloren. Zudem hat Rapid Wien in Salzburg nicht bestanden, aber das habe ich nicht gesehen. Die Niederlage der Hertha gegen den HSV ist schwer einzuordnen, weil sie nur durch eine epische Leistung abzuwenden gewesen wäre - immerhin hatte unsere Mannschaft achtzig Minuten Zeit, um da noch etwas zu machen. Sie hat aber wie so oft die erste Halbzeit hergeschenkt, und Pantelic hat dies mit seiner vergebenen Kopfballchance in der 44. Minute besiegelt. Was hole ich positiv heraus aus diesem Nachmittag, an dem alles gegen uns lief? Die gelb-rote Karte gegen Marcelinho und der Muskelfaserriß von van Burik treiben die Mannschaft weiter in Richtung Reform. Coach Götz muß jetzt noch mehr Vorgriffe auf die künftige Hertha machen. Boateng ist schon integriert, er war gestern vielleicht ein wenig zu ballverliebt, hat aber viel beigetragen. Die Einwechslung von Chahed in die Innenverteidigung habe ich nicht ganz verstanden, obwohl er seine Sache anständig gemacht hat - aber wäre das nicht die Position, für die Samba künftig vorgesehen ist? Ich hätte ihn gern einmal dort gesehen, wo er hingehört, und nicht als ungerichtete Allzweckwaffe, als die ihn der Coach gern bringt. Die Einwechslung von Neuendorf billige ich auch nicht, dieser "Joker" hat schon lange nichts mehr gebracht. Zu Beginn der Saison hatten wir gemeint, die Hertha könnte heuer mit einer konsolidierten, weitgehend beisammen gebliebenen Mannschaft das Spiel des Vorjahsr intensivieren und verbessern, könnte also vielleicht den einen Punkt, der damals gefehlt hat, heuer machen. Nun ist die Hinrunde beinahe vorbei, und mangelnde Konstanz ist die Signatur dieser Serie: Personell wird viel experimentiert, Schlüsselspieler haben anhaltend mässige Form, und den Unterschied zwischen Wichniarek und Pantelic sehe ich nicht. Wir führen jetzt auf Platz 5 die Reihe der Teams an, die heuer nicht so recht wollen oder können, die von Spiel zu Spiel taumeln und kaum einmal in der Lage sind, einen Schwung mitzunehmen. Daß Niko Kovac sich gestern nach dem Match wieder als Führungsspieler zu Wort gemeldet hat, um Marcelinho ein "unentschuldbar" nachzurufen, paßt zu unserer vermaledeiten Situation, wie auch der indiskutable Rasen in Hamburg. Hertha und Arsenal stolpern im Gleichschritt durch die Saison. Immerhin spielt der FC Liverpool, für den ich auch viel übrig habe, gerade eine Serie, die mich ein wenig tröstet. Am Hader mit meinen Teams ändert das nichts.

Sonntag, Dezember 04, 2005

Im Niemandsland

Den Besuch im Niemandsland der Tabelle hat die Hertha heute erfolgreich gestaltet: 2:1 bei Bayer Leverkusen, die damit hinter Wolfsburg im Zweistelligen hängen bleiben. Eine Entscheidung hat die Mannschaft dabei nicht getroffen, sie hat sie sich abnehmen lassen von einem matten Gegner, der nicht einmal die obligate Aufbauhilfe unserer Defensive, die Berbatow einen Cacau-Weitschuß zum 0:1 gestattete, annahm, sondern nach dem Führungstreffer allmählich abbaute. Ein schöner, schneller Konter auf Bastürk zum Ausgleich und eine typische Pantelic-Marcelinho-Arabeske zum Siegestreffer haben gereicht, um aus einem "Sechspunktespiel" die drei Punkte mitzunehmen, die verbucht werden. Jetzt kann die Hertha am kommenden Wochenede angstfrei zum HSV fahren, und die Woche bis dahin für ein paar Konsolidierungsmaßnahmen nützen. Gilberto wurde heute nach längerer Verletzungspause schon über 90 Minuten öffentlich an den Ball herangeführt. Marcelinho konnte sich selbst aus einem Formtief zwirbeln, das auch heute lange unübersehbar war. Bastürk kommt allmählich wieder in Schwung, das gibt Hoffnung. Besonders aber freut mich, daß Coach Götz im Mittelfeld nun echte Variationsmöglichkeiten hat: Boateng und Marx haben den Spielwitz, der uns von hinten heraus immer ein wenig fehlt. Pantelic, der sich bei seinem Debüt im Olympiastadion vor noch nicht langer Zeit ja als Opernstar eingeführt hat (inklusive Kotau vor der Ostkurve), wechselt ständig zwischem komischem und tragischem Fach - auch das hat heute keine Rolle gespielt, und nicht einmal die provokante Einwechslung von Neuendorf für den einzigen Angreifer Pantelic schon fünfzehn Minuten vor Ende hat die Leverkusener noch zu letztem Einsatz angespornt. Hertha hat gewonnen, wie man im Niemandsland gewinnt: durch Lichtblicke.

Auswärtsschwäche

Ein Phänomen, das ich nicht ganz verstehe: die Auswärtsschwäche. Hertha leidet darunter, Arsenal London ebenso (gestern 0:2 bei den Bolton Wanderers). Nur ganz wenige Teams spielen in fremden Stadien mit der selben Taktik wie daheim. Bei Hertha hatte ich heuer mehrmals den Eindruck, daß sie sich auswärts selbst ein wenig in die Tasche lügen. Sie glauben dann, das Spiel nicht machen zu müssen, sondern erst einmal abwarten zu können. So haben sie einige erste Halbzeiten verstreichen lassen, in denen sie dem Spiel eigentlich schon ihren Stempel aufdrücken hätten können: Stuttgart, Dortmund, etc Ich war noch nicht in der Allarena in München, auch nicht in der Schalker Biathlon-Halle, aber die Spieler waren schon dort, sie kennen die Umstände, es ist nicht so, als müßten sie sich mit Jetlag und fremder Kultur herumschlagen. Sie müssen nur das tun, was sie im Olympiastadion auch tun müssen - sich des Spiels bemächtigen. Gegen Sampdoria Genua am vergangenen Donnerstag im Uefacup hat man förmlich gesehen, wie die Hertha im Geiste mit sich zu Rate ging: der Gegner war durchaus schlagbar, aber Coach Götz hat zum Beispiel schon zehn Minuten vor dem Pausenpfiff diese beschwichtigenden Gesten gemacht - wir spielen ja auswärts! Diese Spiele zeigen nicht so sehr das Leistungsvermögen von Teams, sie zeigen deren Selbstverständnis. Das von Hertha liegt genau in der Grauzone. Heute abend gegen Leverkusen können sie sich entscheiden, in welche Richtung sie wollen.

Sonntag, November 27, 2005

Heroisches Trio


Wir müssen ein lustiges Bild abgegeben haben heute vor dem Fernseher: links Christian, Gladbach-Fan, rechts ich, Hertha-Fan, zwischen uns Simon, Bayern-Fan, und damit zu der Höflichkeit dessen verurteilt, der auch an den Anstrengungen von "lesser teams" etwas interessant finden muß. Ich war nicht im Stadion, weil A. heute noch einmal nach Hamburg mußte. Das 2:2 gegen Gladbach war am Ende natürlich sowohl für Christian wie für mich unbefriedigend. Zwischendurch, als die Hertha schon schwer drängte und Gladbach das frühe 2:0 nur mehr mit Mühe hielt, wurde uns klar: Für eine der beiden Mannschaften könnte dies heute ein heroischer, folgenreicher Abend werden - es sei denn, das Match geht remis aus. So ist es das Ergebnis geworden, das zur Tabellensituation paßt. Die Hertha bleibt auf dem fünften Platz, hat Tuchfühlung aber eher nach unten als nach oben. Unbefriedigend war das Match auch deswegen, weil eine Angelegenheit, die ich gerne als Alternative behandelt hätte, nun anders aussieht: Kovac und Boateng schliessen einander nur für mich aus, nicht aber für den Trainer, der auf Fathi verzichtete und eine sehr offensive Variante mit fünf Mann im Mittelfeld und zwei Angreifern wählte. Boateng zeigte für meine Begriffe ein sehr gutes Spiel, vielleicht mit der Einschränkung, daß er einige Bälle verlor. Kovac aber war anscheinend der zweikampfstärkste Mann (bei einem grimmigeren Scheidsrichter wäre er aber auch keine 86 Minuten auf dem Platz gewesen), und er holte den Freistoß von links heraus, den er dann per Kopf zum Ausgleich verwertete.








Er kann sich also wieder breit machen in der Mannschaftshierarchie. Schalke hat aufgeschlossen nach vorne, Hertha hat abgeschlossen mit den Meisterträumen. Sie könnte nun in Ruhe einfach Punkte sammeln, so wie im Vorjahr. Gegen Genua am Mittwoch könnte eigentlich die gleiche Mannschaft wie heute auflaufen, mit Fathi anstelle von Pantelic, der ja international nicht darf und wahrscheinlich auch nicht treffen würde, weil er sich doch sehr viele Bälle auf den rechten Außenrist legen muß. Er und Marcelo sind derzeit unsere Sorgenkinder. Morgen ist Mitgliederversammlung im ICC. Volker, mein Partner in Hertha, und ich sind nicht dabei, weil wir nicht Mitglieder sind. Wir werden aber eintreten. Haben wir beim Spiel gegen Lens beschlossen. Als antizyklisches Investment. Zum Auswärtsspiel gegen Gladbach nächstes Frühjahr werde ich mit Christian hinfahren, wenn es irgendwie geht, und wenn Simon mitkommen will, dann reisen wir als heroisches Trio.

Samstag, November 26, 2005

Fußball wie noch nie


Zur Erinnerung an George Best, der auch ein Filmstar war:
"Fußball wie noch nie" von Hellmuth Costard (BRD 1970).

Freitag, November 25, 2005

Froschmäusekrieg

Es war empfindlich kalt gestern im Olympiastadion. Der Oberring war gesperrt, dadurch kamen Volker und ich auf zwei "Comfort Seats" auf dem Unterring zu sitzen, lächerlich enge Sitzgelegenheiten in einem Sektor, in dem das Publikum recht teilnahmslos dem Spiel zuschaut. 18.000 waren gekommen, um die Hertha gegen den RC Lens aus Frankreich zu sehen. Wir sahen eine indiskutable Leistung, die am Ende nicht einmal ein richtiges Pfeifkonzert provozierte. Zwei Läufe von Arne Friedrich in den ersten Minuten waren die einzige Ausbeute, dann vergaß die Mannschaft diese Option und begann mit ihrem üblichen Kleinklein, wobei Ellery Cairo auf der linken Seite fehlbesetzt war. Dardai und Kovac in der Zentrale machten Dienst nach vager Vorschrift, und Nando Rafael blieb so wirkungslos, wie wir es inzwischen gewohnt sind. Die Aufstellung war ein übler Kompromiß aus der finanziellen Not: Wichniarek, der gestern auf jeden Fall eine Option gewesen wäre, sitzt inzwischen nicht einmal mehr auf der Bank. Man will ihn anscheinend unter allen Umständen zu Neujahr von der Gehaltsliste haben. Bastürk war ein Schatten seiner selbst, dass er auch Pfiffe bekam, empfand ich aber als unfair. An vielen Stellen hörten wir das Stadion richtiggehend stöhnen angesichts der Stümpereien der Hertha, des Ballgeschiebes, der Alibiaktionen. Dass hinterher sich wieder Niko Kovac in die Rolle des Führungsspielers begab, indem er sich zum Interview meldete, verstärkt nur meine Abneigung gegen ihn: Er hat einfach begriffen, dass man sich in einer lahmen Mannschaft mit geraden Sätzen weiter bringen kann als mit schnellem Spiel. Er hat sich in die Grundaufstellung zurückgeäussert. Im Moment zerren viele Kräfte an der Hertha, die meisten davon sind negativ, und niemand stemmt sich dagegen als der Rhetor Niko Kovac mit dem Worten: "RC Lens ist keine Mäusetruppe."

Mittwoch, November 23, 2005

Zahlenwerk

Auf der Seite www.transfermarkt.de ist der Wert des Kaders von Hertha BSC mit 71 Millionen Euro beziffert. Wie relativ diese Zahlen sind, habe ich angedeutet (dabei aber Gilberto vergessen, der neben Bastürk noch am ehesten Geld bringen könnte, wenn es an die Veräußerung von Spielern gehen würde). Zu diesem Äußersten wird es aber wohl niemand kommen lassen. In Wahrheit geht es doch darum, die Schulden in eine Form zu bekommen, die bedienbar ist und eine nachhaltige Entwicklung erlaubt. Bei den Vertragsverhandlungen für nach 2006 hat das Management da jede Möglichkeit. Die Niederlage gegen das junge Team von Dortmund kann da durchaus als Fingerzeig dienen. Der "alte" BVB hat in einem Jahr übrigens noch an die 80 Millionen Euro Verlust gemacht, und auch der HSV hat zum Beispiel auf der Mitgliederversammlung dieser Tage kräftige Miese bilanziert (über 21 Millionen Euro). Dort plant man für die Zukunft mit Personalkosten von 40 Millionen Euro pro Jahr. Legitimiert wird das nur durch Doll und Tore. Die Hertha hat diese Saison mit dem zweithöchsten Etat der Liga begonnen, hat aber operativ kaum Geld. Diesen Widerspruch agiert die Mannschaft oft auf dem Feld aus: Sie fühlt sich wie der Thronanwärter, dessen Dynastie während der Wartezeit verarmt. Sie spielt häufig, als wäre sie gekränkt. Die Karte für das Uefacup-Spiel gegen Lens, zu dem ich morgen gehen werde, hat 19 Euro gekostet. Mehr kann ich im Moment nicht tun.

