Samstag, Mai 07, 2005

Wir haben fast fertig

Thomas Strunz konnte nur eine Halbzeit lachen heute im Olympiastadion. Der Sportdirektor von Wolfsburg rechnete sich vielleicht einen zweiten Coup wie in der letzten Woche gegen Hamburg aus, nachdem Petrow wieder aus einem Freistoß die Führung für seine grün gekleidete, aber grau agierende Truppe erzielt hatte. Die erste Halbzeit war mühsam. My man Thorben Marx mußte das ausbaden. Ihm gelang wenig, und gerade vor der Pause zog er den Unmut des Publikums auf sich, weil er sich im Mittelfeld mit dem Ball verhedderte. Er blieb in der Kabine, für ihn kam Artur Wichniarek, und damit begann der Teil des Matches, der mich so richtig versöhnt hat. Ich hoffe ja immer noch, daß der polnische Stürmer, dessen Bewegungsabläufe ich so bewundere, bei der Hertha einen Durchbruch schafft. Heute spielte er sofort intensiv mit, verschoß zwar auch wieder einen interessanten Ball, legte dann aber Arne Friedrich sehr präzise im Sechzehner vor, damit der in die lange Ecke abschließen konnte. Der Jubel des Kapitäns war ein wenig breitbrüstig: er umarmte Wichniarek nicht, sondern forderte ihn zum gemeinsamen Imponiergehabe auf. Als König Artur wenig später einen Elfmeter herausholte, führte der neue Teamgeist zu beinahe kuriosen Blüten: Marcelinho machte sich am Punkt bereit für den Führungstreffer. Arne Friedrich versäumte nicht, noch hinzugehen und ihm zärtlich über das Haar zu streichen, während van Burik über das halbe Feld lief, um Wichniarek persönlich zu gratulieren. Den dritten Treffer durch Madlung reihe ich in die Kategorie "once in a lifetime", auch wenn Arne Friedrichs langer Paß und der Abschluß technisch einwandfrei waren. Ich bin nach dem Spiel noch ein wenig in die Ostkurve gegangen, wo sich die Mannschaft feiern ließ: Nando Rafael tanzte, Artur Wichniarek lachte. Nur Thorben Marx war nicht mehr aus der Kabine gekommen, jedenfalls sah ich ihn nicht. Er fiel einer experimentellen Variante zum Opfer, die eigentlich konventionell ist: Hertha spielte die ganze zweite Halbzeit mit zwei Stürmern. Mit unserem Buddy aus der fünften Reihe, der demnächst ins Zillertal in den Urlaub fahren möchte (davon aber schon sehr lang erzählt), haben wir heute das Wort "Servus" ("servas!") geübt, und uns schon einmal auf eine internationale Begegnung zwischen Hertha BSC Berlin und dem designierten österreichischen Meister Rapid Wien ("Rapid, Rapid, du bist mei Maunschoft") gefreut. Dann hoffentlich mit Marx und Wichniarek.

1 Kommentar:

der wiener hat gesagt…

rapid! raapid! raaapid!
das wäre ein match! beide mannschaften in gestreiften dressen, sehr fesch, beide mannschaften mit exzellent besetzten mittelfeldreihen, sehr gut.
so wie rapid allerdings zur zeit drauf ist (die letzten beiden spiele mit 5:0 bzw. 6:0 gewonnen!), fürchte ich für die hertha, dass sie aus dem stadion geschossen werde würde wie dazumals dynamo dresden in jenem legendären rückspiel '85, als die rapid ein 0:3 aus dem hinspiel zu hause in st. hanappi mit einem unfassbaren 5:0 mehr als wett machte (pacult 2, lainer, panenka und natürlich hanseeeeee krankl).
die rapid verbreitet also zur zeit ein klima der angst bei den gegnerischen verteidungsreihen. da passt es vielleicht ganz gut, wenn ich mir heute fassbinders "angst essen seele auf" im filmmuseum anschaue, carte blance claire denis.
ich lass den horwath grüssen!