Dienstag, Oktober 07, 2008
Losglück
Ist das nun Lospech, oder Losglück, dass Hertha BSC in der Gruppenphase des Uefacups zwei attraktive und zwei schwierige Gegner zugelost bekommen hat? Benfica Lissabon (Heimspiel am 23. Oktober) ist für mich vor allem deswegen von Interesse, weil José Antonio Reyes dort gelandet ist, einstmals Arsenal, von dort nach Spanien zurückgekehrt und nun in Portugal gelandet. Er ist ein großartiger Fußballer, dem aber in vielen Bereichen das Zeug zum großen Fußballer zu fehlen scheint. Benfica wird die Hertha das Laufen lehren, darauf freue ich mich, auch wenn ich das Spiel nicht live sehen kann, weil ich zu diesem Zeitpunkt in Wien sein werde. Danach eine Auswährtsfahrt in die Ukraine, zu Metalist Charkow, die unbekannte Größe, da sehe ich die Hertha eindeutig in der Außenseiterrolle. Der Schlager wird sicher das Heimspiel gegen Galatasaray Istanbul, bei dem Hertha vermutlich - wie bei den Spielen gegen den FC Bayern - im eigenen Stadion ein Auswärtsspiel haben wird. Und kurz vor Weihnachten nach Griechenland, wo Olympiakos Piräus dann hoffentlich immer noch damit hadern wird, dass sie gegen Anorthosis Famagusta die CL verpasst haben. Drei von fünf Mannschaften kommen weiter. Leicht wird das nicht, aber allzu leicht war der Uefacup bisher für die Hertha in diesem Jahr. Jetzt kann sie zeigen, dass sie das auch in Zukunft haben, tun, genießen will - in Europa spielen, mit Mannschaften, deren Namen nach Fußball klingen.
Jesus
Samstag, Oktober 04, 2008
Anzeichen
Der FC Bayern hat heute gegen Bochum bis wenige Minuten vor Schluss mit 3:1 geführt, und dann noch zwei Gegentreffer hinnehmen müssen, für die es, so Uli Hoeneß später in einem Interview, "überhaupt keine Anzeichen" gegeben hatte. So ist Fußball also auch, ein Spiel aus heiterem Himmel, die Anzeichen müssen die Bayern jetzt in der Analyse suchen. Bei Bayer 04 Leverkusen werden sie heute auch nach Anzeichen dafür suchen, dass sie dieses Heimspiel gegen Hertha mit 0:1 verlieren konnten. Sie werden ihre vielen eigenen Chancen vergessen müssen und sich die Phase nach der 55. Minute anschauen müssen. Die Hertha hatte da einige Ballverluste (zum Beispiel durch Raffael oder Nicu), die so hanebüchen waren, dass ich keinen Cent auf sie gesetzt hätte (ich kam da gerade erst von einem Interview mit einem deutschen Filmemacher nach Hause, der einen Beitrag zur Lage der Nation dreht). Dann bekam die Hertha aber mehr Spielanteile, mehr vom Ball, sie begann, ihre Pässe weiter vorn zu spielen, und allmählich mehrten sich die Anzeichen dafür, dass das letzte Wort in diesem Match nicht notwendigerweise von Leverkusen gesprochen werden müsste. In der 78. Minute deutete Voronin mit der rechten Hand an, wohin er der Ball haben wollte. Nicu sah das und spielte entsprechend den Lochpass, da musste Adler zum ersten Mal die Flügel spreizen. Das war schon mehr als ein Anzeichen. Der Pass, den Arne Friedrich in der vorletzten Minute aus der Defensive herauslaufend auf den weit links hängenden Voronin spielte, war dann eigentlich eher nur entlastend, aber auch öffnend. Der Ukrainer gab sich nicht damit zufrieden, mit dem Ball an die Cornerfahre zu gehen und das torlose Remis zu halten, mit dem die Hertha heute auch schon zufrieden hätte sein müssen - er zog zur Mitte, ließ zwei Verteidiger schlecht aussehen und schoss den Siegtreffer, den Lucien Favre so dringend gebraucht hat, weil er ihm erlaubt, weiterhin auf positive Pädagogik zu setzen. Er hat heute Marc Stein eine Denkpause gegeben, Steve von Bergen rehabilitiert, und Dardai in die Mannschaft zurückgeholt. Selbst der alte Ungar lernt noch etwas beim Schweizer Coach. Die Hertha hat gespielt, wie Cottbus gegen die Hertha spielt - je länger das Spiel gedauert hat, desto mehr hat sie ihr Spiel aber über das ganze Feld entwickelt. Der Sieg war heute kein Diebstahl, hatte aber doch etwas Trickbetrügerisches: Gegner einlullen, Gegner über's Ohr hauen. Das war heute 60 Prozent alte Hertha (vergleiche das 0:0 unter Falko Götz in Stuttgart in der Meistersaison der Schwaben), 30 Prozent Anzeichen für eine neue Hertha, und 10 Prozent Dusel.