Dienstag, November 22, 2005

Vor dem Pfandhaus

Weil A. am Sonntagabend nach Hamburg fahren mußte, war ich allein daheim und sah mir zufällig den Sportplatz auf RBB an, die Sendung, die in der Stadt derzeit Wellen schlägt. Dort war erstmals davon die Rede, daß Hertha die Septemberprämien der Spieler zu spät überwiesen hat. Der Aufsichtsratsvorsitzende Scholz wiegelte in der Manier eines Geschäftsführers alle Fragen nach der Liquidität des Vereins ab. Interessant war dabei, dass er die Transferrechte der Spieler als Sicherheiten gegenüber den Banken nannte. Nun hat der Kader tatsächlich einen kalkulierbaren Wert, für jeden Spieler wird eine Summe veranschlagt, für die er zu haben wäre im Fall eines Herauskaufs aus einem laufenden Vertrag. Tatsächlich sieht sie Sache jedoch so aus, daß Hertha auf dem Transfermarkt kaum einmal Erlöse erzielt. Man kann die Namen ja ganz einfach durchgehen, und wird sehen, daß ein großer Teil der Spieler de facto unverkäuflich ist. Marcelinho, der nominell den höchsten Wert hat, hat in den Jahren bei der Hertha kein einziges seriöses Angebot erhalten. Arne Friedrich, der Kapitän, spielt für einen Wechsel ins Ausland zu durchschnittlich, und wird auch bei der Ligakonkurrenz nicht gebraucht. Bastürk und Simunic sind noch am ehesten in der Kategorie der Attraktiven, aber der Vertrag von Simunic läuft aus, er kann ohne Ablöse wechseln, und Yildiray sucht derzeit auch eher nach seiner Form als nach einem neuen Engagement. Fiedler, van Burik, Kovac, Schröder, Marx, Wichniarek, Dardai, selbst Pantelic, fallen unter Erdnüsse, was ihren Vermittlungswert anlangt. Bleibt also nur die Hoffnung, daß die Aktien von Nando Rafael oder Malik Fathi steigen - das tun sie auch, aber auch auf ihren jeweiligen Positionen und in ihrem Alter gibt es in Deutschland, nicht zu reden international, bessere Spieler. Die Generation Boateng ist zu jung, um schon belehnbar zu sein. So steckt die Hertha also in einem "tight spot". Vermutlich hat das Management zuletzt gegenüber der Stadt Berlin die Sache ein wenig dramatisiert, hat von Insolvenzgefahr gesprochen, um aus den Verbindlichkeiten für das Stadion hinauszukommen. Das wendet sich nun gegen den Verein, denn die Politiker müssen sich für den Stadion-Deal rechtfertigen, und greifen zu denselben Worten, die aus ihrem Mund nun nicht mehr de facto Erpressung, sondern ein Warnsignal sind. Ein kleines Detail, das auch für die enge Situation in diesen Wochen spricht: Schon jetzt werden Karten für alle Heimspiele der Rückrunde angeboten.

Sonntag, November 20, 2005

Der Pantelic-Effekt








Das 0:2 gegen Dortmund im Westfalen-Stadion war eine nahezu identische Kopie der ebenfalls lupenreinen und unspektakulären Niederlage vor ein paar Monaten am selben Ort. Irgendwie hat die Hertha ohne grosses Engagement das Spiel gemacht, und der Gegner die Tore. Ich hoffe nur, daß der Coach jetzt nicht die falschen Schlüsse zieht und aufgrund der schlechten Leistung von Nando Rafael auf das alte 4-5-1 umstellt, also auf die "Kontermannschaft" Hertha, auf die doch niemand mehr hereinfällt. Pantelic, der auswärts keine Tore schiesst, wird für mich immer deutlicher zum Typ dieses Teams. Er hat die Temperamente im kreativen Mittelfeld auf eine prekäre Weise zugespitzt, weil er als Stürmer bevorzugt den Weg durch das Nadelöhr sucht. Er ist auch der Erfinder der Hacken-Hertha. Marcelinho und Bastürk machen das gern mit, die Gegner sind aber nicht immer so desparat wie der FCK vor zwei Wochen, und wenn sie ein wenig Grips haben, dann nehmen sie Pantelic einfach den Ball vom Fuss. Gestern war jedenfalls auffällig, wie patzig die Hertha bei ihrem nutzlosen "Kreativspiel" blieb, ohne aber Druck zu machen.
Ich war nur einmal positiv überrascht, in dem Moment nämlich, als der Coach die fällige Auswechslung von Dardai vornahm, dann aber nicht Kovac brachte, sondern Boateng, der auch eine gute halbe Stunde zeigte. Ich setze grosse Hoffnungen auf ihn. Daß die Innenverteidigung neu aufgestellt werden muss, kann inzwischen niemand mehr übersehen. Simunic merkt man deutlich an, daß ihn die Vertragsverhandlungen belasten - er spielt fahrig, bekommt in jedem Match eine berechtigte gelbe Karte (gegen die er immer lautstark protestiert), und zeigt sich selten so souverän, wie er es von seinem Talent her eigentlich sein könnte. Hertha will unbedingt mit ihm verlängern. Sie sollte ihm vor der Unterschrift aber nicht nur den Hof machen, sondern ihm auch deutlich machen, daß ihn von grossen, auch offensiv produktiven Innenverteidigern eine Menge unterscheidet. Der Vertrag von van Burik läuft Ende des Jahres aus, wie auch der von Niko Kovac. Damit ergibt sich eine prächtige Gelegenheit, das zentrale hintere Dreieck neu aufzustellen. Dick van Burik ist ein sympathischer Typ, der häufig einen Blödsinn spielt und hinterher als "Führungsspieler" auch brav die Verantwortung dafür übernimmt. Seine Autorität im Team erwirbt er jedenfalls nicht auf dem Feld.

Dienstag, November 15, 2005

Breite Brust


Den Berliner Tabloids entnehme ich, dass sich drei Global Players als Trikotsponsoren für Hertha BSC beworben haben: Hyundai, Emirates und O2 wollen dorthin, wo Arcor anscheinend nicht mehr erscheinen will, auf die Vorderseite der blauen Shirts nämlich, die unser Team in diesem Jahr besonders häufig trägt. Was die B.Z. da aus den internationalen Chefetagen so mitbekommt, ist wohl auch das Wunschdenken aus Westberlin: im internationalen Fernsehen mit einer Marke assoziiert zu werden, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Die Fluglinie Emirates hat sich zum Beispiel auch die Namensrechte am neuen Arsenal-Stadion gesichert. Angeblich kann man bald schon von Tegel nach Dubai fliegen. Dort findet übrigens dieser Tage eine Konferenz namens Soccerex statt, bei der es um die weltweite Vermarktung des Spiels geht - aus Deutschland ist kein Club akkreditiert. Die Herren auf dem Bild oben sind Tim Clark von Emirates und Ken Bates, der Präsident von Chelsea, bei der Ratifizierung einer wunderbaren Freundschaft. Vielleicht steht ja Dieter Hoeneß auch bald neben einer Stewardess. Davon träumt zumindest die B.Z. Ich hoffe nur, daß am Ende nicht Air Berlin statt Fly Emirates auf den Trikots steht.

Sonntag, November 06, 2005

Versäumte Gelegenheit














Das 3:0 gegen Kaiserslautern gestern geht in Ordnung, war aber keine Glanzleistung. Zu schwach der Gegner, zu lethargisch nach jeweils toller Startphase die Hertha. Zweimal zwanzig Minuten Tempo haben genügt, um den desolaten FCK klar zu besiegen. Die drei Tore immerhin waren speziell: Marcelinho, Rafael und Pantelic spielen sehr gut zusammen. Die beiden Stürmer haben eine bemerkenswerten Antritt, vor allem Rafael kann inzwischen mit dem Ball am Fuß ein Tempo vorlegen, das ich ihn gegen Wörns in zwei Wochen wieder zeigen lassen würde. Ich fürchte nur, daß Coach Götz dann wieder Kovac neben Dardai auf die Wiese schickt, und Pante allein vorne arbeiten muß. Da gab es nämlich auch noch die andere Seite der Hertha gestern, die Schonzeit nach der getanen Arbeit, die insgesamt 45 Minuten des Spiels angehalten hat, von der 25. bis zur 45. und von der 65. bis zur 90. Minute. In diesen Phasen wurde es verschlafen, ein wenig Stimmung und Tordifferenz zu machen. Und Auslaufmodell Kovac bekam noch die Gelegenheit, einige unserer Spielzüge im Ansatz zu unterbrechen. Ich habe auch so einen Verdacht, warum die Hertha es selten für nötig hält, nach einer Führung nachzusetzen: Es hängt mit dem Bayern-Mißverständnis zusammen, das sie immer wieder formulieren - vom großen Vorbild glauben sie zu lernen, daß effiziente Siege besser sind als stürmische, und daß Leidenschaft irgendwie unmeisterlich ist. Weil der Manager und der Coach sich das auch so ähnlich denken, die Hertha aber nicht Bayern ist (und die Bayern bei Gelegenheit ja auch anders spielen), kommt oft ein Stiefel heraus. Gestern waren wir mit einer starken Kreuzberger Delegation im Stadion. Christian mit Tochter und Thomas mit Sohn saßen im Langnese-Familienblock, ich auf meinem Stammplatz auf der anderen Seite. Die Hertha hätte gestern auch die Chance gehabt, einen Gladbacher und einen Schalker zumindest im Ansatz in ihrer Gewißheit als langjährige Fans zu verunsichern. So gut hat sie dann aber doch nicht gespielt. Insofern war das Match eine versäumte Gelegenheit. Die Kinder, die schon in Berlin geboren sind, wissen von den alten Vorurteilen gegen den Verein nichts, sie brauchen keinen Christian Ulmen, um Hertha lieben zu lernen (obwohl der seine Kolumne gut macht) - sie sehen die Tore und wollen mehr davon!

Sonntag, Oktober 30, 2005

Kondition sine qua non


Jetzt haben die Medien endlich ein Thema, das über das einzelne Spiel hinausgeht: Wird in Deutschland zu wenig trainiert? Haben die hiesigen Kicker nicht die Luft für 90 internationale Minuten?
Der Fernsehnachmittag gestern gab dazu deutliche Hinweise. Zuerst sah ich Arsenal gegen Tottenham antreten. In einem unerhört physischen Match konnte Wengers Team nur mit äußerster Mühe ein Unentschieden behaupten. Dabei war (in den Zeitlupen und Großaufnahmen) den Spielern aus dem Gesicht zu lesen, wie sehr sie beansprucht waren, aber auch, wie sehr sie sich daran inspirierten. Danach spielte Hertha auswärts gegen Stuttgart, und mußte sich dort auch deswegen mit einem 3:3 begnügen, weil sie die erste Halbzeit nach dem frühen Führungstreffer recht tatenlos verstreichen ließ. Dabei genügt doch ein Blick auf unser Torverhältnis in dieser bisherigen Saison, um jede Mär von einer sicheren Defensive sofort zu widerlegen: 18:16 nach 11 Spieltagen deutet nicht auf ein Spitzenteam, sondern auf das Mittelfeld, das Schalke nun anführt. Cacau konnte gestern eine lupenreine Kopie seines Weitschußtreffers vom letzten Jahr anfertigen. Ludger und ich vor dem Fernseher sahen den Treffer circa zehn Sekunden kommen, und ich bin mir sicher, daß Dick van Burik sich auch beim Mitlaufen gedacht hat: Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Super war dann das 2:2 von Rafael, ein Paß, wie es ihn eigentlich nur noch beim Tischfußball (öst. "Wuzeln") gibt, gerade in den Angriff, zwischen den beiden Reihen hindurch, die gerade nach ihrer Abstimmung beim Verschieben suchen. Super auch das 3:2 durch Marcelinho, nach Flanke von Malik Fathi! Tolpatschig gleich darauf Jo Simunic, der Gomez von hinten so dicht auf dem Leib rückt, daß der Gegner geradezu suggeriert kriegt, wie er sich drehen muß, um in Schußposition zu kommen. Simunic, der Sensible, ist immer noch ein wenig patzig, seit Marcelinho die Nationalspieler kritisiert hat. Die Mannschaft spielt in dieser Saison recht beständig unter ihrem Potential - das liegt an der Einstellung, und vielleicht auch ein wenig an der Fitness, also daran, daß der Spieltrieb noch mehr Körper bekommen muß.

Freitag, Oktober 28, 2005

Wiener Nachlese

Als Hertha vorgestern in der 2. Runde des DFB-Pokals eine anscheinend recht fügsame Borussia Mönchengladbach mit 3:0 besiegte, saßen wir gerade im Flugzeug. Wir waren auf dem Heimweg aus Wien, wo wir zwölf Tage bei der Viennale zugebracht hatten, dem jährlichen Filmfestival. Ich werde also vielleicht niemals sehen, wie Malik Fathi sein Tor bejubelt hat. Die beiden anderen Siege während unserer Abwesenheit hatte ich zumindest teilweise mitgekriegt - das 1:0 in Göteborg gegen Halmstads BK im Uefacup sah ich in unserem Hotelzimmer, weil es auf DSF (dem Archipel Gulag des Live-Fußballs) zu sehen war; das 3:1 gegen Mainz in der Liga sahen wir in der angestammten Premiere-Sportbar im Ringstraßenhotel Marriott - auf den dutzendfach herumhängenden Schirmen war von der Hertha nur selten etwas zu sehen, zudem versäumte ich alle drei Tore, ich konnte sie aber spätnachts in der 3SAT-Wiederholung des Aktuellen Sportstudios noch erwischen, und war vor allem über Pantelics Hacke und über Maliks Flanke ziemlich glücklich. Aber nicht nur die Hertha sorgt für Ereignisse in diesen Tagen. Die Fitness-Debatte (die ausgerechnet durch ein Interview von "Sense" Hollerbach an Intensität gewann), die Verhandlungen über die Fernsehrechte (bei denen die anscheinend zu allem bereite DFL sogar über die Wiedereinführung von Relegationsspielen nachdenkt), die "Krise" der Premier League (der zudem eine übergeschnappte Wettbewerbskommissarin aus Brüssel im Nacken sitzt), das spannende, weil deutlich über das deutsche Karussel hinausweisende Sammer-Interview im Kicker - all das hat mich in den letzten Tagen interessiert.

