Dienstag, April 23, 2013
Schwerste Liga
Hertha BSC, Fußballclub aus der deutschen Hauptstadt, eine Mannschaft mit internationaler Ausstrahlung (im Bild Fans aus Saudi-Arabien, die ich am Sonntag vor dem Spiel gegen Sandhausen getroffen habe), wird in der kommenden Saison wieder in der obersten deutschen Spielklasse antreten. Erste Liga, schwerste Liga (vielleicht sogar weltweit gesehen). Vier Spiele sind noch Zeit, um einige Zweitliga-Rekorde zu brechen, doch geht der Blick natürlich unwillkürlich nach vorn. Dass ausgerechnet Lasogga den entscheidenden Treffer gegen den mutmaßlichen Zweitliga-Absteiger erzielte, gefiel nicht nur mir gut - es war eine Geste in zweifacher Hinsicht, eines Geste des jungen Hoffnungsträgers, der im Moment keinen richtigen Platz in der Mannschaft hat; eine Geste aber auch des Fußballgotts (Herr Zufall), dass es für diesen Mann einen anderen Plan brauchen wird, als ihn (hinter Sandro Wagner, der allerdings durch Ein- und Auswechslung in einem Spiel nicht so gut wegkam) für ein paar Minuten hintenraus reinzuschicken. Gegen Sandhausen bewies Lasogga, dass er Zug hat, sogar über die Flügel, denn er kam mehrmals innerhalb kürzerer Zeit aus der Corner-Gegend gefährlich ins Spiel.
Fabian Lustenberger hat seinen Vertrag bis 2017 verlängert (Begründung: "geile Stadt, geiles Stadion, geiles Verein"), durfte dafür ein paar Minuten im Mittelfeld spielen, bis er wegen Sandro Wagner (für Brooks) nach hinten ausweichen musste. Könnte man Ronny zu einem Typ Sahin umkonditionieren, dann wäre vielleicht sogar ein 4-4-2 denkbar, mit Lasogga (Anläufer und Vollstrecker in einer mandzukischen Person) neben Ramos. Aber ich greife vor. Dieses seltsame Jahr, in dem Hertha einmalig dominant (allerdings im falschen Film) war, geht dem Ende zu. Bierduschen und dergleichen wirken wie Pflichtübungen, es macht derzeit eher den Eindruck: Hertha hat nichts gewonnen, sondern sich mit Ruhe und Willenskraft etwas vom Hals geschafft - das Joch der (für sie) leichten Liga.
Dienstag, April 09, 2013
Säulenheilige
Nach längerer Abwesenheit bin ich gestern in mein Fanleben zurückgekehrt, der Anlass war ein passender: Topspiel der zweiten Liga, der "title clincher", der zugleich auch in der Premier League stattfand, dort allerdings schon seinen Sinn verloren hatte, weil der Rückstand von City auf United längst zu groß war. Hertha gegen Braunschweig, das war schließlich ein einseitiges Spitzenspiel, auch wenn man sehen konnte, warum die Blaugelben so weit vorn stehen. Doch Hertha ist für diese Liga eine Nummer zu groß, das gilt auch für das Olympiastadion, das eine Berliner Zeitung am Montag wieder einmal (unrealistischerweise) zur Diskussion stellte. Drei gelbe Karten für die Eintracht nach vierzig Minuten waren der deutlichste Hinweis auf die Schwierigkeiten, die Hertha dem Gegner machte. Es spielte im Grunde die Idealelf, die Coach Luhukay für sich in diesen Wochen herausmodelliert hat, also eine idiosynkratische Selektion, mit Old Boy Kobi links hinten, Allagui rechts vorn, Schulz statt Ben-Hatira, Brooks statt Franz oder Janker, Lustenberger statt Hubnik. Schon bald hieß es auch: mit Morales statt Niemeyer, der Kapitän musste verletzt hinaus.
Vor dem Spiel wurde bekannt gegeben, dass Ronny seinen Vertrag bis 2017 verlängert hat, es fiel das Wort "Liebe", die bekam er auch zurück von den knapp 40000 (grob geschätzt waren doch 10000 Anhänger von Braunschweig da, siehe Bild). Wenn nun auch noch Lustenberger unterschreibt, dann sind die beiden Säulenheiligen dieser Aufstiegssaison gebunden, und Luhukay könnte sich ohne allzu großen Druck an das weitere Team Building machen.
Zum Spiel gibt es so viel nicht zu sagen. Herthas Kompaktheit war hinreichend, auch wenn es die zwei, drei Aussetzer gab, die einen etwas anderen Spielverlauf immerhin denkbar erscheinen ließen. Ronny besorgte vor der Pause mit einem Freistoß die Führung (davor hatte er zweimal aus großer Distanz die Mauer nicht überwinden können, eine seltene Erfahrung). Ein Braunschweiger hatte das gemacht, was man instinktiv macht, wenn man sich einem Schuss von Ronny ausgeliefert sieht, er drehte sich ein wenig weg, der Ball wurde abgelenkt, der Keeper sah nicht gut aus. 1:0 zur Pause, ansprechende Pausenunterhaltung (man verzichtet inzwischen auf dumme Spiele und setzt auf Publikumsbindung durch Bild und Ton), anziehende Temperaturen und schließlich eine ungefährdete zweite Halbzeit, in der eine überragende Einzelleistung von Adrián Ramos den Höhepunkt markierte: er ließ Dogan stehen, obwohl er den deutlich längeren Weg hatte, und lupfte den Ball ins kurze Eck.
Ramos, den Luhukay sinnvollerweise auf seine beste Position zurückversetzt hat (zum Leidwesen von Lasogga), ist ein weiterer Säulenheiliger, der die Perspektive auf Liga eins aufhellt. Aber auch Allagui und Pekarik harmonierten gestern nicht schlecht.
