Dienstag, September 02, 2008

Deadline

Gestern um Mitternacht war Deadline für die Transfers dieses Sommers. Hertha hat im letzten Moment noch Andrej Voronin vom Liverpool FC für ein Jahr ohne Option entliehen. Arsenal FC hat gar nichts getan - die Frist ist verstrichen, heute rumort es in den einschlägigen Foren gewaltig. Zu Voronin: Seine Frisur hat mich immer so gestört, dass ich mich jetzt auch nicht wirklich über ihn freuen kann. Klingt blöd, ist aber so. Prinzipiell ist das aber genau die Art Transfer (obwohl es gar keiner ist), der ich immer das Wort rede: Wenn die Bundesliga es schafft, aus der Premier League den einen oder anderen Spieler (zurück) zu holen, der dort nicht ganz die Qualität für das erste Team hat, kann sie nur profitieren. Ich hätte mich über Jermaine Pennant mehr gefreut, nun haben wir Voronin, damit Chermiti sich in aller Ruhe auskurieren und dann an die Mannschaft heranarbeiten kann, während Domovchyiski schon die Rute im Fenster stehen hat. Zudem bekommt Pantelic, dessen Langhaar ich ungleich weniger anstößig finde, ein Kaliber neben (vor?) die eigenen Vertragshoffnungen gesetzt, das dem Serben hoffentlich nicht die Laune nimmt. Er ist unsere einzige verläßliche Kraft in dieser jungen Saison. Voronin wird Virilität in eine Mannschaft bringen, der es an Körper mangelt. Die taktische Konfusion wird sich eher verstärken - Raffael hat jetzt erst recht keinen Platz, und Coach Favre wird wieder solange die Ketten verschieben, bis er irgendwo drin ist. Alles eine große Bastelstube. Arsène Wenger hat geruht, den Spielermarkt souverän zu ignorieren. Er hat - an einem Tag, an dem Manchester City von einem sehr flüssigen Investor aus Abu Dhabi übernommen wurde und es gleich noch geschafft hat, Robinho zu sich umzuleiten und den Preis, den MeanU für Berbatov entrichten musste, irrational zu erhöhen - gar nichts getan. Konkret ist nun immer noch die Position im Mittelfeld neben Fabregas vakant. Flamini hat dort gespielt, jetzt sind die Kandidaten: Denilson, Abou Diaby, Eboué, Song, Ramsey. Wenger erinnert sich vermutlich daran, dass Flamini vor der letzten Saison auch einen ähnlichen Status hatte wie die genannten Jungs. Hätte er dieses Mal eingekauft, würden wir nie erfahren, ob da nicht tatsächlich ein Supertalent kurz vor dem Durchbruch steht. Wollen wir es wissen? Ich schon.