Sonntag, Oktober 16, 2005

Schlechter Film

An diesem Wochenende, an dem ich nach Wien zum Filmfestival gefahren bin, an dem ich mir die Konferenzschaltung in irgendeiner Premiere-Bar gar nicht erst angetan habe, gestern und heute also haben sich alle meine Lieblingsmannschaften ein wenig ins Mittelfeld zurückfallen lassen. Hertha in Deutschland, Arsenal in England, Rapid in Wien: drei Niederlagen, drei Dämpfer, drei Korrekturen. Mein Freund und Kollege Jan aus Bielefeld hinterließ Samstagnacht noch eine Nachricht auf meiner Mailbox, nicht wissend, dass ich das 3:0 seiner Mannschaft über die Hertha ja nicht gesehen hatte. "Diese Niederlage wird die Hertha nicht aus dem Konzept bringen, für uns ist dieser Sieg aber kaum zu bezahlen." Damit hat er recht, der Jan, obwohl ich nicht glaube, daß er das so znyisch gemeint hat, wie es in Wahrheit ist. Das Konzept der Hertha ist, daß sie sich selten richtig konzentrieren kann. Der Coach hilt ihr da nicht weiter, der redet immer nur von der individuellen Qualität, und verdrängt die kollektiven Mängel. Ich widme mich jetzt einmal bis Donnerstag dem Kino, dann sehe ich mir das Uefacup-Match an, und dann werden wir alle sehen, ob sich die Hertha weiterhin fühlen will wie in einem schlechten Film, oder ob sie begreift, daß sie ja selber mitspielt.

Montag, Oktober 10, 2005

Galaktisaray Bastürkei














Ich kann mir nicht helfen, aber der Sieg der Türkei im Freundschaftsspiel gegen Deutschland vor zwei Tagen war für mich auch die Rache von Bastürk an Borowski. In Istanbul standen sie einander direkt gegenüber, Spielmacher gegen Spielmacher, und Bastürk hat gezeigt, daß er nicht der Schwalbenkönig ist, als den Borowski ihn vor einer Woche diffamiert hat. Er ist einfach ein sehr schneller Spieler, der die Initiative übernimmt, auch in räumlich sehr engen Situationen, und deswegen oft gefoult wird. Die Deutschen haben ihm eine Halbzeit lang so viel Platz gelassen, wie er sonst nie bekommt. Das lag an der Taktik von Klinsmann, der nicht zum ersten Mal die vier Jungen aus der Kette ein wenig zu sehr isoliert hat. Das lag aber auch daran, daß Borowski, Schweinsteiger und Schneider den Ballack machen wollten, und deswegen schlecht verteidigt haben. Vielleicht konnten sie auch das Spiel nicht lesen, weil es ihnen um die Ohren gerauscht ist. Mir gefiel an dem Länderspiel auch, daß Sebastian Deisler, mit dem ich immer noch sympathisiere, auch wenn er bei uns glücklicher geworden wäre, sich nicht hängen ließ, daß Christoph Daum sein Haupthaar immer noch superscharf scheitelt (und inzwischen sogar die indirekte Bande mit Beckenbauer beherrscht), und daß Klinsmann die Faust in der Tasche geballt hat. Das mache ich auch immer, wenn ich Borowski sehe. Nicht weil er ein Tor geschossen hat gegen die Hertha, sondern weil er im Interview nachgetreten hat.

Donnerstag, Oktober 06, 2005

Lebensdauerkarte

Heute habe ich "Fever Pitch" gesehen, den neuen Film der Brüder Farrelly, für die ich viel übrig habe. Das Buch von Nick Hornby mag ich gern, obwohl mir dieser Autor sonst nichts bedeutet. Der Film spielt nun aber in den USA, deswegen ist nicht mehr Fußball die Leidenschaft, um die es geht, und Arsenal das Team, auf das der Held fixiert ist - vielmehr geht es um Baseball und die Boston Red Sox, das ewige Loser-Team, das kurz vor der Präsidentenwahl zwischen Bush und Kerry sensationell die World Series gewann. Es gibt im Film eine Szene, die mich sehr amüsiert hat. Der junge Mann, in den sich das von Drew Barrymore gespielte Mädchen verliebt, hat von seinem Onkel zwei Dauerkarten geerbt - so ist das im Baseball, man denkt in Äonen. Vor der Saison gibt es die große Auktion: Wer darf mit zu welchem Spiel, wer bietet am meisten für die Spiele gegen die Yankees (Baseballs Bayern München), wer sitzt wann neben dem glücklichen Lebensdauerkartenbesitzer? (Sie kommen übrigens als Abreißblock, ungefähr wie die Dauerkarten der BVG.) Auf dem Höhepunkt des Films, als es um die Entscheidung zwischen Team oder Mädchen geht, wechselt das Abonnement um ein Haar den Besitzer - für 125.000 Dollar! Unter der Hand. Aus Liebeskummer. Neulich habe ich versucht, online für Highbury eine Karte zu bestellen - ohne Silver oder Gold Club Membership sieht es schlecht aus, und diese Memberships werden nur frei, wenn jemand zurücktritt. Ist ein wenig wie in Bayreuth. Oder wie in Boston. Einen wichtigen Unterschied gibt es in "Fever Pitch" noch: Baseball wird vom Frühling in den Herbst gespielt, die Saison beginnt, wenn es schön wird, und endet dann, wenn man sich warm anziehen muß. Der Fan führt also ein Winterleben und ein Sommerleben. Mir ist die Berliner Dramaturgie lieber: die Fans ziehen sich warm an, durchschreiten gemeinsam den Winter, wenn der Frühling kommt, kommt auch die Entscheidung! Und die Sommerpause ist kurz. Gerade lang genug für die Zustellung der neuen Dauerkarte.

Sonntag, Oktober 02, 2005

Oktoberfest


Ich schätze, das waren die beiden wichtigsten Spieler gestern bei Hertha-Werder: Borowski und Bastürk. Es war ein tolles Match, ging wild hin und her, hatte viele Szenen, und ging schlecht aus für Berlin. Dafür gibt es mehrere Gründe. Natürlich hätte die Hertha das 2:0 machen müssen, entweder nach dem tollen Paß auf Pantelic (der nicht abseits war) oder nach dem Foul an Bastürk (das er sich holte, das aber keine Schwalbe war, schließlich kam Reinke mit beiden Beinen auf ihn zu, und er hätte dafür eine rote Karte bekommen können, wenn Referee Wagner bei Attacken auf Bastürk nicht schon die ganze Zeit immer nur weitergewunken hätte). Natürlich hätte sie auch das 1:0 über die Zeit bringen können, allerdings nicht, indem der Coach in der 80. Minute den einzigen Stürmer (in dieser Phase von mir aus: den einzigen Ballverschlepper) auswechselt und den unerfahrenen Samba bringt, der dann auch den Ball in den Volley von Borowski köpfte. Die Niederlage tut deswegen weh, weil sie der Mannschaft die Möglichkeit gibt, sich als Opfer zu sehen. Ich hoffe, sie hält sich damit nicht auf. Denn Selbstmitleid ist eine Eigenschaft, die Hertha BSC schon fast überwunden hat. (Bei der Selbstüberschätzung dauert das noch eine Weile.) Borowski, der hier eine tröstende Geste für Bastürk übrighat, hat später im Interview eiskalt das Foul von Reinke in Abrede gestellt, und Yildiray generelle Fallsucht unterstellt. Für mich war das gestern ein Oktoberfest, das einen unangenehmen Nachgeschmack hinterläßt.

Sonntag, September 25, 2005

Englische Woche

Heute war Ludger da, dem ich am Mittwoch meine Dauerkarte geborgt hatte. Das 3:2 gegen Duisburg habe ich also nicht live gesehen, und damit eine tolle Fussballnacht verpasst. Ich war stattdessen in der Volksbühne, wegen eines brasilianischen Theaterstücks Krieg im Sertao, bei dem wir ganz in der Ecke hinter der steinalten Doyenne des Teatro Oficina saßen, immer einen Blick auf die SMS von Volker, während die Schauspieler aus Sao Paolo die geologische Entstehung von Lateinamerika darstellten. Warum war das wichtiger? Brasilien interessiert mich aus vielen Gründen, des Kinos und der Politik wegen, und auch wegen Futebol natürlich. Zur zweiten Halbzeit gegen Duisburg waren wir dann schon wieder daheim, so habe ich zumindest im Fernsehen die Energieleistung und das Glück der Mannschaft gesehen, die durch Nando belohnt wurde, aber auch durch die Pirouette von Samba, der die Verteidiger bei diesem Corner in der letzten Minute durcheinander brachte. Heute war ich anfangs argwöhnisch, als der Coach mit Dardai und Kovac antreten ließ. Ich hatte aber andererseits das Gefühl, dass zum Beispiel Fathi, der gegen Duisburg ein wenig Offensivgeist entwickelt hat, davon profitieren könnte. So war es dann auch, er schoß einmal toll auf das Tor, und er zog die Aufmerksamkeit beim Corner auf sich, den Madlung dann mit dem rechten Fuß verwerten konnte. Das Konzept mit der massiveren Deckung ist heute relativ ungefährdet aufgegangen, das Team hat durchaus Initiative gezeigt, der 1:0-Sieg bei Köln war verdient. Marcelinho arbeitet sich langsam wieder in seinen Beruf hinein, und Hertha BSC hat so gespielt, wie es sich für eine englische Woche geziemt: No Nonsense.

Sonntag, September 18, 2005

Ampelkarte

Der Wahlabend begann mit einer Ampelkarte für Gilberto, und so ging er dann auch weiter. Unser Brasilianer hatte nach eineinhalb guten Spielen den Kamm schon wieder so geschwollen, daß er für einen dreißigjährigen Referee keinen Respekt hatte, und so stand nach dreißig Minuten im Spiel auf Schalke eine links empfindlich geschwächte Hertha auf dem Platz. Wayne Rooney hat es während der Woche in der Champion's League vorgemacht, die Hertha macht es zumindest so schon einmal den ganz großen Clubs nach. Gelb für Foul, Rot für Applaus, Seife für die Dusche. Gleich darauf kam die Hochrechnung, und mir fiel wieder ein, warum Angela Merkel den Sieg noch verspielt hat: wegen der Wahlempfehlung durch Peter Neururer und Winnie Schäfer. Mit diesen Experten im Prominenzteam kann es nicht einmal zu einer Schwampelkoalition reichen, geschweige denn zu einer Durchregierung. Von der zweiten Halbzeit auf Schalke habe ich nicht allzu viel gesehen, nur ein grobes Foul von Simunic, der zum Glück seiner Verwarnung keinen Applaus gespendet hat, einige gute Vorstöße und eine Heldentat von Fiedler. Es ist eine Plage mit dieser Mannschaft, die einfach kein Gefühl für Professionalität findet. Gilberto hat heute zwei Punkte auf dem Gewissen, das läßt sich nach den ersten zwanzig Minuten zumindest behaupten. Weil wir auf Schröder gewartet haben (und durch seinen Auftritt, der ihm in der ARD einen Vergleich mit einem Elefanten, der sich im Unterholz wälzt, eintrug, reichlich entschädigt wurden), sah ich auch nur noch in Ausschnitten, daß Marcelinho heute einen Teil seiner Verantwortung wieder übernommen hat. Coach Götz hatte konservativ aufgestellt, also Pantelic nominell alleine vorne. Nach zwanzig Minuten gab es dann aber einen Angriff, bei dem die Hertha mit schleichender Plötzlichkeit so massiv vorne war, daß die Beweglichkeit des Schwarms aus dem Vorjahr kurz wieder ersichtlich war. Nur Schalke läßt uns so spielen. Da wäre mehr drin gewesen. Das wird sich auch Angela Merkel denken, die um den Schluß nicht herumkommen kann, daß das Patt in Deutschland auch an ihr selbst liegen muß. Das Match auf Schalke war ein zähes Ringen um minimale Ausbeute. Insofern war es ein passendes Vorspiel für die Ergebnisse der Richtungswahl, die keine Richtung weist.

Samstag, September 17, 2005

Big in Mainz

Wie groß ist eigentlich Jürgen Klopp? Als er heute neben Trappatoni stand und neben dem blonden Romanisten von Premiere, da sah das ein wenig aus wie eine Einstellung aus einem Tim-Burton-Film. Big Fischzug gab es aber für den schwer überschätzten Signore mit den teuren Anzügen. Nach dem Führungstreffer für Stuttgart konnte man Trappatoni kurz jubeln sehen, die Freude ging aber sofort in ein hämisches Grinsen beim Blick auf die Uhr über. Mainz glich sogar noch einmal aus, mußte dann aber doch noch einen Treffer hinnehmen und steht jetzt mit sehr leeren Händen da. Klopp sagte im Interview dann einen guten Satz: "Wir wollen uns für das belohnen, was wir investieren." Das ist zwar Finanzsprache, aber romantisches Konzept. Ich liebe Mannschaften, die viel investieren, aber ich verehre Mannschaften, die klug investieren. Die Hertha hat in Nikosia zum Beispiel ganz wenig investiert, und dabei doch herausgefunden, daß Ellery Cairo vermutlich kein Leistungsträger werden wird, daß Okoronkwo an seiner Technik arbeiten muß, daß Neuendorf ein guter Mann für unwichtige Spiele ist, daß Gilberto in unwichtige Spiele weniger investiert, daß Kovac auch gegen schwache Gegner konfus nach vorne spielt, daß Malik Fathi kein Flankengott mehr wird und daß Marcelinho mehr als nur eine Formkrise hat. Aus diesem Wissen sollte man doch eine praktikable Aufstellung für das Spiel gegen Schalke am Tag der Wahl gewinnen können. Als Minimalrendite eines Betriebsausflugs in die Zonengrenze des Fußballs. Ich würde auf Schalke mit zwei Stürmern kommen, mit Pantelic und Wichniarek. Aber ich bin ja nur Coachinho, und Coach Götz wird am Ende Vorsicht walten lassen. Wenn er Pech hat, muß die Mannschaft dann umso mehr investieren.