Wenn ich richtig gerechnet habe, braucht Hertha nun aus fünf Spielen noch fünf Punkte, um sicher Platz eins oder zwei zu erreichen. Das bedeutet, dass nunmehr im Grunde Planungssicherheit besteht, auch für Fabian Lustenberger, der für seine Vertragsverlängerung hoffentlich nur noch auf den Moment wartet, an dem sich diese bestmöglich verkünden lässt - etwa dann, wenn auch theoretisch alles klar ist? Das wäre dramaturgisch in Ordnung. Der 21. April, wenn Sandhausen an einem Sonntagnachmittag (dann vielleicht sogar schon im Frühling? ich will nichts verschreien) zu Gast sein wird, wäre der designierte Termin. Der Fußballgott kann sich ja derweil um andere Dinge kümmern, Hertha ist in der Lage, das alles selbst auf die Reihe zu bekommen.
Montag, März 11, 2013
Most Valuable Player
Der Coach hatte gegen Duisburg wieder gruppendynamisch aufgestellt, es gab eine deutliche Integrationsgeste für Sami Allagui (der auf seiner angestammten Position im Angriffszentrum gemeinsam mit Sandro Wagner auf Position drei steht); der Tunesier beschränkte sich nicht auf den rechten Flügel, sondern lief fleißig auch an, arbeitete (nach) hinten mit, diverse Eigensinnigkeiten muss man ihm bei Lage der Dinge (geringe Spielzeiten) nachsehen. Schulz bekommt weiterhin den Vorzug vor Ben-Hatira, sodass man inzwischen nicht mehr den Eindruck habe kann, zweiterer werde langsam "an die Mannschaft herangeführt", vielmehr scheint er auf Sicht zweite Wahl zu sein (so enorm beeindruckend finde ich Schulz allerdings nicht, dass da nicht auch wieder einmal eine integrationspolitische Entscheidung erfolgen könnte: Ben-Hatira in der Startelf). Der Bär musste gestern sogar einer Einwechslung von Wagner zusehen, und wird sich später am Tag vielleicht das schnöde Spiel des VfB Stuttgart angesehen haben, zu dem er im Winter ja eventuell hätte wechseln sollen. Ramos bestätigte seine Position durch einen (dosenöffnenden) Kopfballtreffer.
Lustenberger spielte wieder einmal eine Halbzeit im Mittelfeld, nach wie vor sehe ich ihn eher dort, die Saison in der Innenverteidigung sollten wir als Training für seine Führungsrolle in der Hertha 2013/14 sehen, dann eine Linie weiter vorn (bei engem Kontakt der Linien, natürlich). Nächste Woche spielt Hertha in München, das Heimspiel gegen die Löwen erinnere ich als eines der taktisch, kämpferisch, spielerisch besten in der zwoten Liga. Daran anzuschließen wäre exzellentes Training für die erste Liga. Und darum geht es, bei aller gebotenen Vorsicht, von nun an doch schon.
Donnerstag, Februar 28, 2013
Feinspitzenspiel
Das DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen Bayern und Dortmund war natürlich eine Sache von überregionalem Interesse. Ich habe auch zugeschaut, einerseits als Spielbeobachter für den FC Arsenal, andererseits als Fan, der wissen wollte, ob der FCB sich anschickt zu ein paar Jahren der totalen Dominanz. Nun: es sieht ganz so aus. Selten wird ein Trainer so ein bestelltes Feld übernehmen wie Josep Guardiola. Für den Fußball-Feinspitz war das ein tolles Match, auch wenn es lange Zeit eher die Kleinigkeiten waren, die es zu bestaunen gab.
In der ersten Halbzeit gab es eine Phase von vielleicht zehn Minuten, in denen der BVB ein wenig mehr Initiative zeigte - da gab es ein paar Szenen, die man Ronny zum Studium zeigen könnte. Wie Gündogan und Götze da den Ball mit geschmeidigen Bewegungen vom eigenen Sechzehner aus nach vorne brachten, das war schon eine Augenweide. Andererseits war es kein Zufall, dass der Super Mario so weit nach hinten kommen musste. Bayern hat eine einschüchternde Organisation, beginnend mit dem ebenso aufopferungsvollen wie abgefeimten Mandzukic, der als solcher zwar nicht zum Angreifermythos taugt, der aber als Rädchen im Getriebe fast schon unersetzlich ist (selbst Lewandowski wird sich anstrengen müssen, da heranzukommen). Und in Sachen Geschmeidigkeit stand Schweinsteiger seinem Kronprinzen Gündogan nicht nach. Dazu kamen ein paar tolle Pässe von Dante, denen sein gelbes Pendant Santana nicht Gleichwertiges entgegenzusetzen hatte, und der interessant nach vorne laufende Martinez, sowie der aus guten Gründen leidenschaftliche Robben - insgesamt wurde der BVB deutlich auf seine Grenzen verwiesen.
In London wird man das Spiel hoffentlich genauestens studieren, denn der Arsenal FC muss ja in zwei Wochen nach München, und dort vermutlich mindestens vier Tore schießen, um noch eine Chance zu haben. Die Wahrscheinlichkeit dafür würde ich mit zwei bis vier Prozent beziffern, daran muss aber nun gearbeitet werden. Dass van Buyten, den man in England vorher am ehesten als "weakest link" ausgemacht hatte (in Wahrheit kam Walcott in kein einziges Einszuseins gegen ihn), gestern beinahe schon wieder vorn getroffen hätte, ist ein weiteres Zeichen für die gefühlt totale Dominanz des derzeitigen FCB. Der BVB hatte eine Menge dagegenzusetzen, letztlich aber keine Chance.
