Donnerstag, Mai 26, 2005

Champions Salto

Roland war der Pechvogel des gestrigen Abends. Er schaltete zur Halbzeit des CL-Finales zwischen AC Milan und FC Liverpool den Fernseher aus. Es stand 3:0 für die Mannschaft von Berlusconi, und Roland hatte noch zu tun. Als er in der 80. Minute kurz nachsah, ob das Finale auch dem Verlauf entsprechend zu Ende ginge, traute er seinen Augen nicht: Jetzt stand es 3:3. In den Worten von Marcel Reif: "Das Spiel hat einen Salto gemacht". Und dann gab es noch einen Spezialeffekt extra: Dudek, die wackelnde Windmühle, im Tor. Es war Schewtschenko, der an diesem Abend verzweifeln mußte. Er hatte früh das 2:0 auf dem Fuß, stand aber um Zentimeter im Abseits. Er hatte kurz vor Schluß den Siegestreffer auf dem Spann, aber Dudek erhob sich von der Linie zu einer "last hundertstelsekunde rescue". Dann stand Schewtschenko ihm gegenüber beim Elfmeterschießen, und überlegte wohl ein wenig zu lange, was er da zu sehen bekam: einen Torhüter, einen Clown, einen Superhelden? Die Mischung war es. Liverpool war durch, nach einem epischen Match, dessen Dynamik nur zum Teil die Mannschaften schufen. Da war noch etwas anderes, eine Dimension des glücklichen Moments, die von Trainer Benitez gleichwohl mit einer taktischen Auswechslung eröffnet wurde: denn erst mit der Übernahme des defensiven Mittelfelds durch Hamann nach der Pause konnte Gerrard den Raum besetzen, den bis dahin der Tändler Luis Garcia für sich allein und seine Ballverluste hatte. Vor dem 1:3 schlich sich Gerrard, nachdem er den Ball nach rechts hinaus gespielt hatte, in den Strafraum, und war bei der Flanke zur Stelle für den Kopfball. In der ganzen ersten Halbzeit hatten wir ihn kaum so weit vorne gesehen. Drei Tore in sechs Minuten kann man sich aber nicht erkämpfen, das beruht nicht auf einer geänderten Dynamik, das geht nur, wenn sich etwas öffnet, was mit dem Spiel nichts zu tun hat - die Erzählung, die Liverpool in dieser CL-Saison geschrieben hat, ging nicht antiklimaktisch zu Ende wie bei Hertha, sondern mit dem besten denkbaren Schluß überhaupt. Liverpool waren gestern die Helden dieser Erzählung, aber auch irgendwie deren Objekt. Alles lief auf Dudek hinaus, und damit auf ein ironisches Ende.

1 Kommentar:

der wiener hat gesagt…

kurz nach dem letzten vergebenen penalty lagen wir uns im pulse in den armen, und dann legte dj hermann dörfler die liverpool-hymne auf, und wir sagen alle zusammen: you´ll never walk alone!
der hermann erzählte, dass ein (DER?) jerzy dudek im 17. wiener gemeindebezirk gemeldet ist, jedenfalls findet sich ein entsprechender eintrag im telefonbuch. dem mann gebührt alles lob der welt. WAS FÜR EINE PARADE!
zum ganzen unfassbaren abend passend noch ein artikel diese woche in der weltwoche, in dem nachzulesen ist, dass andrij shevzenko dem berlusconi-sohn die freundin ausgespannt hat. Bravo! Danke! sieht auch wirklich toll aus, diese frau. sie wird ihn getröstet haben in dieser langen, für ihn so kalten türkischen nacht.
und jetzt: auf in den prater! dort blüht nicht nur wieder der flieder, sondern dort wird heute auch die meisterschale an die rapid überreicht. und zwar aus den händen des austria-präsidenten stronach. das wäre, als müsste berlusconi der inter die schale überreichen.