Mittwoch, Oktober 01, 2008
Sankt Patrick
Das war gestern ein Fußballabend für mich, der in zwei Welten stattfand, die nicht direkt aneinandergrenzen. Zuerst brachte sich die Hertha in Dublin zu einem schmeichelhaften torlosen Remis bei St. Patrick's Athletics, was den Aufstieg in die Gruppenphase des Uefacups bedeutete. Später zeigte Arsenal daheim im Emirates eine wunderbare, höchst lebendige Teamleistung, die mit einem 4:0 gegen den FC Porto belohnt wurde. Zur Hertha: Natürlich sind Spiele dieser Art, auf außerirdisch anmutenden Plätzen, vor noch weniger Zuschauern als vor zwei Wochen in Berlin, keine Sache, zu der man leicht ein Verhältnis gewinnt - zumal, wenn aus dem Hinspiel ein Vorsprung mit zwei Toren zur Verfügung steht. Es gibt aber individiduelle Aspekte. Immerhin wurde heuer der Kader so gestaltet, dass Stammplätze nicht auf jeder Position garantiert werden müssen. Deswegen haben mich gestern vor allem Lustenberger und Nicu interessiert, beide hätten gute Gründe, jedes Spiel zu nützen, um sich zu empfehlen. Der junge Schweizer wird aber zunehmend verzagter und unkonzentrierter, ich sehe nun schon sehr konkret das Dardai-Gespenst wieder Realität werden. Nicu zeigt sich defensiv schlecht orientiert und offensiv mäßig inspiriert - nachdem Stein gestern pausieren durfte (musste), ist die linke Seite jetzt schon eine Großbaustelle. Raffael bekam gestern einen kleinen Wutausbruch, nachdem er zur Hälfte der zweiten Halbzeit aus dem Spiel gehen musste - er muss sich auch ein wenig als Opfer eines überbelegten, qualitativ aber durchweg überschaubaren Mittelfelds vorkommen. Würde mich interessieren, wie detailliert der Coach ihm seine Rochaden erläutert. Und in welcher Sprache?
Zu Arsenal: Gestern stand zum ersten Mal meine Idealformation für diesen Herbst auf dem Platz. Almunia. Sagna-Touré-Gallas-Clichy. Walcott-Fabregas-Denilson-Nasri. Adebayor-van Persie. Die Eleganz dieser Elf war gestern phasenweise atemberaubend, sie hat ungeheuer viele Möglichkeiten, und trotzdem war die heißeste Szene des Spiels ein Porto-Konter, bei dem fünf Spieler auf einer Linie in rasendem Tempo das Feld überquerten, dazwischen nicht minder rasend die in Reichweite befindlichen Arsenal-Defensivkräfte, die verzweifelt herauszufinden versuchten, wo sie eingreifen könnten. Der Konter scheiterte schließlich an seiner eigenen Geschwindigkeit - zwar kam der Ball gut von rechts in den Fünfmeterraum, der heranrennende Mann war aber noch zu schnell und setzte ihn knapp über die Querlatte. So ein Manöver habe ich noch nie gesehen, es sollte ein Schulbeispiel auch für die Hertha werden. Von Patrick Ebert, der Herthas bisher besten Konter in diesem Jahr gegen Frankfurt so super abgeschlossen hat, hört man, dass er an der Leiste operiert werden muss. Er wird vier Wochen fehlen, und zwar wirklich - die Lücke konnte bisher niemand füllen.