In der ersten Halbzeit gab es eine Phase von vielleicht zehn Minuten, in denen der BVB ein wenig mehr Initiative zeigte - da gab es ein paar Szenen, die man Ronny zum Studium zeigen könnte. Wie Gündogan und Götze da den Ball mit geschmeidigen Bewegungen vom eigenen Sechzehner aus nach vorne brachten, das war schon eine Augenweide. Andererseits war es kein Zufall, dass der Super Mario so weit nach hinten kommen musste. Bayern hat eine einschüchternde Organisation, beginnend mit dem ebenso aufopferungsvollen wie abgefeimten Mandzukic, der als solcher zwar nicht zum Angreifermythos taugt, der aber als Rädchen im Getriebe fast schon unersetzlich ist (selbst Lewandowski wird sich anstrengen müssen, da heranzukommen). Und in Sachen Geschmeidigkeit stand Schweinsteiger seinem Kronprinzen Gündogan nicht nach. Dazu kamen ein paar tolle Pässe von Dante, denen sein gelbes Pendant Santana nicht Gleichwertiges entgegenzusetzen hatte, und der interessant nach vorne laufende Martinez, sowie der aus guten Gründen leidenschaftliche Robben - insgesamt wurde der BVB deutlich auf seine Grenzen verwiesen.
In London wird man das Spiel hoffentlich genauestens studieren, denn der Arsenal FC muss ja in zwei Wochen nach München, und dort vermutlich mindestens vier Tore schießen, um noch eine Chance zu haben. Die Wahrscheinlichkeit dafür würde ich mit zwei bis vier Prozent beziffern, daran muss aber nun gearbeitet werden. Dass van Buyten, den man in England vorher am ehesten als "weakest link" ausgemacht hatte (in Wahrheit kam Walcott in kein einziges Einszuseins gegen ihn), gestern beinahe schon wieder vorn getroffen hätte, ist ein weiteres Zeichen für die gefühlt totale Dominanz des derzeitigen FCB. Der BVB hatte eine Menge dagegenzusetzen, letztlich aber keine Chance.
Dienstag, Februar 26, 2013
Zweierkette
Schön langsam wird das eine eigene, ästhetische Übung: Hertha und die Effizienz. Gegen den FCK gab es im richtungsweisenden Spitzenspiel ein 1:0, den Treffer erzielte Kluge in der 68. Minute nach schönem, gleichwohl ein wenig experimentellem Zuspiel des in Halbzeit zwei eingewechselten Bären. Er kam für Pekarik, nachdem Baumjohann in der 33. Minute eine (eher harte) rote Karte gesehen hatte. Gegen zehn Pfälzer wurde das Spiel dann sehr einseitig, kurz vor dem Tor kam auch noch Wagner für Brooks (den ich hier in meiner neuen kunstfotografischen Serie "Digitalisierte Schemen bei der Feldarbeit" bei einem raren Vertikalpass erwischt habe), woraufhin Hertha im Grunde mit Zweierkette spielte. Die Übermacht mit Mittelfeld zahlte sich auch aus, denn Kluge, dessen Vorstöße in die Spitze generell interessant sind, war dann eben einmal zur Stelle (ziemlich genauso, wie Djeng es neulich war).
JLu hatte die Personalreserven dieses Mal durchaus originell sortiert. Allagui und Ben-Hatira nicht im Kader, Nico Schulz auf links (der Junge holte früh nach Lochpass von Ramos einen Elfer heraus, den Ronny allerdings nicht gut genug trat, Sippel wehrte ab), Fabian Holland hinter ihm. Insgesamt die typische Mischung aus Konsolidismus und Ausbildungsinitiative, die wir vom aktuellen Chefcoach schon kennen.
Ein paar Worte zu Ronny, mit dem Hertha ja gerade über einen neuen Vertrag verhandelt. Seine Leistung zeigte gestern deutlich, dass sein Können dringend des Managements bedarf (und damit meine ich nicht Dino Lamberti). Der wichtigste Herthaner dieser Saison neben Fabian Lustenberger fiel hauptsächlich durch Eigensinn auf, wollte zuviel selbst, hielt die meisten Bälle zu lang, war auch bei den Freistößen unkonzentriert, und hinterließ einen zwiespältigen Eindruck. Ich hoffe, man macht ihm auf konstruktive Weise klar, dass er ein Zweitligastar ist, der seine Erstligaqualitäten nur durch deutliche Steigerung und bessere Integration ins Team (Zusammenspiel mit anderen Kollegen außer Adrián Ramos jederzeit erlaubt) beweisen wird müssen. Schlecht wäre es auch nicht, jemand zu haben (oder wohl eher zu holen), der eine Alternative zu Ronny sein könnte.
Hertha müsste jetzt schon eine Menge Unsinn veranstalten, um nicht wieder in die erste Liga aufzusteigen. Und wir können sicher sein, dass mit diesem Morgen die konkreten Planungen beginnen (sofern sie nicht sowieso schon im Gange sind). Was dabei auf der Geschäftsstelle passiert, werden wir eher nicht sofort mitbekommen. Wir können nur sehen, was auf dem Platz so vorangeht. Ich formuliere einmal zwei Themen: Beim Herausspielen aus der eigenen Hälfte würde ich einfach einmal für ein Spiel die Option Rückpass auf Kraft verbieten. Dann würde sich das eine oder andere fünfminütige Jo-Simunic-Gedächtnisballgeschiebe verbieten (er konnte das ja wie kein anderer), und die Mannschaft würde nach Lösungen suchen müssen, wie sie Lethargie, Arroganz und Selbstbewusstsein nicht durcheinander bringt.