Sonntag, September 11, 2005

Zuwanderungsgesetz

Vor dem Olympiastadion wurden heute blaue Rasseln verteilt, die schon vor dem Spiel gegen den Vfl Wolfsburg eine nervenaufreibende Geräuschkulisser erzeugten. Wenn morgen 40.000 Leute mit Tinnitus und hohem Blutdruck aufwachen, wäre ich nicht überrascht. Als Oberösterreicher kenne ich aber auch den heimlichen Sinn der Übung. In meiner Heimat sind die Rasseln aus Holz, sie heißen "Ratschen", und kommen vor Ostern, in der sogenannten Fastenzeit zum Einsatz. Kinder ziehen mit den Ratschen herum und versuchen, die Menschen in eine bußfertige Stimmung zu versetzen. Außerdem hoffen sie auf ein paar Cents. Gute Werke sind bei den Katholiken die beste Buße, und Hertha hat heute mit guten Werken das Spiel gegen die Bayern vergessen lassen. Coach Götz hatte halbmutig aufgestellt, mit Okoronkwo neben Pantelic, und Ellery Cairo auf der rechten Seite. Links waren Fathi und Gilberto wieder da. Die erste Halbzeit brachte noch nicht viel, das Spiel hätte mit ein wenig Pech auch 0:0 ausgehen können. Mit dem Glück, das aus der Arbeit kommt, fielen dann aber doch drei Tore für unsere Seite, und Pantelic konnte beim 2:0 auch gleich bestätigen, was ohnehin ersichtlich war: Er vektoriert das Spiel der Hertha, er schafft viel Probleme in der gegnerischen Verteidigung, er ist schnell, und als Nando diesen schönen Paß auf die rechte Seite spielte, den Pantelic gleich wieder nach innen, aber eben auch zum Strafraum mitnahm, konnte man für zwei, drei Sekunden weit in die Zukunft sehen - diese Mannschaft kann wachsen, dieser Angriff hat plötzlich wieder ein Gesicht. Das muß morgen auch die Story der Journalisten sein, wenn sie nicht auf der alten Melodie spielen wollen, daß Hertha heute erstmals ohne Bastürk gewonnen hat. Das Spiel gegen die Bayern, soviel muß ich der Gerechtigkeit halber noch anfügen, kam heuer zu früh. Mit einem gesunden und ausgeruhten Gilberto und der eingespielten Viererkette sah die Sache schon anders aus. Die alten Schwächen von hinten heraus sind keineswegs überwunden, und Marcelinho spielte heute wieder phasenweise sehr unglücklich. Coach Götz hat den Sieg aber verdient, weil er von Beginn an Okoronkwo brachte (neue Hertha) und nicht Neuendorf (alte Hertha). Als in der späten Phase noch Wichniarek für Pantelic kam, hatte Götz alle vier Angreifer einmal präsentiert. Sieht nicht schlecht aus. Pantelic könnte unser Klasnic werden, oder unser Berbatow. Wir werden sehen. Beim Verlassen das Stadions drückte mir dann noch ein Mädchen einen Sticker der CDU in die Hand: Darauf wurde ein Sieg über Schalke am kommenden Sonntag mit einem Sieg über Schröder assoziiert. Wir werden auch das sehen. Die Hertha hat heute jedenfalls ihr eigenes Zuwanderungsgesetz gebrochen: Nicht jeder neu verpflichtete Angreifer bekommt in Berlin sofort Ladehemmung.

Samstag, September 10, 2005

Staying Alive


Die ersten Interviews klingen nicht schlecht, die Marko Pantelic gegeben hat. Da ist ein Selbstvertrauen durchzuhören, das jene Individualität andeutet, die einen interessanten Spieler ausmacht. Das Makaay-Zen hat er noch nicht, vielleicht aber den frühen Travolta-Appeal. Sein Saturday-Night-Anzug deutet zumindest darauf hin. Wolfsburg ist ein Sonntagsspiel. Damit hat die Hertha häufig keine große Freude. Für mich deutet sich mit dem Transfer in letzter Minute trotzdem eine Mannschaft an, deren Entwicklung ich gerne verfolgen würde. Sie sieht so aus: Fiedler. Friedrich-Samba-Simunic-Gilberto. Marx-Boateng. Bastürk-Marcelinho. Pantelic-Wichniarek. Da habe ich schon ein wenig aussortiert. Tschüss, Typen. Aloha, van Zeckovac! Marx muß sich auf dieser Position bestätigen, ich wähle ihn, weil er gegen Bayern die beste Chance eröffnet hat mit einer wunderbar langen Flanke in den Strafraumlauf von Marcelinho. Seine Spielintelligenz sollte reichen, daß man ihn auch zu Flanken von der Grundlinie bringt. Alle andere Positionen sind für mich evident, wenn man aus dieser Saison eine Beschleunigung gewinnen will. Falko Götz hat bisher nicht selten zum falschen Zeitpunkt konservativ agiert - ich finde, man sollte ihm einen größeren Risikobonus ausstellen.

Sonntag, August 28, 2005

Sechserkette

Das erbärmliche 0:3 der Hertha gegen Bayern wirft eine Reihe von Fragen auf. Von Ergebnis und Spielverlauf glich das Match der Niederlage von Gladbach, die vor zwei Runden als erstes Team in der Allianz-Arena antreten mußten, dabei aber wesentlich mehr Chancen und Spielanteile hatten als Hertha gestern. Drei Umstände erscheinen mir spielentscheidend (auf unserer Seite): Die Grundaufstellung in der Defensive; das Verhalten beim Freistoß, der das 0:1 brachte; und das Pech mit Boateng, der für Marx kam und zwei Minuten später verletzt wieder ausscheiden mußte. Der Coach hatte die Viererkette mit Friedrich-van Burik-Madlung-Simunic besetzt, und damit das ganze Unheil heraufbeschworen. Wir wissen, daß Simunic nach vorne nichts zu Wege bringt. Das ist im Zentrum nicht so schlimm, auf der linken Außenbahn jedoch ein großes Problem, weil die dadurch gelähmt ist. Selbst ein formschwacher Malik Fathi (dessen stagnierende Entwicklung übrigens nicht nur ihm selbst anzulasten ist, sondern auch ein Licht auf das Training wirft) hätte die ein, zwei Verbindungen zu Neuendorf hergestellt, die für ein wenig mehr Entlastungen hätten sorgen müssen. So aber irrte Simunic draußen herum, schuf bei Ballbesitz neue Probleme, und kam schließlich nach der Pause zentral vor dem Strafraum zu dem Foul, das Ballack in aussichtsreiche Position brachte. In diesem Moment waren van Burik und Friedrich so unklug, auf Abseits zu spielen. Sie liefen von der Torlinie weg, während die Mauer stand, und Ballack schon anlief.

















Damit lief Friedrich in den Ball hinein, und fälschte ihn ab. Tremmel war gestern gut in Form, es hätte vollkommen gereicht, ihm die Sache zu überlassen - dann hätte Ballack entweder souverän verwandelt, oder - bei der Schußrichtung, die sich andeutetete - der Ball wäre gehalten worden. Es war ein ärgerliches Gegentor, zu dem drei der vier Verteidiger nach Kräften beitrugen. Für das Match aber war es gut, denn die Bayern waren auch nicht so super gestern, und Hertha hätte nun ja zeigen können, daß sie nicht für ein 0:0 nach München gekommen war. Sie hätte also das einlösen können, was während der Woche in Interviews verbreitet worden war. Die Auswechslung von Niko Kovac (für ihn kam Okoronkwo) war eine mutige Entscheidung, und als Boateng für Marx kam, stand eine Mannschaft auf dem Platz, die nach Zukunft aussah. Die hätte ich gern noch dreißig Minuten gesehen, aber Boateng war anscheinend für einen Einsatz gar nicht fit, und nach der Einwechslung von Samba irrten vier Innenverteidiger über den Platz, was zu den demütigenden Gegentoren führte, die in der Schlußphase fielen. Aus der Halbzeit, die ich von Boateng gegen Frankfurt gesehen habe, läßt sich auf großes Potential schließen. Ich hoffe, er löst Kovac beizeiten ab. Wenn dieser "Führungsspieler", der mit der Degradierung von Fathi in Koblenz ja öffentlich begonnen hatte und damit die fatale Aufstellung von gestern mitbewirkt hatte, endlich selbst degradiert würde, dann hätte das Trauerspiel von gestern noch sein Gutes. Die Saison beginnt für uns in zwei Wochen von vorn, und wenn die sich abzeichnenden Autoritätsprobleme von Falko Götz eskalieren, dann wird das ein stürmisches Jahr. Meine Empfehlungen sind zu radikal, um auf Verständnis zu stoßen: Ich würde Kovac, van Burik und Madlung sofort verkaufen. Aber es will sie ja keiner.

Montag, August 22, 2005

Führungsspieler

Unser Manager, der wie sein Bruder Uli auf angenehme Weise nicht über die Ungerührtheit verfügt, die wirtschaftliche Führungskräfte ja angeblich ausstrahlen sollen, hat sich am Samstag mit Marcelinho überworfen. Keine Zeitung vergißt heute den "hochroten Kopf" zu erwähnen, mit dem Dieter Hoeneß zwischen Spiel und Verlängerung in Koblenz auf den Spielmacher losgegangen ist. Eine Woche vor dem Auswärtsspiel gegen die Bayern haben wir also Zank und Hader in der Mannschaft, weil die "Führungsspieler" ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Aus den zwei, drei Minuten, die im Fernsehen zu sehen waren, konnte ich allerdings deutlich entnehmen, daß Dick van Burik, der sich hinterher wichtig gemacht hat, äußerst gemächlich verteidigt hat, und daß Madlung auch nicht gerade "in" die Zweikämpfe ging. Gestern saß ich dann natürlich trotz des schönen Wetters vor der Kiste, um Arsenals Auftritt an der Stamford Bridge zu verfolgen. Das 0:1 gegen Chelsea (durch ein blödes Stolpertor von Drogba) hat mich vor allen in einer Hinsicht irritiert: Wenger hat nach dem Gegentreffer nicht einmal versucht, durch Einwechslungen ein wenig Fahrt in das höfliche Kurzpaßspiel seiner Mannschaft zu bringen. Während Mourinho "auf den ersten Anschein einer leichten Überlegenheit von Arsenal reagierte, indem er Wright-Phillips und Essien brachte", wie eine englische Zeitung, die den Transferwert dieser beiden Spieler nicht mehr erwähnen muß, heute korrekt schrieb, hatte Wenger keine Reserven auf der Bank, und beließ es also bei dieser Niederlage. Sein Führungsspieler Thierry Henry pflichtete ihm mit einigen markanten Ballverlusten bei.

Sonntag, August 14, 2005

Die lieben Nachbarn

Für Volker und mich begann die neue Saison im Olympiastadion mit einem Dämpfer: Der ältere Herr, der uns vor zwei Jahren durch Zigarrengestank und äußerst unqualifizierte Kommentare aufgefallen war, sitzt heuer direkt neben uns. Er wollte sich auch um ein paar Reihen nach vorne verbessern, wie wir es im Vorjahr schon gemacht hatten, und jetzt haben wir ihn als Nachbarn. Früher hat er zwei schlanke Zigarren pro Match geraucht, dieses Mal hatte er einen dicken Humpen im Mund, als ich kam. Zigaretten halte ich gut aus, aber Zigarren stinken mich an, im Restaurant oder im Stadion. Im übrigen ist die "Familie" mehr oder weniger gleich geblieben. In der Halbzeit gab es sogar ein ganz ordentliches "Trainergespräch", schließlich sind wir alle Falko Götz. Der Coach hatte sehr konservativ aufgestellt, mit Malik Fathi und Gilberto links und Oliver Schröder rechts. Die erste Halbzeit war jämmerlich, die Mannschaft lief kaum, ganz so, als wollte sie nicht akzeptieren, daß diese Spiele künftig ihr Alltag sein werden: das mühsame Bearbeiten eines gegnerischen Blocks. Dick van Burik ging ein, zweimal über die Mittellinie, aber die Anzahl der Bälle, die irgendwo landeten, war sagenhaft. Niko Kovac stellte sich offensiv taub. Wichniarek und Rafael arbeiteten vorne brav, kamen aber nie auch nur in die Nähe einer Chance, weil sie sich in deren Vorbereitung aufrieben. Nach der Pause kam Kevin-Prince Boateng, der mich körpersprachlich stark an Patrick Vieira orientiert, und diese Position irgendwann ja auch beziehen soll - die des Umschlagplatzes, des Abfängers, der den Ball bekommt und ihn sofort ins eigene Spiel zurückbringt - nicht nach drei Beruhigungsdrehungen und vier Schemapässen, wie es unsere Zentrale gern hat. Den Weitschuß, mit dem Oliver Schröder dann erfolgreich war, habe ich später im Fernsehen in einer tollen Zeitlupe gesehen: Die sechs oder acht Hindernisse auf dem Weg hinter die Linie gingen alle pünktlich, also in allerletzter Sekunde zur Seite.












Von einem Duseltor will ich nicht sprechen, denn in so einem Spiel hängt sowieso viel am Glück. Die Hertha sehen viele als ein Team, das kein Glück verdient, und beim Blick auf viele Fans denke ich mir das auch manchmal - so eine übellaunige (und teilweise, let's face it, auf einem Auge blinde) Truppe will ich mir als politisches Wahlvolk schon einmal gar nicht vorstellen. Rechts sitzt ein junger Mann, der eigentlich ein ganz gutes Auge hat, dabei aber das ganze Spiel hindurch in manisch-depressiver Weise laut vor sich hin kommentiert. Ich glaube, Volker und ich werden nächstes Jahr doch einen neuen Sektor riskieren müssen. Ein Blind Date für zwanzig Nachmittage!