Zu Arsenal: Gestern stand zum ersten Mal meine Idealformation für diesen Herbst auf dem Platz. Almunia. Sagna-Touré-Gallas-Clichy. Walcott-Fabregas-Denilson-Nasri. Adebayor-van Persie. Die Eleganz dieser Elf war gestern phasenweise atemberaubend, sie hat ungeheuer viele Möglichkeiten, und trotzdem war die heißeste Szene des Spiels ein Porto-Konter, bei dem fünf Spieler auf einer Linie in rasendem Tempo das Feld überquerten, dazwischen nicht minder rasend die in Reichweite befindlichen Arsenal-Defensivkräfte, die verzweifelt herauszufinden versuchten, wo sie eingreifen könnten. Der Konter scheiterte schließlich an seiner eigenen Geschwindigkeit - zwar kam der Ball gut von rechts in den Fünfmeterraum, der heranrennende Mann war aber noch zu schnell und setzte ihn knapp über die Querlatte. So ein Manöver habe ich noch nie gesehen, es sollte ein Schulbeispiel auch für die Hertha werden. Von Patrick Ebert, der Herthas bisher besten Konter in diesem Jahr gegen Frankfurt so super abgeschlossen hat, hört man, dass er an der Leiste operiert werden muss. Er wird vier Wochen fehlen, und zwar wirklich - die Lücke konnte bisher niemand füllen.
Sonntag, September 28, 2008
Offenbarungseid
War ein harter Tag gestern für mich, zuerst verliert die Hertha im Olympiastadion 0:1 gegen Energie Cottbus, auf dem Heimweg in der U-Bahn werfen die Fans verzweifelt einzelne Namen in die Runde, der eine fand Lustenberger desolat, der andere will die vier Millionen für Raffael zurück. Vor der Kiste dann Arsenal gegen Hull City, zum zwölften Jahrestag von Arsène Wenger in Nordlondon gibt es ein überraschendes, schockierendes 1:2. Fußball als Einübung in den Umgang mit Enttäuschungen - das großartige Spiel wird zur Lebensschule, manchmal kommt es eben darauf an, wie man verliert. Die Hertha hat gestern blamabel verloren. Es war deswegen besonders schwer hinzunehmen, weil sich eine Tendenz bestätigt hat, die sich schon seit dem zweiten Liagmatch gegen Bielefeld erkennen ließ, und die stark an die Jahre unter Falko Götz erinnert. Eine potentiell gute Mannschaft spielt aus Gründen unter ihren Möglichkeiten, die in den rätselhaften und für den Trainer schwer fassbaren Bereichen liegt: Einstellung, Engagement, Inspiration, Würde. Ich fand es bemerkenswert, dass ausgerechnet Marc Stein gestern besonders schlecht aussah. Nach dem Spiel in Dortmund hatte er noch von einer "guten Leistung" gefaselt, gestern lief er in der 13. Minute orientierungslos herum und ließ sich dann von Angelov widerstandslos überlaufen - den flachen Querpass verwertete Jelic, und die Hertha stand vor einem déjà-vu. Rückstand gegen Cottbus bedeutet anscheinend Niederlage gegen Cottbus. Die restlichen achtzig Minuten herrschte im Stadion eine seltsame Stimmung. Die Ostkurve versuchte so gut es ging noch Unterstützung zu geben, aber die bürgerlichen Ränge, auf denen ich sitze, hatten bald nur mehr Hohn und Wut übrig. Stein, der später noch zwei besonders hanebüchene Flanken schlug, bekam deutlich zu spüren, was die Menge von ihm gestern hielt. Der junge Mann spielt seine erste Saison in Berlin, er ist ganz offensichtlich anfänglich ein wenig abgehoben, sollte vom Club auch zum Teenie-Idol mit Strähnchenfrisur aufgebaut werden - jetzt ist er der dritte Defensivspieler, der heuer schon schwer beschädigt wurde bzw. sich selbst beschädigt hat. Der "Offenbarungseid", von dem die Berliner Tabloids heute schreiben, kam in der 69. Minute, als der Coach den allzu braven Lustenberger aus dem Spiel nahm und Dardai brachte. Damit war der Rückfall in die Ära Götz praktisch komplett. Es ist gar nicht so leicht, festzumachen, was gestern nicht funktioniert hat. Zehn Minuten ging ja auch was, danach aber war deutlich, dass der Ausfall von zwei leidenschaftlichen Akteuren wie Ebert und Kacar durch halbe Männer wie Nicu oder Schöngeister wie Raffael nicht zu kompensieren ist. Die Hertha spielt auch am Samstag wie im Training, ein wenig "als ob", wenn etwas misslingt, ist das nicht weiter schlimm. Standardsituationen werden souverän ignoriert, außer Ebert scheint das niemand zu üben. Nicu (auch dafür geholt) war gestern wieder sehr schwach, Chahed ist nur eine Notlösung, Pantelic und Voronin sind einander nicht immer dienlich, Raffael bekommt die Früchte seiner (mangelnden) Arbeit präsentiert, nur Cicero zeigte in der ersten Halbzeit ein wenig Initiative, er ist aber auch ein Spielertyp, für den sie in Wien den Ausdruck "der Papierene" erfunden haben. Als das Spiel aus war, gingen Friedrich, Simunic und Pantelic in die Kurve - der Serbe stellte sich den Fans wie ein Ombudsmann. Was konnte man ihm aber sagen, außer den Gemeinplätzen des Fußballs: Wir wollen euch kämpfen (und trotzdem spielen) sehen!