Zweitens wäre die Personalie Lasogga anzugehen. Der Junge ist zu gut, und als Sympathieträger und Identifikationsfigur zu wichtig, als dass er nicht mehr Spielzeiten bekommen sollte. Die Variante mit Ramos auf rechts lief eigentlich ganz gut, wenngleich ich auch glaube, dass der Kolumbianer zentral am besten aufgestellt ist. Da muss also nachgedacht und experimentiert werden, und damit bleibt die Saison auch weiterhin spannend.
JLu hatte die Personalreserven dieses Mal durchaus originell sortiert. Allagui und Ben-Hatira nicht im Kader, Nico Schulz auf links (der Junge holte früh nach Lochpass von Ramos einen Elfer heraus, den Ronny allerdings nicht gut genug trat, Sippel wehrte ab), Fabian Holland hinter ihm. Insgesamt die typische Mischung aus Konsolidismus und Ausbildungsinitiative, die wir vom aktuellen Chefcoach schon kennen.
Ein paar Worte zu Ronny, mit dem Hertha ja gerade über einen neuen Vertrag verhandelt. Seine Leistung zeigte gestern deutlich, dass sein Können dringend des Managements bedarf (und damit meine ich nicht Dino Lamberti). Der wichtigste Herthaner dieser Saison neben Fabian Lustenberger fiel hauptsächlich durch Eigensinn auf, wollte zuviel selbst, hielt die meisten Bälle zu lang, war auch bei den Freistößen unkonzentriert, und hinterließ einen zwiespältigen Eindruck. Ich hoffe, man macht ihm auf konstruktive Weise klar, dass er ein Zweitligastar ist, der seine Erstligaqualitäten nur durch deutliche Steigerung und bessere Integration ins Team (Zusammenspiel mit anderen Kollegen außer Adrián Ramos jederzeit erlaubt) beweisen wird müssen. Schlecht wäre es auch nicht, jemand zu haben (oder wohl eher zu holen), der eine Alternative zu Ronny sein könnte.
Hertha müsste jetzt schon eine Menge Unsinn veranstalten, um nicht wieder in die erste Liga aufzusteigen. Und wir können sicher sein, dass mit diesem Morgen die konkreten Planungen beginnen (sofern sie nicht sowieso schon im Gange sind). Was dabei auf der Geschäftsstelle passiert, werden wir eher nicht sofort mitbekommen. Wir können nur sehen, was auf dem Platz so vorangeht. Ich formuliere einmal zwei Themen: Beim Herausspielen aus der eigenen Hälfte würde ich einfach einmal für ein Spiel die Option Rückpass auf Kraft verbieten. Dann würde sich das eine oder andere fünfminütige Jo-Simunic-Gedächtnisballgeschiebe verbieten (er konnte das ja wie kein anderer), und die Mannschaft würde nach Lösungen suchen müssen, wie sie Lethargie, Arroganz und Selbstbewusstsein nicht durcheinander bringt.
Zweitens wäre die Personalie Lasogga anzugehen. Der Junge ist zu gut, und als Sympathieträger und Identifikationsfigur zu wichtig, als dass er nicht mehr Spielzeiten bekommen sollte. Die Variante mit Ramos auf rechts lief eigentlich ganz gut, wenngleich ich auch glaube, dass der Kolumbianer zentral am besten aufgestellt ist. Da muss also nachgedacht und experimentiert werden, und damit bleibt die Saison auch weiterhin spannend.
Donnerstag, Februar 21, 2013
Langer Pfosten
Ich will aber mit einer Personalie beginnen. Der ganze Starrsinn von Arsène Wenger zeigt sich unter anderem darin, dass er den seinerzeitigen Panikkauf Per Mertesacker (wir erinnern uns, Arsenal hatte gerade 2:8 bei Manchester United verloren) immer noch für einen Innenverteidiger von Topformat hält. Der zweite Treffer der Bayern fiel nach einem Eckball, der offensichtlich einstudiert war - van Buyten geht auf den kurzen Pfosten, der lange Pfosten Mertesacker bleibt stocksteif stehen, Sczeszny kann nur abprallen lassen, Müller sendet ein. Was an dieser Szene so richtig ärgerlich ist, ist, dass sie drei Minuten davor schon einmal stattgefunden hatte, wie zur Probe war van Buyten Mertesacker schon einmal enteilt, da kam der Ball noch ein bisschen zu hoch, als dass daraus etwas entstehen hätte können.
Insgesamt kann man sagen, dass Arsenal durch das Bayern-Forechecking mächtig verunsichert war. Das erste Gegentor entsteht ja dadurch, dass Sczeszny, in seinen Abwürfen sowieso häufig zu unüberlegt, den Ball kurz auf Koscielny wirft, der wird von Kroos angelaufen, kann nur hoch nach vorne schlagen, Bayern nimmt auf, schaltet um, Arsenal ist defensiv durcheinander, Ribéry mischt sich auf Müllers Seite ein, Schweinsteiger ist auch da drüben, von Arsenal kümmert sich niemand um das Zentrum, Müller schlägt auf den Sechzehner herein, Ramsey haut daneben, Kroos hingegen trifft perfekt (auch hier geht Mertesacker merkwürdig in den Block, sich eigentlich wegdrehend von dem zu gewärtigenden Schuss).
Vernünftige Mannschaften spielen heutzutage ein integriertes Offensivdefensivkonzept, in dem man nicht einmal mehr eigentlich von Umschalten sprechen muss, sondern von ständigen Kontraktionen, wobei Bayern ganz eindeutig rechts mehr vorhatte als links. Vermaelen und der nicht immer gut zurücklaufende Podolski waren als "targets" ausersehen, und erwiesen sich auch als solche.
