Sonntag, September 11, 2005

Zuwanderungsgesetz

Vor dem Olympiastadion wurden heute blaue Rasseln verteilt, die schon vor dem Spiel gegen den Vfl Wolfsburg eine nervenaufreibende Geräuschkulisser erzeugten. Wenn morgen 40.000 Leute mit Tinnitus und hohem Blutdruck aufwachen, wäre ich nicht überrascht. Als Oberösterreicher kenne ich aber auch den heimlichen Sinn der Übung. In meiner Heimat sind die Rasseln aus Holz, sie heißen "Ratschen", und kommen vor Ostern, in der sogenannten Fastenzeit zum Einsatz. Kinder ziehen mit den Ratschen herum und versuchen, die Menschen in eine bußfertige Stimmung zu versetzen. Außerdem hoffen sie auf ein paar Cents. Gute Werke sind bei den Katholiken die beste Buße, und Hertha hat heute mit guten Werken das Spiel gegen die Bayern vergessen lassen. Coach Götz hatte halbmutig aufgestellt, mit Okoronkwo neben Pantelic, und Ellery Cairo auf der rechten Seite. Links waren Fathi und Gilberto wieder da. Die erste Halbzeit brachte noch nicht viel, das Spiel hätte mit ein wenig Pech auch 0:0 ausgehen können. Mit dem Glück, das aus der Arbeit kommt, fielen dann aber doch drei Tore für unsere Seite, und Pantelic konnte beim 2:0 auch gleich bestätigen, was ohnehin ersichtlich war: Er vektoriert das Spiel der Hertha, er schafft viel Probleme in der gegnerischen Verteidigung, er ist schnell, und als Nando diesen schönen Paß auf die rechte Seite spielte, den Pantelic gleich wieder nach innen, aber eben auch zum Strafraum mitnahm, konnte man für zwei, drei Sekunden weit in die Zukunft sehen - diese Mannschaft kann wachsen, dieser Angriff hat plötzlich wieder ein Gesicht. Das muß morgen auch die Story der Journalisten sein, wenn sie nicht auf der alten Melodie spielen wollen, daß Hertha heute erstmals ohne Bastürk gewonnen hat. Das Spiel gegen die Bayern, soviel muß ich der Gerechtigkeit halber noch anfügen, kam heuer zu früh. Mit einem gesunden und ausgeruhten Gilberto und der eingespielten Viererkette sah die Sache schon anders aus. Die alten Schwächen von hinten heraus sind keineswegs überwunden, und Marcelinho spielte heute wieder phasenweise sehr unglücklich. Coach Götz hat den Sieg aber verdient, weil er von Beginn an Okoronkwo brachte (neue Hertha) und nicht Neuendorf (alte Hertha). Als in der späten Phase noch Wichniarek für Pantelic kam, hatte Götz alle vier Angreifer einmal präsentiert. Sieht nicht schlecht aus. Pantelic könnte unser Klasnic werden, oder unser Berbatow. Wir werden sehen. Beim Verlassen das Stadions drückte mir dann noch ein Mädchen einen Sticker der CDU in die Hand: Darauf wurde ein Sieg über Schalke am kommenden Sonntag mit einem Sieg über Schröder assoziiert. Wir werden auch das sehen. Die Hertha hat heute jedenfalls ihr eigenes Zuwanderungsgesetz gebrochen: Nicht jeder neu verpflichtete Angreifer bekommt in Berlin sofort Ladehemmung.

Kommentare:

der wiener hat gesagt…

dieser doch etwas "braven" mannschaft kann ein "gfrast" vom balkan, wie pantelic sicher eines ist, nur gut tun! als rapidler kann ich ja nur über positive erfahrungen mit "jugoslawischen" spielern berichten - petr brucic, zlatko kranjcar, sulejman halilovic. und auch vom LASK wird dir noch der miroslav vucasinovic in erinnerung sein. allesamt bereicherungen, wie auch pantelic eine für die hertha sein wird.
viel spass!

mr.okada hat gesagt…

von ekkehard knoerer eben auf euren famosen blog gestoßen worden. wunderbar das ganze. ha ho he hertha bsc ;-)

mr.okada hat gesagt…

meine güte. meinen link wollte ich schon hinterlassen. da war ich a bisserl zu fix.