Sonntag, August 07, 2005

Systemwechsel



Aus der letzten Spielzeit: Artur Wichniarek hadert










Heute lese ich also zum ersten Mal in der Zeitung, daß Falko Götz vielleicht von dem bisherigen System abgehen will, daß Hertha meistens mit nur einem Stürmer und einem reich besetzten Mittelfeld spielt. Wichniarek und Rafael könnten in Hinkunft einen fast konventionellen Angriff bilden. Damit hätte das blöde 2:2 gegen Hannover gestern vielleicht sogar noch gute Konsequenzen. Denn die Mannschaft muß endlich begreifen, daß sie die Liga nicht mehr überraschen kann. Sie kann nicht Underdog und Topteam zugleich sein wollen. Gestern verfiel sie nach dem 2:0 wieder in den alten Trott, das Spiel bei eigenem Ballbesitz langsamer zu machen. Niko Kovac, dessen Selbstüberschätzung leider durch viel Lob von außen genährt wird, wollte ganz sicher die drei Hannoveraner ein wenig narren, an die er den Ball dann verlor, den er einfach schnell und präzise hätte ins eigene Spiel bringen müssen. Bei Kovac und in der Innenverteidigung, in der unglaublich schematischen zentralen Spieleröffnung also, liegt für mich die eigentliche Baustelle der Hertha. Der Systemwechsel auf zwei Stürmer steht jedoch unter dem Druck der Personalpolitik im Mittelfeld. Kovac und Marcelinho, Gilberto und Bastürk sind gesetzt. Damit fehlt bei einem 4-4-2 rechts ein Platz, denn Friedrich kann nicht ganz allein die Außenbahn bearbeiten, und irgendwann wird man Ellery Cairo wohl eine Chance geben müssen, das Flügelspiel bei der Hertha zu etablieren. Vielleicht wäre die Lösung ganz einfach: Gilberto, der auch in der Selecao links hinten spielt, wechselt auf den Platz von Malik Fathi - dann hätten Marcelinho und Bastürk mehr Platz. Das wäre aber vermutlich eine allzu offensive Konzeption. Die Abkehr vom 4-5-1 wird also wohl nicht von Dauer sein, sondern nur bis zur Genesung von Yildiray dauern. Ich hoffe nebenbei, daß wir bald einmal Kevin-Prince Boateng, den designierten Nachfolger von Niko Kovac, zu sehen bekommen. Das wäre auch gleich ein Generationenwechsel, der durch die Ablöse von Dick van Burik durch Samba nur gewinnen könnte. Ich bin wohl ein wenig ungeduldig.

Samstag, August 06, 2005

Gutes Omen, böses Omen

Wenn Ewald Lienen abergläubisch ist, wird er das als böses Omen nehmen: Vor einem Jahr kämpfte sich Bochum im ersten Spiel gegen eine überlegene Hertha nach 0-2 noch zu einem 2-2. Am Ende der Saison stand der Vfl auf einem Abstiegsplatz. Da sich die Geschichte aber bekanntlich meistens nur als Farce wiederholt, will ich einmal die Unterschiede herausstellen: Heute spielte die Hertha auswärts, und sie war nicht drückend, sondern nur optisch überlegen. Das zweite Tor durch Wichniarek war vielleicht einfach zu schön, um das letzte Wort zu bleiben. Genau das hatte ich mir gewünscht, eine Kombination der beiden Angreifer, die Verwertung einer herausgespielten Chance. Danach ging es um Sicherung des Ergebnisses und schnelle Konter. Dazu hatte die Hertha nicht die Konzentration. Gilberto vergab die Konter, und Niko Kovac suchte im Mittelfeld nicht den klugen Paß, sondern eine Dribbelsituation gegen drei Gegner - den daraus resultierenden Gegenangriff unter den wohlwollenden Augen von Dick van Burik ("The Spectator") konnte nicht einmal Hannover 96 nicht verwerten. Egal. Es wird wieder gespielt. Das zählt. Volker und ich sitzen ab nächster Woche wieder auf den Plätzen des Vorjahrs. Wenn das kein gutes Omen ist!

Donnerstag, Juli 28, 2005

Virtuelle Werbung

Heute hat mich ein junger Mann aus dem Marketing von Premiere angerufen. Er wollte mir ein Angebot machen. Ich sollte doch das neue Premiere-Sportpaket plus ein paar Filmkanäle für nur 33 Euro bestellen. Nebenbei teilte er mir noch mit, daß Premiere in Zukunft ein Sport- und ein Fußball-Paket verkaufen wird, um zusammen 37 Euro. Das Fußball-Paket kriegt man aber ohne das andere nicht. Praktisch ist das einfach die nächste Preiserhöhung, und zwar eine saftige. Bisher zahle ich 23 Euro. Ich fragte den jungen Marketender dann noch, ob Kofler sich wenigstens dieses Mal dazu herablassen würde, die Verteuerung brieflich anzukündigen, wie es sich zwischen Abonnent und Anbieter eigentlich gehört. Nein, das machen jetzt die Leute vom Marketing. Er könne mich gern in ein paar Tagen noch einmal anrufen. Daß ich Premiere nicht mag, habe ich schon mehrmals bekundet. Kein Unternehmen, das der Konkurrenz unterliegt, kann seine Kunden so arrogant und von oben herab behandeln, ihnen immer neue Erhöhungen als "Angebote" unterbreiten und zugleich durch die Hintertür immer neue Werbeformen in die Sportübertragung selbst einführen. Beim Ligacup machte die "virtuelle Werbung" noch lustige Kapriolen, die eingeblendeten Signets von Premiere und Betandwin zogen gelegentlich wie zwei zusätzliche Außenverteidiger über das Feld. Kofler möchte derzeit ganz eindeutig den Kuchen (seine Kunden) besitzen und zugleich verspeisen. Den Ligacup hat die Hertha nicht gewonnen, vielleicht aber die Einsicht, daß Roque Santa Cruz (oder "Rock", wie Fritz von Thurnundtaxis sagt, die Stimme des männlichen Protests bei Premiere) eine Memme vor dem Tor ist - bei Bayern gegen Stuttgart gab es eine Chance, die selbst König Artur Wichniarek verwertet hätte. "Rock" aber spielte einen patscherten Querpaß. All das läßt befürchten, daß Magaths Hype um den jungen Mann leeres Gerede ist, während die Verträge mit der Hertha bereits unterschriftsreif sind. Hoffentlich wird Okoronkwo (freue mich schon auf die Aussprache durch Thurnundtaxis) ihn dann auf die Bank verbannen. Dort, wo Tim Wiese bei Bremen sitzt. Gleich neben der virtuellen Werbung.

Dienstag, Juli 05, 2005

Trainingsbeginn

Gestern hat die B.Z. das neue Mannschaftsfoto der Hertha als Poster gebracht. Es zeigt einen vorläufigen Kader, weil Friedrich noch in Urlaub ist, auch Gilberto natürlich und Solomon Okoronkwo, der in Nigeria ist. Kevin Stuhr-Ellegaard ist auch noch nicht da. Der neue Stürmer, der vielleicht kommen soll, ist noch ungewiß. Hingegen sind Dardai und Wichniarek, die der Verein gern loswerden möchte, noch da - der Ungar hat den Kopf melancholisch nach unten gewendet, schon halb aus der Aufstellung hinaustretend, während der Pole zwar die Augen geschlossen, den Blick jedoch geöffnet hat. Er nimmt die Herausforderung an, bekundet er immer wieder. Wenn er bleibt, dann wird das eine meiner Geschichten in dieser Saison, denn ich setze immer noch auf ihn, auch wenn ich weiß, daß es schwer werden wird. Falko Götz hat schon durchblicken lassen, daß er am System mit zumeist einem Angreifer plus Marcelinho als Freigeist nichts ändern will. Das klingt ein wenig, als wollte er die neuen Aufgaben für die Hertha in dieser Saison noch ein wenig von sich wegschieben wollen. Denn heuer geht es doch darum, die Konsolidierung der letzten Saison offensiv produktiv zu machen - das System kompakter, aber vor allem durchschlagskräftiger zu machen. Die beiden 0:0 zum Saisonausgang haben ja auch die unüberhörbare Frage nach den Variationsmöglichkeiten der Hertha in den Raum gestellt - für das mangelnde Flügelspiel wurde Ellery Cairo gekauft, die Arbeitsteilung zwischen Mittelfeld und Angriff bleibt aber ungelöst, und damit werden die Laufwege für Nando und/oder Wichniarek potentiell endlos. Darauf bin ich also gespannt, wie Götz das lösen wird. Von mir aus müssen sie keinen Stürmer kaufen, schon gar nicht Roque Santa Cruz, der gut ist, aber ist er besser als Nando? Auf dem Poster in der B.Z. gefällt mir die Zuversicht von Pascal Bieler, die Underdog-Haltung von Kevin-Prince Boateng, die Beflissenheit im Ausdruck von Yildiray Bastürk, der es dem Fotografen recht machen will, und generell die Mischung, denn ich sehe viele Junge und nur wenige etablierte Kräfte. Was mich diese Saison sonst noch beschäftigen wird? Das Fernseh-Thema, die Neuausrichtung von MeanU durch den Investoren-Clan Glazer, die Entwicklung von Chelsea vs. Arsenal, die Arenen der Gegner (möchte gern nach München und Schalke zum Auswärtsspiel fahren), und dann gibt's ja noch eine Menge, was mit Fußball nix zu tun hat.

Mittwoch, Juni 15, 2005

Fernsehen nach der Zeitlupe: Mexiko

Stefan, ein Freund, war unlängst in Mexiko und hat dort auch Fußball im Fernsehen geschaut. Weil mich immer interessiert, wie das Spiel in anderen Ländern inszeniert wird, habe ich ihn um einen kleinen Bericht gebeten, den er prompt geliefert hat:

"Zum Standardrepertoire gehören Helikopter-Einstellungen, die das gesamte Spielfeld zeigen (und als solche Einstellungen auch stolz gekennzeichnet werden, mit dem Zusatz: ‚en vivo’).
- Wiederholungen und Zeitlupen zu besonderen Situationen – Tor, Abseitsentscheidung, erkanntes oder nicht geahndetes Foulspiel etc. – werden extrem zeitnah zur Verfügung gestellt. Die Variabilität der unterschiedlichen Kamerapositionen ist verblüffend; regelmäßig kommen Detailausschnitte zum Einsatz, die nur die Beine der Spieler, aber nicht mehr ihre Köpfe zeigen. Solches Bildmaterial bekommen deutsche Fernsehzuschauer bestenfalls nachgeliefert. In der Bundesliga-Berichterstattung gab es schon lange vor dem Einzug der Privatsender die Arbeitsteilung zwischen der Sportschau am frühen und dem Sportstudio am späten Abend: um sechs die Fakten, um zehn die Analyse – wie konnte das geschehen? Die Mikroform dessen, was Costard in seinem George Best-Film ,Fußball wie noch nie' gemacht hat, solche Detailausschnitte von unter besonderer Beobachtung stehenden Spielern, die gab und gibt es im deutschen Fernsehen erst in der Nachlese der Nachlese. Soviel Zeit braucht man hierzulande, um über Fußball nachzudenken. In den mexikanischen Live-Übertragungen erhält man ein Bild davon, um wie vieles rascher dieses Denken sein kann: Die, die hier die Übertragungstechnik konzipieren und bedienen, verstehen soviel von der Sache, dass sie das Spiel in jedem beliebigen Moment anhalten und erklären können. Indem sie mit ihren Instrumenten das Spiel mitspielen, produzieren sie synchron seine Analyse. Hier wird nicht nachgedacht, hier wird mitgedacht.
- Kleine, flinke Werbe-Animationen ziehen sich durch die gesamte Spielzeit. Die Bildregie ist sehr sensibel für Spielunterbrechungen, die sie rasch nutzt, manchmal regelgerecht antizipiert. Oft schneidet sie in solchen Augenblicken auf Einstellungen von den Zuschauern. Die fungieren dann als bewegter Hintergrund für die etwas zahlungskräftigeren Werbekunden. Wer weniger Geld ausgeben will, der muss sich mit einem kurzen Trick am unteren Bildrand begnügen. Die Werbung darf generell immer nur Teil des Bildes bleiben, also niemals das ganze Bild für sich beanspruchen. Eine Entdeckung war die Werbung mit dem Freistoß-Kreis: die Graphik, die den regelkonformen Abstand zwischen Ball und Verteidigermauer beschreibt, indem sie einen Kreis in das Live-Bild malt, die wurde hier gelegentlich dazu genutzt, innerhalb der runden Fläche ein Firmenlogo herumwirbeln zu lassen: der stumme Auftritt einer Marke im virtuellen Scheinwerfer-Kegel unserer gelenkten Aufmerksamkeit. Ich fand das eher überraschend als aufdringlich. Gemessen am technischen Aufwand und daran, was üblicherweise für ein Rummel veranstaltet wird um Reklamemaßnahmen, kam es mir so vor, als müsse man hier von einer erstaunlich großen Dezenz des Einsatzes von Werbung sprechen, in allen ihren Erscheinungsformen.
- Es ist auch sonst viel Graphik los: Eingriffe wie im American Football, wo handgemalt die Zone eingekreist wird, in der das jeweils angesprochene Mikro-Ereignis erneut stattfindet: replay, mit geführtem Blick. Auch die Detailvergrößerung innerhalb des üblichen Bildausschnitts, eigentlich eine klassische Lupe, soz. eine Raum-Lupe, findet häufig Anwendung – und hat in meiner kurzen Zuschauerpraxis in Mexiko immer einen Gewinn an Erkenntnis oder Gewissheit geliefert. Sinnvoller Medieneinsatz.
- Verspielter geht es bei einem Gimmick zu, den ich noch nirgendwo anders gesehen habe: in der Wiederholung werden Ball und Ball führender Spiele von zwei verschiedenfarbigen Strichellinien verfolgt. Weil ich in letzter Zeit häufiger über Möglichkeiten der graphischen Darstellung von Ballsportarten nachgedacht habe, war ich vielleicht etwas stärker sensibilisiert als meine Freunde. Für die war das nicht mehr als eine nicht unsympathische Protzerei mit dem letzten, teuren Spielzeug, Elektro-Dekoration, künstlich hinzugefügtes Pseudo-Ereignis. Ich vermute mehr: das hat mit Mustererkennungsprogrammen zu tun, das erprobt man hier schon mal, und wenn es noch keinen großen analytischen Mehrwert abwirft, dann sammelt man eben schon einmal Praxiserfahrung. Der systematische Einsatz solcher Programme im Bereich der Sportübertragungen kann nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Bei vielen Profi-Vereinen gehören sie mittlerweile - in vereinfachter, dh. in didaktischer Form - zur taktischen Grundausstattung. Was die Mexikaner hier möglicherweise erproben? Den schnellen Einsatz. Wieder geht es um Zeitnähe. Der Schritt, der jetzt folgen muss – und der in den erwähnten Taktikprogrammen schon vollzogen ist, nur dass eine ‚digitale’ Spielanalyse noch sehr viel Bearbeitungs- und Erstellungszeit braucht -: Spielzüge werden bereits kurz, nachdem sie sich ereignet haben, so umgerechnet, dass sie abstrakt auf einer das gesamte Spielfeld symbolisierenden Fläche nachgezeichnet werden – eine zeitnahe und dynamische Taktiktafel.
Ich nenne das die Alphabetisierung der Fernsehzuschauer: jeder kann lernen, das Spiel zu lesen und Wunsch von Wirklichkeit zu unterscheiden (und dann eben intelligenter zu wünschen). Das wird eine Umstellung für den gemeinen deutschen Fußball-Kommentator, der seit Beginn der privaten Sendebetriebe so brav das Emotionalisieren gepaukt hat und an spielentscheidenden Faktoren zwangsläufig vorbeiguckt. In meiner Vorstellung einer besseren Welt wird diese Form der Szenenwiederholung mit pädagogischen Charakter auf jeden Fall zu einem Standardinstrument der Live-Berichterstattung. Und der Stammtisch wird vom Geschwafel befreit - es wird dann einfach keinen Spektakelwert mehr geben ohne analytischen Mehrwert."