Woche für Woche bekommt Arsenal schon seit Jahren dieselbe Lektion. Die Räume für das berühmte "Kurzpassspiel", das inzwischen auch die besseren deutschen Journalisten aus dem Verkehr gezogen haben, werden selbst von mittelklassigen Mannschaften verlässlich zugelaufen, und die extra Arbeit, die Arsenal leisten müsste, um sie wieder offen zu laufen, wird nicht erbracht (Bayern lief sechs Kilometer mehr, zum Beispiel). Das Team ist einfach schlecht instruiert, das ist so offensichtlich, dass es fast schon peinlich ist. Die Qualität des Kaders ist nach wie vor ordentlich, aber in der momentanen Situation wird das "underachievement" geradezu gefördert.
Am Samstag kommt Aston Villa ins Emirates, dann werden die Weichen gestellt, ob diese Saison endgültig den Niedergang auch am Tabellenplatz erkennen lässt, den die Zahlen und der Augenschein längst deutlich gemacht haben.
Montag, Februar 04, 2013
Luft nach oben
Am Sonntag hat auch Hertha den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Damit beginnt jene dichte Phase des Jahres, in der die Ligen und die Pokalbewerbe mehr oder weniger tagtäglich unsere Aufmerksamkeit beanspruchen. Und es geht gar nicht anders, als dass ich alle diese Spiele in einem Zusammenhang sehe: an diesem Wochenende das leidenschaftlich erkämpfte 2:0 von Bremen gegen Hannover (mit zwei besonderen Pirouetten von Elija); der eigentlich auch ziemlich engagiert bewerkstelligte 1:0-Sieg von Arsenal über Stoke (Torschütze "by deflection": Lukas Podolski, der inzwischen beachtliche Zahlen für sein erstes EPL-Jahr reklamieren kann); der gute Auftritt von Liverpool bei den hellblauen Geldsäcken von Roberto Mancini (dass es doch nur zu einem 2:2 reichte, lag an einer Koproduktion zwischen Pepe Reina und Aguero, der Keeper irrte herum, und der Angreifer sah sich dadurch zu einem Manöver inspiriert, das man nur als Kombination aus Chuzpe und Technik bezeichnen kann - allererste Güte!); die Intensität, mit der der BVB sich an die erste Verfolgerstelle der enteilten Bayern setzte.
Dazwischen Hertha in Regensburg, ein Spiel, das nicht nur aufgrund der viel tieferen Kameraperspektive in einer ganz anderen Dimension stattzufinden schien. Ein 5:1-Sieg, bei dem auch Marvin Knoll sich in die Schützenliste eintragen durfte, dazu ein vierfach beteiligter Ronny (besonders schön sein Tor zum 4:1, er bekommt den Ball so in den Lauf, dass er sich mit dem rechten Fuß ein wenig strecken muss, gerade diese Streckung nützt er aber dazu, ihn sich perfekt auf den linken zu legen). Mich freut die Überlegenheit von Luhukays auch dieses Mal wieder mindestens so sehr innenpolitisch wie taktisch formierter Elf, aber sie hat etwas Unwirkliches, denn sie lässt sich nicht projizieren: Sie betrifft ausschließlich diese Liga in dieser Saison, und sie wird von einer Mannschaft erspielt, von der ich mir nicht vorstellen möchte, wie es ihr eine Etage höher erginge.
Nach der ersten Halbzeit sprach die Sky-Reporterin (sie bewies, dass sie alle Kommentatorenphrasen drauf hat, eigener Ausdruck wird vielleicht noch kommen) von "Luft nach oben". Sie meinte das natürlich bezogen auf das Spiel in Regensburg, aber es lässt sich auf Herthas aktuellen Weg übertragen: Wir beobachten eine bemerkenswerte Binnen-Thermik in einem kleinen Seitental des Weltfußballs. Ob da aber etwas zusammenwächst, was den Turbulenzen des eigentlichen Betriebs gewachsen sein wird? Zum Glück muss die Frage jetzt nicht beantwortet werden, sie wird sich in den nächsten Monaten, Jahren von selbst beantworten. Nur eines können wir mit ziemlicher Sicherheit sagen: Derzeit hat Hertha einen Trainer, der genau für die Berliner Luft gemacht zu sein scheint, die bekanntlich immer dick und dünn zugleich ist.
Dazwischen Hertha in Regensburg, ein Spiel, das nicht nur aufgrund der viel tieferen Kameraperspektive in einer ganz anderen Dimension stattzufinden schien. Ein 5:1-Sieg, bei dem auch Marvin Knoll sich in die Schützenliste eintragen durfte, dazu ein vierfach beteiligter Ronny (besonders schön sein Tor zum 4:1, er bekommt den Ball so in den Lauf, dass er sich mit dem rechten Fuß ein wenig strecken muss, gerade diese Streckung nützt er aber dazu, ihn sich perfekt auf den linken zu legen). Mich freut die Überlegenheit von Luhukays auch dieses Mal wieder mindestens so sehr innenpolitisch wie taktisch formierter Elf, aber sie hat etwas Unwirkliches, denn sie lässt sich nicht projizieren: Sie betrifft ausschließlich diese Liga in dieser Saison, und sie wird von einer Mannschaft erspielt, von der ich mir nicht vorstellen möchte, wie es ihr eine Etage höher erginge.
Nach der ersten Halbzeit sprach die Sky-Reporterin (sie bewies, dass sie alle Kommentatorenphrasen drauf hat, eigener Ausdruck wird vielleicht noch kommen) von "Luft nach oben". Sie meinte das natürlich bezogen auf das Spiel in Regensburg, aber es lässt sich auf Herthas aktuellen Weg übertragen: Wir beobachten eine bemerkenswerte Binnen-Thermik in einem kleinen Seitental des Weltfußballs. Ob da aber etwas zusammenwächst, was den Turbulenzen des eigentlichen Betriebs gewachsen sein wird? Zum Glück muss die Frage jetzt nicht beantwortet werden, sie wird sich in den nächsten Monaten, Jahren von selbst beantworten. Nur eines können wir mit ziemlicher Sicherheit sagen: Derzeit hat Hertha einen Trainer, der genau für die Berliner Luft gemacht zu sein scheint, die bekanntlich immer dick und dünn zugleich ist.