Montag, September 01, 2008

Dreierketten

Eigentlich war ich gestern optimistisch, als die Mannschaft zum Aufwärmen aus den Schlunden der Allianzarena kam. Ich sah Pisczcek, ich sah Ebert, dazu Kacar und Cicero, Raffael und Pantelic, ich rechnete mit einem 4-4-2, bei dem Pisczcek über links und Ebert über rechts kommen sollte, hinten eine Viererkette mit Kaká und von Bergen im Zentrum, Friedrich rechts, Stein links. Das wäre eine Grundformation, ich hätte eine andere mit Lustenberger und ohne Pisczcek gewählt. Dann begann das Spiel, ich rieb mir die Augen und suchte Pisczek. Ich fand ihn rechts in einem sehr flachen Vierermittelfeld, ein wenig vor Friedrich und hinter Ebert, verloren in einem Raum, den die Bayern sofort als den ihren erkannten. Der lernwillige junge Pole, dem Favre viel zutraut, war gestern von Beginn an katastrophal, er musste allerdings eine ganze Stunde spielen, er musste die seltsame Taktik von Coach Favre ausbaden, lief apathisch herum und verschuldete schließlich mehr oder weniger im Alleingang das 0-2 durch Philipp Lahm. Damit war die Sache gelaufen, weil der Rest der Mannschaft (ich nehme Lustenberger und Pantelic und teilweise Kacar aus) keinen Mumm, keinen Willen, keinen Körper zeigte, sondern nur ein wenig Technik. Cicero versuchte selbst dann noch sein feines Passspiel aufzuziehen, als dieses ihm schon mehrmals um die Ohren geflogen war. Nie war er größer als gestern, der blinde Fleck der Hertha, der natürlich der blinde Fleck ihres Trainers ist: Er glaubt, es ließe sich fast alles durch Technik und Taktik lösen. Wie soll das aber gehen mit einem Faulpelz wie Raffael oder einem Filigran wie Cicero? Ich liebe beide, ich wünschte, sie wären komplette Fußballer, mit einer Physis und einer Einstellung, die ihrer Begabung nicht so weit nachsteht. Die Bayern spielten auch mit einer Dreierkette gestern, und Gladbach überrumpelte Bremen am Samstag mit einer Dreierkette. Das war also eines der Themen des Spieltags. Ich wäre aber eher dafür, dass Coach Favre einmal eine Grundformation einstudiert und der Mannschaft Konstanz beibringt, bevor er sie mit taktischen Ideen überfordert. Ich war live dabei, es war schrecklich, ich sehe schwarz.

Raumschiff

Zurück aus München. Es war ein Reinfall. Das Raumschiff liegt super in der Landschaft, ich wurde auch reingelassen, abgehoben hat es aber ohne mich und die Hertha (zum Spiel mehr in einem eigenen Post).

Wir hatten teure Karten, saßen eineinhalb Stunden frontal in der prallen Sonne, konnten von der ersten Halbzeit dadurch wenig sehen, erst dann kam der Schatten. Spät nachts haben wir dann in einer Sportbar am Bahnhof, in der Mike Tyson und Muhammad Ali auch schon einmal waren, noch La Coruna gegen Real gesehen, nun schon ziemlich erschöpft und ausgedörrt von diesem Sonnen-, Beton- und Stahlbad. Die Hertha-Fans kamen in der Arena überhaupt nicht zur Geltung, sie waren in eine Enklave hoch oben unter dem Dach verbannt, allzu viele waren auch gar nicht da. Die Bayern halten sich mit martialischen Inszenierungen zurück (wie ich sie zum Beispiel in Wolfsburg gesehen haben), sie spielen ein waberndes, elektronisches Dröhnen ein während der letzten Minuten vor dem Spiel, ansonsten dominiert der Hauptsponsor T-Home den Ablauf (in der Pause gibt es eine Art Talk Show). Für die traditionellen Fans gibt es hinter dem Tor einen Stehplatzbereich, der in der leeren Arena (wir blieben nach Abpfiff noch eine Weile) an andere Zeiten erinnert. Simon sprach von einem Zitat, und genau so ist es: die Allianz-Arena zitiert das Maracana-Stadion. Wenn man dann an einem spätsommerlichen Abend wie gestern hinausgeht und sich zur Stadt wendet, kommt der beste Moment: für ein paar hundert Meter Fußweg ist man in einer Zone, die überall sein könnte - am Horizont sind ein paar Hochhäuser zu sehen, dazu Autobahnen, Kraftwerke, Kläranlagen, alles, nur nicht das barocke München, von dem man in Fröttmaning nichts ahnen muss. Deswegen wohl die Rede vom Raumschiff. Wir nahmen den Zug nach Hause.