Dienstag, Juni 07, 2005

Verfassungsfragen

Gestern kam die Dauerkarte für die nächste Saison. Ich denke aber im Moment gar nicht so viel an Hertha. Die Geschichte, die mich derzeit besonders interessiert, trägt sich in England zu. Ashley Cole, der in der Viererkette von Arsenal die linke Position besetzte (und dort sehr wertvoll war), hat sich mit dem Club offensichtlich hoffnungslos zerstritten. Es sieht nicht so aus, als hätten sich die Verantwortlichen und auch der Trainer Arsène Wenger selbst dabei besonders anständig oder auch nur intelligent verhalten. Andererseits ist die Mannschaft von Arsenal natürlich auch ein Rudel von Alphatieren, unter denen der erst 24jährige Cole immer eine nachgeordnete Stellung einnahm. Er war aber gut, und strahlte auf dem Feld eine Integrität aus, die noch wichtig hätte werden können. Er hat zuletzt anscheinend 24.000 Pfund Sterling in der Woche verdient, und wollte bei Verhandlung auf 60.000 erhöht werden. Patrick Vieira streitet ab, ihm eine SMS geschickt zu haben, die lautete: Unter 80.000 unterschreibst du nichts. Dann kam die Intrigantentruppe um Mourinho und machte Cole ein unanständiges Angebot, in einem Hotelzimmer, heimlich während der Saison, was die Premier League untersagt. Ashley Cole hat sich damals wohl einigen Frust von der Seele geredet, intern war das ja eine turbulente Saison für Arsenal (die Rassismus-Geschichte zwischenm Henry und Reyes, der Wankelmut von Wenger in der Torhüterfrage, das Transfer-Drama um Vieira, das aus der letzter Sommerpause lange nachwirkte). Jetzt sieht es so aus, als wäre er bei Arsenal unten durch, bei Chelsea nicht mehr erwünscht, und eine Strafe von der Liga hat er auch zu bezahlen. Er will in die Offensive gehen und sich aus seinem Vertrag herausklagen. Die Funktionäre in England fürchten bereits ein neues Bosmans-Urteil, und zwischen den Zeilen lassen sie auch anklingen, von welcher Seite sie wirklich unter Druck stehen: Die Wettbewerbskommission in Brüssel möchte am liebsten den freien Spielerverkehr. Transferzeiten und Ablösesummen bei bestehenden Verträgen gelten den Funktionären als Behinderungen der vollständigen Freizügigkeit. "The game's ability to govern itself", wie ein britischer Journalist schrieb, steht auf dem Spiel. Übrigens auch in Hinsicht auf die Fernsehrechte. Auch da mischt sich Brüssel immer wieder ein, und die Premier League hat alle Hände voll zu tun, die zentrale Vermarktung der Spiele aufrechtzuerhalten, um den Betrieb, der durch die CL ja ohnehin schon dramatisch hierarchisiert wurde, nicht noch weiter auseinanderfallen zu lassen. Ich wünschte, die deutsche Bundesliga hätte Funktionäre, die sich ein wenig um diese Zusammenhänge kümmern würden - dann wäre ihnen klar, wie gut es dem Fußball in diesem Land geht.

Samstag, Mai 28, 2005

Funkionärsebene

So weit kommt es noch, daß ich die "Berliner Morgenpost" lesen muß, um den neuesten Blödsinn der Hertha-Kicker zu erfahren. Gestern entfaltete ein Fahrgast in der U1 das Großformat, und ich las eine Schlagzeile, bei der ich zuerst einmal lachen mußte: Christian Fiedler wird CDU-Vize in Berlin. Später fand ich heraus, daß die Geschichte darunter von Joe Simunic handelte, der in betrunkenem Zustand mit seinem Porsche im Lützowviertel aufgefallen ist. Die armen Jungs sind in der Sommerpause ganz orientierungslos. Heute schreibt auch die SZ über den Fall Fiedler, der inzwischen um einen Rückzieher vorangekommen ist. Dieter Hoeneß und Rupert Scholz, der Aufsichtsratsvorsitzende, haben dem Keeper in einem langen Gespräch klargemacht, welche Verpflichtungen mit einem Parteiamt einhergehen. Daß dabei auch ein wenig innerparteiliche Ranküne im Spiel war, wenn der CDU-Oldtimer Scholz dem designierten neuen Landesvorsitzenden Ingo Schmitt einen "Coup" vermasselt (es gibt zu viele "Coups" in der deutschen Politik im Moment), kann ich nur aus dem Kaffeesatz lesen: Scholz, Verteidigungsminister unter Kohl bis 1989, war 2002 in der CDU-Tempelhof nicht mehr gut genug für einen aussichtsreichen Listenplatz zur Bundestagswahl und kann sich jetzt den Ball, den sie ihm damals weggenommen haben, wieder zurückholen. Was wir hier zu sehen, ist das häßliche Gesicht der Hertha, ihre Verwurzelung im alten Establishment von West-Berlin, ihre höhere Funktionärsebene, auf die unsere Vereinshymne eigentlich gemünzt ist: Nur nach Hause gehen wir nicht. Fiedlers Naivität ist rührend, das Krisenmanagement der Hertha weniger, denn eigentlich hätte man das besagte Gespräch ja auch ein wenig früher mit ihm führen können - bevor er der "Morgenpost" schon Rede und Antwort zu stehen bereit ist, und seinen Eintritt in die CDU antritt. Meine Hertha-Kultur ist das nicht - ich sehe mich durch die Äquidistanz von Dieter Hoeneß, durch den Ossi Falko Götz, durch Yildiray Bastürk, den sie in Kreuzberg verehren, und durch Christian Müller vertreten, der mit der U1 zum Training fährt. Es wird aber noch Jahre dauern, bis das Scholz-Schiphorst-Establishment nach Hause geht.

Donnerstag, Mai 26, 2005

Champions Salto

Roland war der Pechvogel des gestrigen Abends. Er schaltete zur Halbzeit des CL-Finales zwischen AC Milan und FC Liverpool den Fernseher aus. Es stand 3:0 für die Mannschaft von Berlusconi, und Roland hatte noch zu tun. Als er in der 80. Minute kurz nachsah, ob das Finale auch dem Verlauf entsprechend zu Ende ginge, traute er seinen Augen nicht: Jetzt stand es 3:3. In den Worten von Marcel Reif: "Das Spiel hat einen Salto gemacht". Und dann gab es noch einen Spezialeffekt extra: Dudek, die wackelnde Windmühle, im Tor. Es war Schewtschenko, der an diesem Abend verzweifeln mußte. Er hatte früh das 2:0 auf dem Fuß, stand aber um Zentimeter im Abseits. Er hatte kurz vor Schluß den Siegestreffer auf dem Spann, aber Dudek erhob sich von der Linie zu einer "last hundertstelsekunde rescue". Dann stand Schewtschenko ihm gegenüber beim Elfmeterschießen, und überlegte wohl ein wenig zu lange, was er da zu sehen bekam: einen Torhüter, einen Clown, einen Superhelden? Die Mischung war es. Liverpool war durch, nach einem epischen Match, dessen Dynamik nur zum Teil die Mannschaften schufen. Da war noch etwas anderes, eine Dimension des glücklichen Moments, die von Trainer Benitez gleichwohl mit einer taktischen Auswechslung eröffnet wurde: denn erst mit der Übernahme des defensiven Mittelfelds durch Hamann nach der Pause konnte Gerrard den Raum besetzen, den bis dahin der Tändler Luis Garcia für sich allein und seine Ballverluste hatte. Vor dem 1:3 schlich sich Gerrard, nachdem er den Ball nach rechts hinaus gespielt hatte, in den Strafraum, und war bei der Flanke zur Stelle für den Kopfball. In der ganzen ersten Halbzeit hatten wir ihn kaum so weit vorne gesehen. Drei Tore in sechs Minuten kann man sich aber nicht erkämpfen, das beruht nicht auf einer geänderten Dynamik, das geht nur, wenn sich etwas öffnet, was mit dem Spiel nichts zu tun hat - die Erzählung, die Liverpool in dieser CL-Saison geschrieben hat, ging nicht antiklimaktisch zu Ende wie bei Hertha, sondern mit dem besten denkbaren Schluß überhaupt. Liverpool waren gestern die Helden dieser Erzählung, aber auch irgendwie deren Objekt. Alles lief auf Dudek hinaus, und damit auf ein ironisches Ende.

Montag, Mai 09, 2005

Rummenigge

Die Bayern sind heuer ein wenig zu einfach Meister geworden. Da jetzt bald die Verhandlungen für einen neuen Fernsehvertrag mit der Liga anstehen, sehen ihre Funktionäre eine günstige Gelegenheit, noch einmal die Niederlage gegen Chelsea zu rationalisieren - die ja keineswegs auf Augenhöhe und durch Tagesumstände zustande kam, wie Hoeneß und Magath gern behaupten, sondern einen Klassenunterschied offenbarte, den Rummenigge jetzt auf die Liga umwälzen möchte. Die Strategie ist dabei dem Bauern abgeschaut, der auf dem ausgelaugten Maisfeld eine Mangoplantage anlegen möchte. Das Maisfeld ist die Liga, in der keine ebenbürtigen Gegner mehr wachsen, weshalb auch die Bayern allmählich verkümmern. Man hat es an der Ausgelassenheit gesehen, mit der sie den Titel gefeiert haben, daß ihnen der "Kukuruz" (wie wir in Österreich sagen) immer noch recht ist, wenn es um eine Mahlzeit geht. Das Mangofeld ist der internationale Fußball: Die Bayern würden gern auf diesem Markt stärker mitwirken, vielleicht eines Tages nur noch während der Woche spielen, und am Samstag vom Balkon aus zusehen, wie sich Bielefeld und Nürnberg um den Mais raufen. Die Bayern würden gelegentlich elf globale Ikonen in ein Match gegen einen galaktischen Gegner schicken. Solange dies noch nicht geht, möchten sie sich die Teilnahme am nationalen Wettbewerb jedenfalls besonders vergüten lassen. Dies ist ein ägerliches Ende für eine Saison, in der in der ersten Hälfte noch die Wiederkehr des Systemfußballs gefeiert wurde - von der am Ende vielleicht wirklich nur der sichere Klassenerhalt von Mainz und Bielefeld übrigbleiben und die Konsolidierung von Hertha BSC, aber eben auf der anderen Seite auch eine wenig begeisternde Meistermannschaft, deren Titel heuer stärker dem Nimbus geschuldet ist als der Leistung, und sicher nicht einem System, auf das Europa schaut. Statt sich starke Gegner zu wünschen, reklamieren die Bayern die Privilegien national, die sie sich international seit fünf Jahren nicht verdient haben. Das ist Stoiberismus. Ich weiß ja, warum ich diesen Club nicht mag.

Samstag, Mai 07, 2005

Wir haben fast fertig

Thomas Strunz konnte nur eine Halbzeit lachen heute im Olympiastadion. Der Sportdirektor von Wolfsburg rechnete sich vielleicht einen zweiten Coup wie in der letzten Woche gegen Hamburg aus, nachdem Petrow wieder aus einem Freistoß die Führung für seine grün gekleidete, aber grau agierende Truppe erzielt hatte. Die erste Halbzeit war mühsam. My man Thorben Marx mußte das ausbaden. Ihm gelang wenig, und gerade vor der Pause zog er den Unmut des Publikums auf sich, weil er sich im Mittelfeld mit dem Ball verhedderte. Er blieb in der Kabine, für ihn kam Artur Wichniarek, und damit begann der Teil des Matches, der mich so richtig versöhnt hat. Ich hoffe ja immer noch, daß der polnische Stürmer, dessen Bewegungsabläufe ich so bewundere, bei der Hertha einen Durchbruch schafft. Heute spielte er sofort intensiv mit, verschoß zwar auch wieder einen interessanten Ball, legte dann aber Arne Friedrich sehr präzise im Sechzehner vor, damit der in die lange Ecke abschließen konnte. Der Jubel des Kapitäns war ein wenig breitbrüstig: er umarmte Wichniarek nicht, sondern forderte ihn zum gemeinsamen Imponiergehabe auf. Als König Artur wenig später einen Elfmeter herausholte, führte der neue Teamgeist zu beinahe kuriosen Blüten: Marcelinho machte sich am Punkt bereit für den Führungstreffer. Arne Friedrich versäumte nicht, noch hinzugehen und ihm zärtlich über das Haar zu streichen, während van Burik über das halbe Feld lief, um Wichniarek persönlich zu gratulieren. Den dritten Treffer durch Madlung reihe ich in die Kategorie "once in a lifetime", auch wenn Arne Friedrichs langer Paß und der Abschluß technisch einwandfrei waren. Ich bin nach dem Spiel noch ein wenig in die Ostkurve gegangen, wo sich die Mannschaft feiern ließ: Nando Rafael tanzte, Artur Wichniarek lachte. Nur Thorben Marx war nicht mehr aus der Kabine gekommen, jedenfalls sah ich ihn nicht. Er fiel einer experimentellen Variante zum Opfer, die eigentlich konventionell ist: Hertha spielte die ganze zweite Halbzeit mit zwei Stürmern. Mit unserem Buddy aus der fünften Reihe, der demnächst ins Zillertal in den Urlaub fahren möchte (davon aber schon sehr lang erzählt), haben wir heute das Wort "Servus" ("servas!") geübt, und uns schon einmal auf eine internationale Begegnung zwischen Hertha BSC Berlin und dem designierten österreichischen Meister Rapid Wien ("Rapid, Rapid, du bist mei Maunschoft") gefreut. Dann hoffentlich mit Marx und Wichniarek.