Donnerstag, Januar 17, 2013
Més que un coach
Als die Verpflichtung von Pep Guardiola als neuer Trainer des FCB offiziell wurde, bekam ich von meinem Freund Simon sofort eine Textnachricht. Da steckte wohl eine Menge Stolz dahinter, den er dann mit einer diplomatischen Note gleich ein wenig vergesellschaftete: "Nächste Saison dann Handshake Guardiola-Luhukay". Ich hoffe, er hat auch mit diesem Detail recht, auf jeden Fall wird die ganze Liga davon profitieren, dass der begehrteste Trainer der Welt zur Hälfte seiner Sabbat-Saison schon alles klar gemacht hat (und mindestens Roman Abramovich vor den Kopf gestoßen hat). Guardiola nächstes Jahr im Olympiastadion ist tatsächlich ein toller Gedanke, wie auch Guardiola in Braunschweig oder Guardiola in Sinsheim, und natürlich Guardiola zu Füßen der "gelben Wand".
Auf die Interviews dürfen wir uns auch schon freuen, sie werden in jedem Fall Unterhaltungswert haben, und Lucien Favre bekommt seriöse Konkurrenz als originellster Idiomatiker der Liga. Da es sich mit dem FCB ja ein wenig verhält wie früher mit dem Kreml (eine Ansammlung älterer Männer mit undurchsichtiger Machtverteilung, nur alles viel öffentlicher), kann sich auch ein Unbeteiligter wie ich ein paar Gedanken von weit außen machen: Wie wird das funktionieren? Guardiola, Hoeneß, Rummenigge, Sammer, Beckenbauer, dazu also informeller Machtfaktor der phänotypisch ähnliche Mehmet Scholl, der vermutlich viel hospitieren wird - was ist das für eine Kombination? Und wie wird sich Ribéry mit der Ritterlichkeit tun, die Guardiola von seinen noblen Helden in Barcelona immer gefordert hat?
Eine sportliche Prognose ist auch deswegen schwierig, weil noch unklar ist, mit wem Guardiola kommt - sein Vize Tito Vilanova ist ja in Barcelona nach vorne gerückt, und macht seine Sache sehr gut. Mir wollte oft scheinen, dass Guardiola vielleicht gar nicht so sehr als Taktiker und Mannschaftsbauer seine größte Stärke hat, denn als jemand, der Emotionen auf sich zu ziehen vermag wie selten ein Fußballtrainer: Das Ethos von Barcelona, das war gerade dann Guardiola, wenn er sich wieder einmal kaum rühren konnte vor lauter Rückenverspannung. Für Guardiola zu laufen, muss eine besondere Ehrensache gewesen sein. Dieses Charisma ist allerdings nur bedingt transportabel, und es verträgt sich jedenfalls nicht leicht mit einem "mia san mia", mit dem sie beim FCB zuletzt eh schon sparsamer umgegangen sind.
Für mich persönlich wird die Sache auch komplizierter: In mir sitzt ja doch dieses simple Affektmuster, dass ich mich bei Niederlagen des FCB freue - es rührt aus meiner österreichischen Zeit und hat auch mit dem Umstand zu tun, dass ich wie viele andere auch Popanze gern implodieren sehe (nichts anderes hat mich letzten Mai im letzten Moment auf die Seite des ungeliebten FC Chelsea fallen lassen). Guardiola ist nun aber gerade das Gegenteil, während Klinsmann und van Gaal prächtige Popanze waren. Mit dem Pepperl werde ich aber gar nicht anders als sympathisieren können. Meiner Seel, ich bin gespannt.
(Den Titel zu meinem Eintrag habe ich dem aktuellen Kicker abgeschaut.)
Auf die Interviews dürfen wir uns auch schon freuen, sie werden in jedem Fall Unterhaltungswert haben, und Lucien Favre bekommt seriöse Konkurrenz als originellster Idiomatiker der Liga. Da es sich mit dem FCB ja ein wenig verhält wie früher mit dem Kreml (eine Ansammlung älterer Männer mit undurchsichtiger Machtverteilung, nur alles viel öffentlicher), kann sich auch ein Unbeteiligter wie ich ein paar Gedanken von weit außen machen: Wie wird das funktionieren? Guardiola, Hoeneß, Rummenigge, Sammer, Beckenbauer, dazu also informeller Machtfaktor der phänotypisch ähnliche Mehmet Scholl, der vermutlich viel hospitieren wird - was ist das für eine Kombination? Und wie wird sich Ribéry mit der Ritterlichkeit tun, die Guardiola von seinen noblen Helden in Barcelona immer gefordert hat?
Eine sportliche Prognose ist auch deswegen schwierig, weil noch unklar ist, mit wem Guardiola kommt - sein Vize Tito Vilanova ist ja in Barcelona nach vorne gerückt, und macht seine Sache sehr gut. Mir wollte oft scheinen, dass Guardiola vielleicht gar nicht so sehr als Taktiker und Mannschaftsbauer seine größte Stärke hat, denn als jemand, der Emotionen auf sich zu ziehen vermag wie selten ein Fußballtrainer: Das Ethos von Barcelona, das war gerade dann Guardiola, wenn er sich wieder einmal kaum rühren konnte vor lauter Rückenverspannung. Für Guardiola zu laufen, muss eine besondere Ehrensache gewesen sein. Dieses Charisma ist allerdings nur bedingt transportabel, und es verträgt sich jedenfalls nicht leicht mit einem "mia san mia", mit dem sie beim FCB zuletzt eh schon sparsamer umgegangen sind.