Samstag, September 27, 2008
Taktik
In den Fanforen hat das Cupspiel gegen Dortmund natürlich für viel Stoff gesorgt (besonders lesenswert ein Beitrag von Gadcap). Dabei kam eine Szene immer wieder zur Sprache: In der Pause vor der Verlängerung hat Jürgen Klopp die Spieler vom BVB in einen (übrigens nicht ganz geschlossenen) Motivationskreis genommen und eine anfeuernde Rede gehalten, während Coach Favre mit dem Taktikzettel zwischen seinen Spielern herumgegangen ist. Man muss dieses Bild nicht überbewerten, und wird doch Sinn darin finden. Denn der Trainer der Hertha ist ein Idealist - er spricht mehr von Intelligenz und Polyvalenz, von "richtigem" Spiel als von den Rätseln des Fußballs, die sich nicht planen lassen. Damit bekommt er das eigentliche Problem nicht in den Blick: Die Mannschaft weiß noch immer nicht, wo sie hingehört. Sie hat jetzt, das ist das Verdienst seines Trainings, potentiell schon das Vermögen, ein Spiel zu beherrschen und auch zu führen. Sie tut es aber nicht, sie wartet immer noch unbewusst auf irgendetwas, auf das sie reagieren kann. Deswegen wirkt die Hertha auch in dieser Saison schon wieder häufig so lasch, hat sie noch kein begeisterndes Spiel gezeigt und gewinnt sie, wenn, dann auf eine fade Weise. Früher war sie faul, jetzt ist sie brav wie ein Schüler, der zufrieden ist, wenn er in die nächste Klasse darf. Das Ungebärdige, das Vergügen am Spiel selbst, der Triumph über einen guten, vielleicht sogar abgeschlossenen Spielzug scheint ihr nicht viel zu bedeuten: In Dortmund gab es einen einzigen Lauf von Sofian Chahed nach direktem Spiel an die Grundlinie, der flache Querpass kam schulmäßig auf Nicu, und der neue Mann, der aus der 2. Liga kam und eigentlich Ansprüche auf einen Stammplatz anmelden möchte, schoss wie ein schüchterner Anfänger. Das fällt auf den Trainer zurück, der langsam alles Virile aus der Mannschaft entfernt und allmählich ein Ensemble von schlaffer Brillanz schafft. Cottbus wird heute ein Gegner sein, der die Hertha vielleicht an all diese anderen Dinge am Fußball erinnert, für die sie sich im Moment schon wieder zu gut ist.