Samstag, August 30, 2008

ICE

Arsenal hat heute mit einem überzeugenden 3:0 gegen Newcastle seine Schuldigkeit getan und sich nach der Schlappe in Fulham wieder in die Spur gebracht. Damit ist der erste Teil des Fußballwochenendes gut absolviert, der zweite wird morgen einen echten Höhepunkt bringen: Um 7.53 geht der ICE nach München, in dem Simon und ich sitzen wollen, um rechtzeitig für das Auswärtsspiel der Hertha beim FC Bayern vor Ort zu sein. Wir machen es als Mini-Interrail, einmal im Zug schlafen, nämlich auf der Rückfahrt. Bin gespannt, was der Coach sich für morgen einfallen lässt. Die einzige Frage, die in meinen Augen offen ist, betrifft die Innenverteidigung: ich rechne mit Simunic neben von Bergen, Friedrich außen, Stein ist gesetzt. Davor vermutlich Lustenberger zwischen Kacar und Cicero als defensive Absicherung. Davor Raffael und Ebert, ganz vorn und überall Pantelic. Ein 4-3-2-1 respektive ein 4-3-3, das flexibles Spiel erlaubt oder erfordert, je nachdem, wie man das sehen will. Vielleicht überrascht der Coach aber auch mit einer Variante. Chermiti hat sich gegen Ljubljana schon nach elf Minuten schwer verletzt, damit fällt zumindest offensiv eine Möglichkeit weg. Wir haben super Karten, es sieht alles danach aus, als könnte ich von meinem Platz aus taktische Anweisungen geben. Ich werde mich aber hüten, denn mein österreichischer Dialekt wird leicht mit dem bayerischen verwechselt - da gibt es schnell eine Konfusion. Ha, ho, heh - Hertha ICE!

Donnerstag, August 28, 2008

Rotation

Coach Favre hat sich heute im Rückspiel gegen Interblok Ljubljana ein kleines, therapeutisches Späßchen erlaubt. Er hat fast die ganze alte Viererkette der Hertha aufgeboten, Chahed, Friedrich und Simunic, der zuletzt geäußert hatte, dass nicht einmal Einstein erklären hätte können, warum er gegen Bielefeld auf der Bank saß. Nur links spielte mit Radjabali-Fardi ein neuer Junger, anders ging's nicht, denn Malik Fathi ist in Moskau. Das Späßchen ging insofern auf, als die drei Altstars sofort wieder in die Berufsauffassung verfielen, die sie so lange ausgezeichnet hat: träges Verteidigen, Desinteresse an der Spieleröffnung. Ich gebe zu, es war nicht leicht, sich nach dem frühen 1:0 durch einen Freistoß von Ebert zu motivieren, und auch der Rest der Mannschaft ließ es sehr locker angehen. Aber ich hätte mir doch ein etwas weniger gelangweiltes Auftreten vorstellen können, schließlich schauen da auch Leute vor dem Fernseher zu, und Hertha ist nicht so der Club, dem die Sympathien sowieso zufliegen. Deswegen gibt es, bei einem Spiel im Free TV gegen einen schwachen Gegner, auch die Möglichkeit, ein paar Opportunisten zu interessieren. War dann nicht so, es blieb beim 1:0, selten so ein ödes Match gesehen. Die Ostkurve immerhin zeigte auch im Jahn-Sportpark, was sie kann - sie probte wohl schon für die Allianz-Arena am Sonntag, wohin vermutlich eine starke Delegation mitreisen wird. Simon und ich gehören nicht zur Delegation, wir werden aber auch live dabei sein, wenn Coach Favre die nächste Stufe der Rotation zünden wird.