Donnerstag, Mai 05, 2005

Champion's League

Um ein Haar hätte es gestern der PSV Eindhoven gegen den AC Milan in die Verlängerung geschafft, und es hätte vielleicht wieder ein CL-Finale der Außenseiter gegeben. Das 1:2 durch Ambrosini in der 91. Minute war unverdient, aber nicht zynisch - es war einfach eine andere Ansicht dieses Wimmelbilds von einem Spiel. Wie schon die Auseinandersetzung zwischen Liverpool und Chelsea am Abend davor fand ich PSV-Milan ein Schulbeispiel für Taktik unter den besonderen Bedingungen eines Rückspiels. Eindhoven hatte ein 0:2 aufzuholen. Sie taten dies offensichtlich, indem sie sich an ein Drehbuch hielten, an eine Einteilung der 90 Minuten in intensive und erholsame Zeit. Das ging natürlich nur gut, weil sich Milan mit seinem beträchtlichen Selbstbewußtsein an diese Struktur hielt - sie wollten sich erst bei einem 0:3 entscheidend engagieren, und dazu kam es eben nicht. Es war keine Aufholjagd, die Eindhoven zeigte, sondern ein schrittweises Ausgleichen des Torverhältnisses - zwanglos beinahe fielen die zwei Tore, nie kam Hektik auf, unglaublich präzise verlief das Kurzpaßspiel, das manchmal zehn Minuten nur den einen Zweck hatte, Zeit verstreichen zu lassen, die für die Entscheidung des Matches nicht gebraucht wurde. Ich mußte immer wieder an Hertha denken, die während der ganzen Saison hin und her schwankte zwischen ihrem Selbstverständnis als Kontermannschaft und Spielmannschaft - nach so manchem 1:0 zog sie sich in die Warteposition zurück und gab dann das Spiel aus der Hand. Eindhoven aber zog sich gestern in die Warteposition zurück, indem sie das Spiel in der Hand behielt. Ein einziger Spielzug von Milan zerstörte dieses Konzept, das ebenso gut hätte aufgehen können. Auf das Finale zwischen Milan und Liverpool freue ich mich jetzt wirklich. In den beiden Spielen der "Reds" gegen Juventus sah ich den Ansatz zu einem kleinen Epos, den sie gegen Chelsea voll eingelöst haben. Wenn ich es recht bedenke, ist dies eigentlich mein Traumfinale (diesseits der Paarung Arsenal-Hertha), denn ich sehe Liverpool in der Lage, die Milan noch ein bißchen stärker zu fordern, als es Eindhoven gestern konnte.

Samstag, April 30, 2005

Rasenmäher

Eigentlich wollten wir ja heute in Rostock sein. Simon und Cate und A. und ich gegen "Baltic Force". Weil es aber am Montag im Europa-Center keine Karten mehr gab, und eine Auswärtsfahrt ins Blaue uns dann doch zu blauäugig erschien, habe ich die Niederlage gegen Hansa Rostock im Fernsehen gesehen - ohnmächtiger noch als Falko Götz, der immerhin Auswechslungen vornehmen konnte (mir unverständliche allerdings). Hertha kam mit den Vorschußlorbeeren. Hansa trat mit der Hypothek an, daß auch ein Sieg die Mannschaft nicht viel weiter bringen würde, wenn Gladbach und Mainz punkteten. Hertha versuchte, ihr Spiel aufzuziehen, den Kombinationsfußball, der von der Präzision lebt. Rostock dagegen spielte einfach, zog auch gelegentlich ab, und als van Burik um Di Salvo herumirrte, war schon klar, daß dies eine wacklige Sache sein würde. Auf dürftigem Rasen spielt Hertha immer schlecht, das hat mit der technischen Überlegenheit zu tun, die heute zu einer taktischen Unterlegenheit führte. Sie wollten Rostock ausspielen, und bemerkten nicht, daß auch ein Spiel in die Gegenrichtung im Gang war. Die Fähigkeit, einen bedeutenden Moment zu ergreifen, muß die Hertha erst lernen. An Marcelinho sollte sie sich dabei nicht orientieren. Obwohl er viele besondere Momente schafft, ist er nicht der Mann, der Spiele dreht. Gefragt ist ein Typ wie Frank Lampard, der heute Chelsea gegen die leider stark beschränkten Bolton Wanderers zum Titel geschossen hat. Ich hatte immer gehofft, daß Thorben Marx in diese Rolle hineinwachsen könnte - es sieht nur leider nicht danach aus. Drei Momente haben wir noch in dieser Saison, von der Falk Götz die Hoffnung hegte, sie könnte "etwas ganz Großes" werden. Ich melde mich freiwillig zum Rasenmähen im Olympiastadion.

Marcelo dos Santos Paraiba

In der "Berliner Zeitung" hat die Hertha es heute auf die Seite 3 geschafft. Das sagt viel über den neuen Stellenwert der Mannschaft. Michael Jahn, Verfasser des schon früher einmal empfohlenen Standardwerks über Hertha BSC (Verlag Die Werkstatt), hat ein Marcelinho-Porträt geschrieben. Hier der Text:

Was ist eigentlich die natürliche Haarfarbe Marcelinhos? Gute Frage: Seit Jahren schon ist sie nicht mehr zu sehen. Denn Marcelinho färbt sich die Haare, und man kann nicht sagen, dass es ihm dabei an Einfallsreichtum fehlt. Er hat sie rot getragen wie der Kobold Pumuckl und golden wie einen wertvollen Helm, auch violett und Schwarz-Gold-Rot hat er schon gewählt. Zurzeit trägt er silbergrau. In Wahrheit, so heißt es, sind seine Haare leicht gekräuselt und braun. Aber wer weiß das schon genau?
Es gibt viele solcher Geschichten über den Fußballspieler Marcelinho, über einen Mann, der für Hertha BSC Berlin die meisten Tore schießt, die meisten Vorlagen gibt. Der sich die meisten Eskapaden leistet. Und es gibt ein paar Leute, die ein bisschen mehr wissen über ihn. Man kann mit ihnen im Olympiastadion, auf Mallorca und in Berlin-Kreuzberg sprechen. Sie erzählen, was Marcelinho so besonders macht.
Alcir Pereira sucht eine Landkarte von Brasilien. Das Arbeitszimmer des Übersetzers und Dolmetschers in einem Altbau in Kreuzberg ist nicht besonders übersichtlich. Überall stapeln sich Faxe, überall liegen aufgeschlagene Bücher herum. Pereira, 39, findet den Atlas mit der Brasilien-Karte nicht. So malt er die Umrisse seines Heimatlandes mit dem Finger in die Luft. "Da oben", sagt er, "ganz im Nordosten liegt Fortaleza, meine Heimatstadt. Und nicht weit davon entfernt liegt Campina Grande. Dort wohnt Marcelinho." Der Dolmetscher und der Fußballstar von Hertha BSC sind also beide so genannte Nordestinhos, Nord-Brasilianer, und Pereira sagt, da, wo Marcelinho herkommt, sei die ärmste Gegend des Landes.
Auf dem Schreibtisch stehen zwei kleine Farbfotos in Bilderrahmen. Eines zeigt Pereira Arm in Arm mit Marcelinho und Luizao, einem Weltmeister, der mit wenig Erfolg für Hertha BSC gespielt hat. Auf dem anderen Foto lächelt Pereira zusammen mit einem weißhaarigen Mann in die Kamera. Der Mann ist Mario Jorge Lobo Zagalo. Er war mehrmals Fußball-Weltmeister mit Brasilien, als Spieler und als Trainer.
Pereira redet nicht gern über sich, er ist ein bescheidener Mensch. Aber er weiß, dass er ein wichtiger Mann geworden ist. Seit vier Jahren arbeitet er als Dolmetscher für Marcelo dos Santos Paraiba, genannt Marcelinho. Im Rundfunk und vor allem im Fernsehen ist Pereira die deutsche Stimme von Marcelinho, weil der 29jährige Fußballer, der zurzeit die gesamte Bundesliga verzückt, vor Kameras nur Portugiesisch spricht. Siebzehn Tore hat Marcelinho geschossen und dreizehn Treffer meisterhaft vorbereitet. Die Leichtigkeit seines Spiels begeistert.
Es gibt viele Leute, vor allem unter den Fans, die Pereira um seinen Job beneiden. Wohl niemand außer Marcelinhos Familie - Frau Estela, Tochter Vivian, Sohn Marcello und Mutter Elita, die gerade in Berlin weilt - darf ihm so nahe sein wie Pereira. "Wenn man in einem fremden Land ankommt, ist es wichtig, dass jemand da ist, der einen versteht und der auch die Mentalität begreift", sagt der Dolmetscher. Er war da, als Marcelinho vor vier Jahren nach Berlin kam. Er begleitete ihn zum Training, zu den Spielen, zur Mannschaftssitzung, zu den Interviews, zum Vermieter, zum Zahnarzt, zur Bank, zum Einkaufen und später auch zu Gesprächen mit Herthas Manager Dieter Hoeneß. Die waren immer mal wieder nötig, wenn Hoeneß dem Brasilianer nach Eskapaden ins Gewissen reden musste, etwa nach ausgedehnten Feiern im Berliner Karneval oder versäumten Trainingsstunden.
"Für mich ist Marcelinho inzwischen ein guter Freund", sagt Alcir Pereira, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern seit sieben Jahren in Berlin lebt. "Marcello und ich gehen zwar nicht so häufig zusammen aus, weil wir auch sehr unterschiedliche Interessen haben, aber unsere Kinder kennen sich, und wir besuchen uns auch." Und wenn Marcelinho im Supermarkt steht und nicht weiter weiß, dann klingelt das Telefon bei den Pereiras. Alcir Pereira sagt: "Marcello ist ein guter Mensch und sehr bescheiden. Bei seinen Erfolgen könnte er abheben. Das macht er aber nicht." Ein Widerspruch zum gelegentlichen Partyleben ist das nicht. Feiern gehört zu Marcelinhos Lebensgefühl und ist für ihn auch Abbau von Stress.
Berlin, Schenkendorff-Platz am Olympiastadion. Marcelinho hat seine golden glänzenden Fußballstiefel an. Sie sind federleicht. Sie wiegen nur 196 Gramm. Sportschuster aus dem italienischen Ort Montebelluno haben sie angefertigt und dem Brasilianer auf den Fuß geschneidert. Man merkt, er hat Spaß beim Training: Da ein Hackentrick, dort ein Übersteiger. Immer wieder drischt er den Ball Richtung Torhüter Christian Fiedler. Der muss einige Male hinter sich greifen und flucht. Trainer Falko Götz klatscht Beifall.
Am Rande des Übungsplatzes beobachtet Rudi Wojtowicz die Szenerie. Das kommt selten vor. Wojtowicz, 49, ein ehemaliger Bundesligaprofi, ist der Chefscout von Hertha BSC und sehr viel unterwegs. Er beobachtet Spiele und Spieler, fliegt quer durch Europa und häufig auch nach Südamerika. Bevorzugte Ziele: Brasilien und Argentinien.
Das Handy von Wojtowicz klingelt. Ein Informant ist dran oder ein Spielervermittler. "Wie lange hat der Vertrag?" fragt Wojtowicz ins Handy, "was soll der kosten? Eine Million? Oder zwei? Hat der einen EU-Pass?" Wojtowicz fahndet nach einem torgefährlichen Angreifer, so wie er einst vor sechs Jahren in Südamerika einen Stürmer suchte - und in Marcelinho einen Mittelfeldspieler fand, der wohl besser ist als jeder Stürmer. Der Chefscout war der erste Mitarbeiter von Hertha BSC, der Marcelinho in dessen Heimat in einem Spiel erleben konnte. Er war auch der erste, der direkt Kontakt mit dem Brasilianer aufnahm. "Als ich ihn zum ersten Mal sah, spielte Marcello fast einen Linksaußen", erinnert sich Wojtowicz, "er fiel aber sofort auf. Vor allem wegen seiner enormen Laufbereitschaft, die nicht typisch für Brasilianer ist, und durch sein hohes Tempo." Das war 1999, und der Scout hatte die Partie zwischen dem FC Sao Paulo und Atletico Mineiro gesehen. "Später", sagt Wojtowicz, "sind wir Marcelinho zu vielen Spielen hinterhergereist. Ich habe ihn mindestens ein Dutzend Mal gesehen."
Marcelinho aber ging damals zu Olympique Marseille in die französische Liga, wo er allerdings nie heimisch wurde. So fanden Hertha BSC und Marcelinho zwei Jahre später zueinander. 2001 war man sich handelseinig. Hertha ließ einen Arzt aus Berlin in Brasilien einfliegen, und nach der medizinischen Untersuchung setzte man die Verträge auf: auf Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Später verkündete der Verein, Marcelinho habe eine Ablöse von 14 Millionen Mark gekostet. Rudi Wojtowicz ist noch immer stolz auf diesen Transfer, den Manager Dieter Hoeneß nach zähen Verhandlungen unter Dach und Fach gebracht hatte. "Der Marcello", sagt der Scout, "der war schon damals als Mensch so wie heute: offen, freundlich und ein Spaßvogel."
Balearen, Insel Mallorca. Jürgen Röber, 51, ist mal wieder auf die Insel geflogen. Der ehemalige Trainer von Hertha BSC wartet im Süden auf Angebote. Seit er im April 2004 beim VfL Wolfsburg entlassen wurde, ist Röber ohne Job. Ein bisschen Abwechslung bringt ihm in diesen Tagen einer seiner ehemaligen Spieler: Marcelinho. Journalisten aus Deutschland rufen an und wollen Röbers Meinung über den Ballvirtuosen erfragen. Schließlich war der Fußball-Lehrer der erste Trainer des Brasilianers, als dieser den Schritt nach Deutschland wagte. Man kann getrost davon ausgehen, dass Röber eine wichtige Bezugsperson für Marcelinho gewesen ist. Und der Trainer redet gerne über den Brasilianer. Ganz klar.
Er habe, erinnert sich Röber, Marcelinho vor dessen Verpflichtung nur auf einigen Videos gesehen. "Wenn er das wirklich bringt, was da zu sehen ist, dann muss man den unbedingt holen!" Das waren in etwa die Worte des Trainers, die er nach dem Studium der Videos zu Manager Hoeneß gesagt hatte. Die erste direkte Begegnung mit seinem künftigen Spielmacher endete für Röber fast mit einem Eklat. Marcelinho war über Sao Paolo, Frankfurt/Main und München nach Österreich gereist, wo Hertha BSC 2001 ein Trainingslager abhielt. "Nach solch einer Reise musst du doch mausetot sein", glaubte Röber. Marcelinho aber wollte sofort Fußball spielen. "Ich habe dann ein internes Trainingsspiel angesetzt. Hertha A gegen Hertha B. Und ich habe Marcelinho nach 30 Minuten ausgewechselt, weil ich glaubte, der sei total kaputt."
Röber hatte die Folgen nicht bedacht. Es gibt wohl nichts Schlimmeres für einen brasilianischen Fußballer, als vorzeitig vom Platz zu müssen. "Marcelinho war stinksauer auf mich und nur schwer zu beruhigen", sagt Röber. Mit etwas Abstand sieht der Trainer seinen ehemaligen Spieler nur noch in rosaroten Farben. "Der ist ein unglaublicher Fußballer." Auch Marcelinhos Abstecher ins Berliner Nachtleben sieht er mittlerweile gelassen. "Den Marcello, den musst du an der langen Leine lassen. Dann gibt er dir alles zurück." Das sensationelle Tor, das Marcelinho vor drei Wochen gegen den SC Freiburg erzielt hat - aus 48 Metern noch aus dem Mittelkreis heraus - das hat Röber im Fernsehen gesehen. "So was kann nur Marcelinho, einmalig." Künftig, sagt der Trainer, werde er wieder öfters ins Olympiastadion kommen. "Schon, um Marcelinho zu sehen."
Berlin, die Geschäftsstelle von Hertha BSC. Dieter Hoeneß besitzt ein Vorrecht, das er sich mit nur wenigen Leuten teilen muss. Marcelinho widmet seine Treffer manchmal Gott, manchmal auch ganz normalen Menschen. So etwa seiner Frau Estela, seinem Sohn Marcello junior oder auch Hertha-Kapitän Arne Friedrich. Nach dem 1:0-Sieg vor vierzehn Tagen beim Meister Werder Bremen widmete Marcelinho seinen Treffer - einen fulminanten Schuss - Assistenztrainer Andreas Thom und Manager Dieter Hoeneß. "Weil der sich immer um mich kümmert und mir immer hilft."
Hoeneß verbrachte in den letzten Wochen viel Zeit damit, die zahlreichen Probleme seines wertvollsten Spielers zu lösen. Und er verbrachte genauso viel Zeit damit, das Gleichgewicht zwischen Mannschaft und seinem Star in Balance zu halten. Nicht alle Eskapaden des Brasilianers wurden von den Mitspielern toleriert.
Zuerst waren es die finanziellen Probleme, die Marcelinho beschäftigten. Er war in seiner Heimat bei der Aufnahme von Krediten für den Bau von Häusern an windige Berater geraten. Später war er gar in der Halbzeit des Spiels bei Borussia Dortmund handgreiflich gegen seinen Kapitän Arne Friedrich geworden. Der hatte Marcelinho zuvor kritisiert. Und noch später gab es Turbulenzen, weil der Brasilianer in der Nähe des Kurfürstendamms eine Diskothek erwerben und betreiben wollte. Geplanter Name: 100% Marcelinho.
Hoeneß und Trainer Götz, den Marcelinho überschwänglich als seinen "besten Trainer überhaupt" bezeichnet, konnten die Probleme lösen. So weit es geht. Auch deshalb erleben sie wohl den besten Marcelinho, den es bisher gab.
Berlin-Kreuzberg. Alcir Pereira, der Dolmetscher von Marcelinho, lüftet noch ein kleines Geheimnis. Deutsch-Unterricht nehme der Profi schon lange nicht mehr. Aber er verstehe im Gespräch längst fast jedes Wort und könne sich auch in der deutschen Sprache ordentlich ausdrücken. Dazu müsse er aber erstens Lust haben, und zweitens müsse die Unterhaltung in ruhiger Atmosphäre stattfinden. Aber vor der Fernsehkamera, unter Zeitdruck, sagt Pereira, da habe Marcelinho noch immer ein Problem. Dort zeige er seinen wahren Charakter. "Eigentlich ist Marcelinho ein sehr scheuer Mensch."