Für mich persönlich wird die Sache auch komplizierter: In mir sitzt ja doch dieses simple Affektmuster, dass ich mich bei Niederlagen des FCB freue - es rührt aus meiner österreichischen Zeit und hat auch mit dem Umstand zu tun, dass ich wie viele andere auch Popanze gern implodieren sehe (nichts anderes hat mich letzten Mai im letzten Moment auf die Seite des ungeliebten FC Chelsea fallen lassen). Guardiola ist nun aber gerade das Gegenteil, während Klinsmann und van Gaal prächtige Popanze waren. Mit dem Pepperl werde ich aber gar nicht anders als sympathisieren können. Meiner Seel, ich bin gespannt.
(Den Titel zu meinem Eintrag habe ich dem aktuellen Kicker abgeschaut.)
Dienstag, Januar 15, 2013
Alter Rowdy
Schön langsam mache ich mich daran, den Winterschlaf dieser Seite zu beenden. Dazu gibt es einen Anlass, der sich im fernen Spanien begab. Dort hat Patrick Ebert für seinen aktuellen Verein Valladolid (und nicht, wie ich irrtümlich schrieb, bei Rayo Vallecano) zwei Tore geschossen, die ihm sogar die Aufmerksamkeit des Guardian eingetragen haben (den Text muss man allerdings geduldig über das Ende hinaus lesen, um dort hin zu kommen). Wer hier schon länger mitliest, wird sich wahrscheinlich trotzdem nicht erinnern, dass Ebert von ganz frühen Beobachtungen im Jahn-Stadion an ein Spieler war, dessen Karriere mit zu beschreiben mir angelegen war. Als er damals auftauchte, meinte ich ja, sogar an seiner Art und Weise, die Aufwärmspielchen während der Halbzeitpause zu nützen (nämlich anders als die anderen, konzentrierter und zielstrebiger), eine besondere Einstellung feststellen zu können. Er wurde dann doch nicht der große Sympathieträger, zu dem er das Zeug gehabt hätte, und ob er nun eher die Hertha hat hängen lassen oder umgekehrt, ist eine müßige Frage, weil sie in beide Richtungen mit ja und nein zu beantworten ist.
Jetzt spielt er in Spanien. Selbstverständlich ist in mir unmittelbar der Gedanke erwacht, ihn dort einmal live spielen sehen zu wollen. Wer weiß, vielleicht geht sich ja in diesem Frühjahr ein Ausflug aus. Und bei dieser Gelegenheit kann ich ja schon einmal meine beiden Groundhopping-Projekte für dieses Jahr bekanntgeben: ein relativ normales, und ein spinnertes. Notiert habe ich mir jedenfalls Arsenals Auswärtsspiel in Newcastle im Mai, am letzten Wochenende der Premier League (Hertha spielt da gegen Cottbus, und wenn es dann noch um den Aufstieg geht, fahre ich nicht nach England). Das andere Projekt fällt in die Abteilung Abenteuer. Am 11. Oktober spielt Kasachstan gegen die Faröer Inseln, auswärts. Das ultimative europäische Länderspiel. Stelle ich mir interessant vor, würde ich gern mit der Fähre anreisen. Ist noch weit weg, hat sich aber als Idee in meinem Kopf schon ziemlich festgesetzt.
Jetzt spielt er in Spanien. Selbstverständlich ist in mir unmittelbar der Gedanke erwacht, ihn dort einmal live spielen sehen zu wollen. Wer weiß, vielleicht geht sich ja in diesem Frühjahr ein Ausflug aus. Und bei dieser Gelegenheit kann ich ja schon einmal meine beiden Groundhopping-Projekte für dieses Jahr bekanntgeben: ein relativ normales, und ein spinnertes. Notiert habe ich mir jedenfalls Arsenals Auswärtsspiel in Newcastle im Mai, am letzten Wochenende der Premier League (Hertha spielt da gegen Cottbus, und wenn es dann noch um den Aufstieg geht, fahre ich nicht nach England). Das andere Projekt fällt in die Abteilung Abenteuer. Am 11. Oktober spielt Kasachstan gegen die Faröer Inseln, auswärts. Das ultimative europäische Länderspiel. Stelle ich mir interessant vor, würde ich gern mit der Fähre anreisen. Ist noch weit weg, hat sich aber als Idee in meinem Kopf schon ziemlich festgesetzt.
Sonntag, Dezember 16, 2012
Wintersause
Mit einem 2:1 gegen FSV Frankfurt hat Hertha dieses Jahr beendet. Das Spiel führte tief in die Geheimnisse des Fußballs, am Ende zählt aber auch hier nur die Statistik: 42 Punkte aus 19 Spielen, das ist mehr als in der Zweitligasaison vor zwei Jahren. Das ist beeindruckend, und das Spiel gegen Frankfurt machte beinahe den Eindruck, als wäre es selbst beeindruckt von dieser Hertha. Denn am Ende ergab es sich einfach, sodass ein Rückstand noch gedreht werden konnte. Der Kicker schrieb danach von einer Willensleistung, die notwendig war, um das Match zu drehen. Es war aber auch eine Mischung aus Zufall, Intuition, unklarer Regelauslegung, und dem Beitrag eines Mannes, der zu Recht zum Herthaner der Hinrunde gekürt wurde: Fabian Lustenberger war bei der Entstehung des Siegtreffers auf entscheidende Weise "instrumental", wie man da in England so schönt sagt. Der Schweizer macht jetzt auch noch den Hubnik (minus dessen Aussetzern) und schaltet sich vorne ein, wenn es Spitz auf Knopf steht. Es sagt viel über den Coach, von dem Hertha derzeit geleitet wird, dass er sich ohne Ansehen von Stand und Rang auf diese Innenverteidigung festgelegt hat: Lustenberger und Brooks wurden kaum rotiert (während Holland nach der Vertragsunterzeichung bis 2016 gleich einmal geschont wurde).