Königstransfer

Nur noch wenige Tage ist das Transferfenster dieses Sommers offen. Hier ein paar Dinge, die mich interessieren: Wird Hertha noch einen Königstransfer landen? Es sieht alles danach aus, als könnte es in der Liste Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann allenfalls noch zu einem Bürger reichen, manchmal fällt der Name Conca, der Coach hat aber auch schon angedeutet, dass er es für dieses Mal gut sein lassen könnte. Ich finde, dass das Mittelfeld jetzt schon ein wenig überladen ist, und die Flexibilität, die das von den Spielern verlangt, könnte auch einmal zu viel werden. Ich plädiere für ein 4-4-2 mit klassischen Wingern, das würde bedeuten Kacar-Cicero zentral, Ebert rechts und Nicu oder Piszczek links, Raffael oder Chermiti vorn, Pantelic gesetzt. Ich würde also die noch disponiblen Millionen auf ein Tagesgeldkonto legen und im Winter investieren, dann wissen wir mehr. Arsenal soll noch einen Mann für das defensive Mittelfeld kaufen, dazu kann ich gar nichts sagen, außer dass ich hoffe, dass sie das tun werden, dass ich aber zugleich gern sehen würde, was aus Abou Diaby, Denilson oder Djourou wird, die alle neben Fabregas spielen könnten, ihn aber eben nie ersetzen können. Gestern hat Arsenal übrigens durch ein 4:0 gegen Twente Enschede die Qualifikation für die CL-Gruppenphase gschafft. Tore: Nasri, Gallas, Walcott, Bendtner. Nasri hat jetzt schon bald mehr Tore als Hleb in seinen drei Jahren. Twente war aber auch inferior. Was mich sonst interessiert: Wird sich noch jemand Kevin-Prince Boatengs erbarmen, der im Kader von Tottenham Hotspur verschwunden ist? Sollte die seltsame Karriere von Alexander Madlung tatsächlich auf der britischen Insel weitergehen? Wird Josip Simunic noch abgeworben? 22 Millionen hat der HSV gerade ausgegeben, vor diesem Hintergrund ist es schon ganz bemerkenswert, dass Coach Favre sich einen Kader zusammenkaufen hat lassen, der zwar viele Wünsche offen lässt, die aber alle an die schon vorhandenen Spieler zu richten sind.

Montag, August 25, 2008

Luxusproblem

Die Hertha ist positiv in die Saison gestartet, jetzt gibt es schon die ersten Integrationsaufgaben. Im Stadion habe ich das gar nicht so mitbekommen, was ich gestern im Fernsehen zu sehen bekam: Ebert und Pantelic plus Kacar liefen nach dem Führungstreffer zu Jo Simunic, der auf der Ersatzbank schmorte. Wenige Minuten später riss Kaká seinen Bock, der zum Ausgleich durch Wichniarek führte. Das Team, oder ein Teil davon, ist anderer Meinung als der Coach, was die Aufstellung anlangt. Tatsächlich mag es inkonsequent anmuten, rechts den Kapitän Arne Friedrich zu bringen, während Simunic angeblich "noch nicht so weit" ist. Rechts ist aber eine Vakanz, denn Chahed wird zu Recht als Zweitbesetzung gesehen, während Kaká und Simunic meiner Meinung nach gleichwertig sind und deswegen der mit von Bergen besser abgestimmte Mann spielen sollte. De facto ist es ja so, dass die beiden alternden Stars spät zurückkamen und jetzt integriert werden müssen, bei Simunic hofft man wohl immer noch auf einen Last-Minute-Transfer. Aber auch auf die ganze Elf bezogen, hat Favre am Samstag schon erste Luxusprobleme erkennen lassen. Das große Angebot im Offensivbereich führte zu einer in der ersten Halbzeit interessanten Flexibilität nach vorn (Kacar sehr offensiv, Raffael dieses Mal eher auf dem Flügel), die nach der 60. Minute erstarrte. Ich hätte zweimal anders ausgewechselt: Nicu für Cicero und Chermiti für Raffael. Stattdessen nahm der Coach Lustenberger und Kacar vom Feld, er beließ also die Individualisten auf dem Feld und beklagte hinterher, dass zu viele individuelle Lösungen gesucht wurden. Das 4-1-2-2-1 vom Samstag ist ein Hinweis darauf, dass der angeschwollene Kader und Favres Faible für Polyvalenz uns noch manches Experiment bescheren werden. Ebert immerhin hat erkannt, dass er heuer schon "leader of the pack" sein darf, auch das muss in Bahnen gelenkt werden. Das Uefacup-Match am Donnerstag wird willkommene Gelegenheit sein, die Mannschaft umzubauen, sodass Favre am Sonntag in München wieder originell aufstellen kann.