Samstag, April 23, 2005

Volles Haus

Ludger hatte noch keine Karte, als wir heute nachmittag aus einer proppenvollen U2 stiegen und zum Olympiastadion wanderten. Ich hatte ihm Mut gemacht mit meiner Erinnerung an mein erstes Hertha-Spiel vor ein paar Jahren, das ebenfalls ausverkauft gewesen war, weil es gegen die Bayern ging. Ich fuhr damals einfach hinaus, kaufte einem Passanten ein Ticket ab - naiv, wie ich war, saß ich hinter einer durchsichtigen Plastikabsperrung im Bayern-Block. Das Spiel endete damals remis, wie auch heuer die beiden Begegnungen der Hertha mit dem deutschen Meister 2005. Es hat nach dem damaligen Erlebnis noch eine Zeitlang gedauert, bis ich mich mit Volker auf die Dauerkarte verständigt habe. Ludger wollte heute keinen überhöhten Preis bezahlen, war aber dann richtigerweise sofort überzeugt, als wir auf einen korpulenten Herrn trafen, der erzählte, daß seine Frau erkrankt wäre, weswegen er noch eine Karte übrig hatte. Vierzig Euro. Haupt- gleich neben der Ehrentribüne. Der Mann deutscher Konsul in Lillehammer. Geistiger Vater der Olympischen Spiele dort. Langjähriger Manager des Best Western in Lillehammer, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Ich fragte ihn natürlich gleich, ob er im Best Western am Hermannplatz absteigt, wenn er in Berlin ist. Er hat aber ein "Appartemeng" hier. Als er einmal ein Heimspiel von Schalke sehen wollte, rief er Heribert Fassbender an, der ihm die Nummer von Rudi Assauer gab. Als Ludger seinen westfälischen Heimatort nannte, in dem er selbst seit über zehn Jahren nicht mehr war, kannte der Herr sofort das beste Reisebüro am Ort. Das bekamen wir alles zu hören, während wir zum Einlaß anstanden. Dann mußte ich nach rechts, sie gingen nach links. Vermutlich kennt Ludger, der neben ihm auf der Haupttribüne saß, nun die Stadthistorie von Lillehammer und die Bilanzen von Best Western aus den letzten dreißig Jahren. Ich ging auf den gewohnten Platz, während A. mit Simon und Catherine in der Westkurve saß. Wir waren über das ganze Stadion verteilt - wie sich später herausstellte, war auch Michael mit seinem älteren Sohn noch da. Wir waren ausgeschwärmt. Das Match verlief fast zu glatt, als daß wir beim Schlußpfiff noch echte Befriedigung empfunden hätten. Nach der sechzigsten Minute war nicht mehr viel los. Davor glänzte Yildiray, der zwei Spiele lang ein wenig durchgehangen war. Marcelinhos neuer Look ist großartig schamanisch - erst gestern habe ich in Jena über brasilianisches Kino unterrichtet, vielleicht war auch das ein gutes Omen. Nando hat ein schönes Tor gemacht, wichtig war aber, daß er insgesamt gut intregriert wirkte. Schalke war heute schwach. Fathi hat für die Offensive üben können. Simunic beherrscht den weiten Paß auch in ganz überlegenen Spielen nicht - als Central Defender verehre ich ihn aber vorbehaltlos. Es war kein großer, aber ein toller Sieg, der wunderbare Perspektiven eröffnet. Die professionelle Arbeit dieser Saison verdeutlicht vielleicht diese Kleinigkeit: Falko Götz wechselte Dardai ein, als die Coachs begriffen, daß Kovac in Rostock wegen der gelben Karte gesperrt sein würde. Der ins zweite Glied geratene "Abräumer" bekam dadurch gleich ein wenig Matchpraxis. Das nenne ich Umsicht.

Mittwoch, April 20, 2005

Nachlese

Jetzt habe ich es mir also noch angeschaut, das 1:0 in Bremen vom vergangenen Samstag. Es war ein verdienter Sieg, der aber auf den dünnen Beinen des Glücks steht. Denn vor dem Treffer durch Marcelinho gab es zwei Situationen, die prekär genug waren. Das Handspiel von Kovac, nach einem technischen Fehler im eigenen Strafraum, hätte man mit gleichem Recht als absichtlich werten können - er trifft den Ball nicht gut, und in seine unwillkürliche Bewegung aus der Gefahr heraus mischt sich eben dieses Moment der Rettung, für das er natürlich gar nicht genug Zeit hat, es zu reflektieren - ich unterstelle eine reflexhafte Absicht, und Schiedsrichter Wack hat nach den Vorgaben einer altmodischen Anthropologie entschieden: Alles, was keine gut durchdachte Willensentscheidung ist, wird nicht gepfiffen. Der Schuß von Jensen, ebenfalls noch beim Stand von 0:0, war die Konsequenz einer legeren Stellungsleistung unserer Defensive, die sich dann aber in Position gespielt hat. Am Ende hatte Werder vier Stürmer auf dem Platz, aber keinen Regisseur, während Hertha diese Funktionen quer über die Mannschaft verteilt. Dieter Hoeneß hat während der Saison einmal gesagt, die Mannschaft wäre "schwer zu spielen" - sie ist auch schwer zu bekämpfen, und manchmal schwer zu bändigen.

Montag, April 18, 2005

Maastricht

Als Hertha am Wochenende gegen Bremen anscheinend ein tolles Spiel zeigte, saß ich quasi in der Kabine und wartete auf meinen Anpfiff: Ich war bei einer Konferenz in Maastricht eingeladen, um über Biopolitik und Film zu referieren. Die SMS mit der Nachricht von Marcelinhos Tor schickte mir Volker, noch bevor der Wiener Kollege Robnik seinen in einer grandiosen Passage über die Farrelly-Filme gipfelnden Beitrag gestartet hatte. Der Schlußpfiff in Bremen, der dann durch eine doppelte Kurznachricht aus Deutschland angezeigt wurde, fiel beinahe mit diesem Moment zusammen: Bill Murrays gesträubtes Haar in "Kingpin" und Marcelinhos Frisur sind Facetten des gleichen Schamanismus. Ich werde mir das Spiel Bremen-Berlin am Mittwoch im Premiere-Replay in aller Ruhe ansehen. Für den Samstag gegen Schalke hat auch A. eine Karte, und Simon wird mit seiner Freundin dortsein. Wir planen sogar eine Reise nach Rostock für das Auswärtsspiel in der Woche darauf. Vorher gibt es am Mittwoch noch einen Bielefelder Abend, weil Freund Jan "Django" Distelmeyer seinen Geburtstag feiert. Wir sind wieder da.

Sonntag, April 10, 2005

New York Cosmos

Fredi Bobic haben wir einmal im Kino gesehen, an dem Tag, als "Finding Nemo" in Berlin anlief. Er ging in die englische Fassung, im Cinestar, in Begleitung einer blonden Frau. Daß er nicht dumm ist, war mir immer klar - ich fand nur, daß er sich ein wenig zu klug vorkommt, und das ist ja die größte Dummheit. Das Match gegen Freiburg war wohl sein Abschied von der Hertha. Es ging nämlich an ihm weitgehend vorbei, dann hat er auch noch eine Großchance vergeben. Ich hatte nicht den Eindruck, daß ihm in unserem Sektor noch jemand die Treue hält. Jetzt kann er zu New York Cosmos gehen, wenn es diesen Ausgedingeclub noch gibt. Ich habe keine Lust, über Hertha-Freiburg groß etwas zu schreiben - es war so abschwellend gut, daß die zweite Halbzeit eine ziemliche Zumutung war. Mir fielen nur die lächerlichen Gesten von van Burik und Madlung auf, die ständig mit der Mannschaft "kommunizierten" - sie sollten lieber hinten dicht machen und nach vorn ein paar Impulse setzen. Madlung hat das ja außerplanmäßig einmal getan, fand dann aber nur Bobic als Abnehmer. Dies zu gestern. Jetzt bin ich vor allem gespannt auf Juventus-Liverpool - das Hinspiel war phasenweise großartig, und die "Reds" sind die vielleicht intensivste Mannschaft, die ich derzeit kenne. Sie machen nicht immer viel daraus, aber sie liefern große, romantische Kämpfe. Sie sind so Anti-Juve, daß es eigentlich interessant werden muß. Ich wünschte, ich könnte so etwas auch einmal über die Hertha schreiben. Dort kehrt aber gerade die Selbstgefälligkeit zurück.