Wie schon im Hinspiel, als Brooks einem Gegentreffer den Weg bereitete, trug er auch dieses Mal mit einem Foul an der Strafraumgrenze dazu bei, dass der FSV an seinem Nimbus als Hertha-Nemesis arbeiten konnte: Der Freistoß wurde im Nachschuss zum 1:0 verwertet. Danach wechselte der Coach mehrfach offensiv ein, mit Mukhtar und Kachunga kamen junge Leute, aber es war der bis dahin eher schwache Ronny, der bei einem Freistoß für Hertha nicht auf seinen starken linken Fuß setzte, sondern ohne auf Ballfreigabe, Mauer etc. zu warten kurz auf Ndjeng spielte, der in den Sechzehner lief und kühl verwertete. Das war regulär, aber es bleibt immer ein wenig Ratlosigkeit, denn ganz offensichtlich war auch der Referee auf einen ruhenden Ball eingestellt, gesperrt war er aber nicht, und so zählte der Treffer. Ronny kam dann wenig später doch noch zum Schuss, dieses Mal aus dem Spiel heraus, und so ist zu diesem Weihnachtsfest für Hertha wirklich fast alles Eierlikör, vor allem der Vorsprung auf den FCK.
Unübersehbar war gegen FSV Frankfurt (das Spiel gegen Paderborn habe ich leider nicht gesehen), dass die Hertha-Offensive durchaus Probleme hat im Moment. Allagui fremdelt, Sahar auch, Ronny lässt sich zu leicht den Ball wegnehmen, Ramos suchte ihn auf dem ganzen Feld, so war es Kluge, der die Arbeit der Spielorganisation übernahm. Hertha gewann schließlich (und nicht zum ersten Mal) eher glücklich, und doch folgerichtig, wenn man sich die Zahlen ansieht: späte Tore gab es mehrfach, es existiert etwas in diesem Team, das in den letzten drei Monaten entstanden ist, eine Art unverdrossener Optimismus, das Glück auf seine Seite zwingen zu können (bestärkt von dem Wissen, dass es nicht ganz so schlimm ist, wenn das nicht gelingt, wie gegen Köln).
Die Ostkurve bemühte sich nach Kräften, den Protest gegen die DFL nicht in Weihnachtsstimmung aufzulösen, doch da zeigte sich, dass es gar nicht leicht ist, bei einem Spiel nicht mitzugehen. Hertha war nicht mitreißend, hat aber im Moment etwas von einem zielstrebigen Wanderer, dem man sich gern anschließen möchte, weil er das Gefühl vermittelt, er hätte die beste Schrittfrequenz, um den Gipfel zu erreichen.
Wie schon im Hinspiel, als Brooks einem Gegentreffer den Weg bereitete, trug er auch dieses Mal mit einem Foul an der Strafraumgrenze dazu bei, dass der FSV an seinem Nimbus als Hertha-Nemesis arbeiten konnte: Der Freistoß wurde im Nachschuss zum 1:0 verwertet. Danach wechselte der Coach mehrfach offensiv ein, mit Mukhtar und Kachunga kamen junge Leute, aber es war der bis dahin eher schwache Ronny, der bei einem Freistoß für Hertha nicht auf seinen starken linken Fuß setzte, sondern ohne auf Ballfreigabe, Mauer etc. zu warten kurz auf Ndjeng spielte, der in den Sechzehner lief und kühl verwertete. Das war regulär, aber es bleibt immer ein wenig Ratlosigkeit, denn ganz offensichtlich war auch der Referee auf einen ruhenden Ball eingestellt, gesperrt war er aber nicht, und so zählte der Treffer. Ronny kam dann wenig später doch noch zum Schuss, dieses Mal aus dem Spiel heraus, und so ist zu diesem Weihnachtsfest für Hertha wirklich fast alles Eierlikör, vor allem der Vorsprung auf den FCK.
Unübersehbar war gegen FSV Frankfurt (das Spiel gegen Paderborn habe ich leider nicht gesehen), dass die Hertha-Offensive durchaus Probleme hat im Moment. Allagui fremdelt, Sahar auch, Ronny lässt sich zu leicht den Ball wegnehmen, Ramos suchte ihn auf dem ganzen Feld, so war es Kluge, der die Arbeit der Spielorganisation übernahm. Hertha gewann schließlich (und nicht zum ersten Mal) eher glücklich, und doch folgerichtig, wenn man sich die Zahlen ansieht: späte Tore gab es mehrfach, es existiert etwas in diesem Team, das in den letzten drei Monaten entstanden ist, eine Art unverdrossener Optimismus, das Glück auf seine Seite zwingen zu können (bestärkt von dem Wissen, dass es nicht ganz so schlimm ist, wenn das nicht gelingt, wie gegen Köln).
Die Ostkurve bemühte sich nach Kräften, den Protest gegen die DFL nicht in Weihnachtsstimmung aufzulösen, doch da zeigte sich, dass es gar nicht leicht ist, bei einem Spiel nicht mitzugehen. Hertha war nicht mitreißend, hat aber im Moment etwas von einem zielstrebigen Wanderer, dem man sich gern anschließen möchte, weil er das Gefühl vermittelt, er hätte die beste Schrittfrequenz, um den Gipfel zu erreichen.
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