Sonntag, August 24, 2008

Craven Cottage

Der Hertha gegenüber habe ich mir in den letzten Jahren einen halbwegs heiteren Gleichmut angewöhnt, der mir bei den Spielen von Arsenal meistens fehlt. Gestern kam ich direkt aus dem Stadion zum Auswärtsmatch bei Fulham in Craven Cottage, ich meine natürlich die Live-Übertragung. Das Spiel ging mit 0:1 verloren, es war eine erbärmliche Darbietung, die darauf hindeutet, dass sich das Gefüge der Mannschaft durch den Abgang von Flamini doch viel massiver verändert hat, als der Coach, der noch immer mit einem neuen Mann für das defensive Mittelfeld zögert, zugeben will. Gestern fehlte auch Fabregas, im Zentrum spielten Denilson und Eboué, dahinter ermöglichte Gallas mit einem Aussetzer bei einem Corner das Gegentor. Der Kapitän von Arsenal ist ein seltsamer Typ. Er macht es möglich, dass der englische Ko-Kommentator einen "big, strong, ugly centerhalf" einfordern kann, womit Gallas doch gut beschrieben ist. Aber nur äußerlich. Innerlich ist er ein zartes Gemüt, ein wenig hin und her gerissen zwischen Eitelkeit und Patzigkeit, seine Virilität (Irokesenschnitte in allen Varianten) ist demonstrativ und nicht natürlich. Was ich hier schreibe, ist natürlich Deutung, ich beobachte den Mann ja schon eine ganze Weile. Gestern fehlten Arsenal eigentlich nur zwei Stammspieler, eben Fabregas und sein noch unbestimmter Nebenmann (gelegentlich fällt der Name Xabi Alonso von Liverpool, der ist bisher zu teuer). Trotzdem war das Team kaum zu erkennen. Nasri war schwach, Walcott kam wenig zur Geltung, van Persies Freistöße waren eine Karikatur derer des Vorjahres. Im letzten Jahr lag Arsenal gleich zu Saisonbeginn gegen Fulham daheim bis knapp vor Ende mit 0:1 zurück, drehte das Spiel noch (Hleb schoß spät den Siegestreffer, so wie Gerrard gestern an der Anfield Road für Liverpool in einer vergleichbaren Konstellation). Der Sieg vor einem Jahr legte die Basis für den langen Lauf von Arsenal, der erst in Birmingham am Tag der Verletzung von Eduardo endete. Heuer geht schon das zweie Spiel recht schnöde einfach verloren. Mich beschleicht manchmal der Gedanke, das Arsène Wengers Zeit bei Arsenal allmählich ablaufen könnte - sein Konzept ist ja nicht vollständig den wirtschaftlichen Realitäten des Clubs geschuldet, sondern enthält auch einen prinzipiellen Protest gegen den Betrieb, der sich in der Position eines globalen Großclubs schnell in bizarren Widersinn verwandeln kann. Die wohlwollenden englischen Zeitungen verwenden dafür das Adjektiv "quixotic", ich glaube aber, dass wir Arsène Wenger in der Charakterkunde von Molière eher wiederfinden.