Mittwoch, September 24, 2008
Höchststrafe
Das war der DFB-Pokal 2008/2009 (ohne 2009) für die Hertha. Sie hat sich mit einem 1:2 bei Borussia Dortmund verabschiedet. Das Spiel war so schlecht, dass es als Höchststrafe noch 30 Minuten Verlängerung gab. Nach neunzig Minuten war es 1:1 gestanden. Schon früh ging der BVB durch einen zweifelhaften Elfmeter in Führung, aber bald darauf konnte Pantelic den Ausgleich erzielen. Danach begann ein auf beiden Seiten tapsiges Spiel gegen den Ball, keine der beiden Mannschaften wollte ihn länger haben, Fehlpässe und Leerläufe gab es sonder Zahl. Die letzten zehn Minuten vor dem Abpfiff versuchte die Hertha halbherzig, ein wenig Druck zu machen - dass sie aber einen Sieg wollte, vermittelte sie in keiner Sekunde. So kam es zur Verlängerung, in der Klimowicz nach einem Freistoß von Sahin am langen Eck vor dem heute durchgängig schwachen Kaká zum entscheidenden Treffer kam. Das ganze Elend der Hertha zeigte sich in dem Detail, dass Drobny schon zwei Minuten vor dem endgültigen Ende in den gegnerischen Strafraum kam - so etwas nenne ich Aktionismus nach langer Apathie. Marc Stein ging danach zum Interview und sagte: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, und wurden nicht belohnt." Diese Aussage verrät, dass da etwas ganz grundlegend nicht stimmt. Die Mannschaft weiß überhaupt nicht, was sie tut. Sie hat heute ohne Ausnahme nicht einmal Bundesliganiveau gezeigt, und ich spreche hier von den einfachen Dingen: Laufen, Leidenschaft, Interesse an Situationen. Sie hat so bieder ihren taktischen Stiefel herunter gespielt, dass sie hochverdient ausgeschieden ist, obwohl sie den BVB nie wieder in einem so jämmerlichen Zustand antreffen wird. Es stellen sich aber auch systemische Fragen: Wie kommt es, dass eine Mannschaft, obwohl sie eigentlich zwei Flügelspieler auf dem Platz hat, vollständig auf Flanken verzichtet, ja sie nicht einmal sucht? Zwar war heute zu sehen, dass eine Variation aus langen Bällen und Kurzpassspiel angestrebt war, die Sache kam aber nie so richtig in die Gänge, weil die langen Bälle nur etwas bringen, wenn man nachrückt und nachsetzt, und die kurzen beim eigenen Mann so ankommen müssen, dass etwas mit ihnen anzufangen ist. Ich glaube, dass Marc Stein uns viel verraten hat. Die Hertha überschätzt sich selbst. Sie hat eine vage Ahnung von technischem Fußball, sie versucht sich um alles herumzuspielen, und vergisst den ganzen Rest - den Willen, sich durchzusetzen gegen einen Widerstand, selbst wenn er so dürftig ist wie heute der des BVB.
Neubauer
Wenn Coach Favre heute die Aufstellung für das DFB-Pokal-Match bei Borussia Dortmund bekannt gibt, dann wird darin auch ein kleines Indiz für die Verhandlungen enthalten sein, die Hertha demnächst mit Jörg Neubauer, Berater von Arne Friedrich und Sofian Chahed, zu führen hat. Bei den beiden Defensivkräften läuft der Vertrag mit dem Ende der laufenden Saison aus. Wie es jetzt aussieht, spielen sie beide auf der gleichen Position - rechts in der Viererkette. Der Kapitän ist auch in der Innenverteidigung einsetzbar, dort hat die Hertha aber drei weitere Kandidaten. Chahed galt - auch für mich - einmal als Kandidat für die Sechserposition, das hat er aber nie gründlicher ausprobieren dürfen. Nun ist es meiner Meinung nach so, dass eigentlich beide Kandidaten keine optimale Besetzung für die Außenverteidigung sind. Friedrich lässt stark zweifeln, dass er noch einmal die Dynamik, geistige Frische und auch den Wagemut finden wird, die ihn zum Nationalspieler und Kapitän der Hertha werden ließen. Chahed ist ein solider Spieler mit markanten Aussetzern, auf keinen Fall aber ein Typ, der auf seiner Position das Spiel prägt. Heute kann es gut sein, dass Friedrich zu Kaká in das Zentrum rückt, und Chahed (oder Pisczcek!) außen verteidigt; es kann auch sein, dass der Coach wieder einmal eine Dreierkette antreten lässt, obwohl er das eigentlich seit München besser wissen sollte. Wie auch immer wird er zu erkennen geben, ob er Chahed noch als gleichwertigen Ergänzungsspieler sieht oder als Auslaufmodell. Hertha will angeblich mit ihm verlängern, mit Friedrich sowieso. Genaugenommen ließe man damit aber eine Position auf längere Zeit unreformiert, die nicht zu den stärksten der Hertha zählt. Ein neuer, starker Mann hinter Patrick Ebert wäre wünschenswert. Andererseits kann man nicht in einer noch jungen Saison den Kapitän vor den Kopf stoßen, indem man ihm kein gutes, neues Angebot macht. Chahed sollte wiederum nicht durch eine frühzeitige Verlängerung zu guten Konditionen in falscher Sicherheit gewiegt werden. Bin gespannt, ob Favre, Hoeneß und Preetz es schaffen, die knifflige Aufgabe zu lösen.