Samstag, August 23, 2008

Entropie

Manchmal merkt man an Kleinigkeiten, dass es sich bei der Hertha langsam zum Besseren wendet. Das Stadion-Magazin kostet in dieser Saison wieder zwei Euro, die fünfzig Cents Erhöhung vom letzten Jahr wurden zurückgenommen. Ich nehme an, dass es sich dabei um eine Art Sanierungszuschlag handelte (den "Sani"), der maßgeblich dazu beitrug, den Schuldenstand zu reduzieren. Das Match hat dann in Erinnerung gerufen, dass auch die neue Hertha von Coach Favre durch die seltsame Genetik des Fußballs noch immer die alte Hertha ist, die Spiele liegenlässt und Überlegenheiten verspielt. Das ist in diesem Fall ganz wörtlich zu verstehen, je länger das Match dauerte, desto weniger funktionierte die Balleroberung, und die Arminia ließ die intrikaten Kombinationsversuche mit stoischem Nihilismus über sich ergehen. Der Coach hatte Simunic trotz der überzeugenden Leistung in Frankfurt auf die Bank gesetzt, vertraute defensiv zentral den durch die lange Vorbereitung eingespielten Kaká und von Bergen, links hatte Stein in der ersten Halbzeit viele Spielanteile, rechts wirkte der in die Mannschaft zurückgekehrte Kapitän Friedrich ein wenig rostig. Im Mittelfeld hielt Lustenberger den beiden Ausschwärmern Cicero und Kacar den Rücken frei, Ebert spielte rechts und Raffael eine Art linken Flügelstürmer. Pantelic war überall. Von Beginn an war das eine klare Sache. Hertha dominierte mühelos und schuf Chancen, die schönste Kombination bestand eigentlich nur aus Balleroberung und einem Lupfer von Ebert, den Pantelic nach einem Drittel der Spielzeit mit einem Lupfer verwertete. Bald darauf kam Bielefeld aus so heiterem Himmel, dass mir die Entstehung entging, zum Ausgleich durch Wichniarek (dass man ihn auspfeift, verstehe ich nicht, er ist ein Guter). Danach gab es noch zwanzig Minuten Bemühungen, bevor Bielefeld das Match endgültig in einen entropischen Zustand brachte. Das magische brasilianische Zweieck Raffael und Cicero auf links deutete an, wie sich die Hertha künftig noch öfter selbst schwächen könnte: inkonsequentes Pressing und elegantes Ballschleppen nahmen den letzten Schwung aus einer Begegnung, die Bielefeld als eine Meisterleistung im Stiebitzen erscheinen muss. Dass es auch sonst mit der Euphoriebremse gut funktioniert in Berlin, zeigte die Zuschauerzahl: 36000 ließen das Stadion sommerlich luftig erscheinen, selbst die Ostkurve war heute ein wenig dösig. Auf dem Heimweg gerieten wir dann noch an einen autoritären Buslenker, der es sich auf dem Schienenersatzverkehr am Halleschen Tor nicht nehmen ließ, jeden Fahrschein einzeln zu kontrollieren, wodurch sich die Einsteigzeit beträchtlich verlängerte. Der Mann war ein Defensivkünstler im falschen Metier, er sollte sich für den Trainerstab der Arminia bewerben.

Arminia

Heute erstmals mit der neuen Dauerkarte, viele Freunde werden kommen, weil die Arminia überproportional viele Fans in meinem Umfeld hat. Als ich diesen Blog begann, hatte ich noch Hoffnungen auf eine Hertha-Karriere von Thorben Marx, spielte Marcelinho die große Geige, deswegen heiße ich hier Marxelinho. Würde ich heute beginnen, müsste mein Pseudonym anders lauten: Kacero? Cicar? Pantael? van Lustenbergen? Piszcunic? Drobler? Radjabali-Hartmann? Chermovchyiski? Dardrich? Oder doch E-Bert? Ich bleibe bei Marxelinho, wie die Arminen bei ihrer Mannschaft bleiben und wie die alte Regel in Kraft zu bleiben scheint, dass von den 17 Heimspielen, die Hertha pro Saison hat, nur zwei bei gutem Wetter stattfinden dürfen - das vorletzte und das letzte. Arsenal spielt am Abend auswärts gegen Fulham. Der alte Schotte Arsène Wenger, der gelegentlich Betriebswirtschaft mit Groschenzählerei verwechselt, hat sich diese Woche wohl diebisch darüber gefreut, dass er einen Transfer gekapert hat: Mikael Silvestre sollte von MeanU zu ManCity wechseln, er saß anscheinend schon bei der medizinischen Untersuchung, als ihn ein Anruf von Arsenal erreichte. Nun spielt ein ausgemusterter Verteidiger von MeanU bei den Herausforderern, symbolpolitisch ist das kein gutes Zeichen, vielleicht geht die Rechnung aber auf.