Montag, September 22, 2008
Kloppo
Hertha hätte anscheinend keinen besseren Zeitpunkt erwischen können, um am Mittwoch den BVB im DFB-Pokal zu stellen. Die Mannschaft aus Dortmund, prinzipiell der aus Berlin nicht unähnlich in ihrem chronischen Mittelmaß, steht nach zwei Niederlagen in zwei Wettbewerben gegen Udine und Hoffenheim im dritten Wettbewerb unter großem Druck. Nun kommt die Hertha, die bisher zwar noch nicht so richtig überzeugen musste (außer beim 8:1 gegen den FC Nistru Otaci, einem Trainingsspiel, das nichtsdestoweniger in die Fünfjahreswertung der Uefa eingeht), die aber halbwegs im Plan ist. Wie kurios und wacklig diese Saison bisher verläuft, zeigt folgendes Zahlenspiel: Bayern hat die Hertha mit 4:1 weggeschossen, Gladbach hat Bremen mit 3:2 recht souverän bezwungen, Bremen hat Bayern mit 5:2 in deren eigener Arena blamiert, und Hertha hat Gladbach in deren eigenem Stadion 1:0 geschlagen und dabei arm aussehen lassen. Ergebnis: Bayern und Hertha stehen Schulter an Schulter im Mittelfeld der Tabelle. Wer vor drei Wochen in München genau hingesehen hat, konnte auch damals schon bemerken, dass der FCB gar nicht so gut, sondern einfach die Hertha noch viel schwächer war. Es gibt wenig Dominanz in der Liga, nur einige Indizien, dass spielfreudige Teams sich ein wenig konsolidieren: Hoffenheim und Leverkusen müssen für die Hertha im Moment die Vorbilder sein. Jürgen "Kloppo" Klopp scheint dagegen in Dortmund die Erfahrung zu machen, dass eine Mannschaft immer nur so gut sein kann wie der Kader, und den hat er - sieht man von Subotic und Zidan ab - kaum angetastet. Hertha weiß sicher um die Chance am Mittwoch.
Sonntag, September 21, 2008
Sonnenschein
War ein eher komisches T-Shirt, mit dem Alex Ferguson heute an der Stamford Bridge in der brennenden Sonne saß, für den beinahe bankrotten Versicherer AIG warb und seiner Mannschaft MeanU dabei zusah, wie sie gegen den FC Chelsea ein 1:1 herausholte. Älterer Herr, dünne Baumwolle, unvorteilhafte Querstreifen - der große Trainer wirkt in dieser Saison nicht nur modisch entzaubert. Vielleicht fehlt ihm Carlos Queiroz, sein langjähriger Stratege, doch ein wenig. Chelsea waren auch pampig, es war ein fades Spitzenspiel, an dem mich einzig die Tatsache interessiert hat, dass Arsenal nach dem 3:1 bei Bolton gestern an die Tabellenspitze ging. Die Torschützen von Arsenal zeigen, dass selbst das komische Mittelfeld, das Arsène Wenger gestern aufbot, funktioniert: Eboué, Fabregas, Song und Denilson, also eigentlich ohne richtigen Flügel. Torschützen: Eboué, Bendtner, Denilson. Der junge Brasilianer, für den ich ein Faible habe, hat sich als Ersatz für Flamini vorerst bestätigt. Und die Mannschaft insgesamt wirkt, als hätte sie noch mehr Potential als im Vorjahr. Sieht also alles ganz gut aus im Moment in der Premier League, selbst in Bolton, wo es schon legendäre Regen- und Schlammschlachten für Arsenal gab, schien gestern die Sonne. Nur nicht direkt auf die weisen Häupter.
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