Dienstag, August 31, 2010

Fortuna BSC

Mit ein wenig Glück (Fortune bei der Fortuna!) hat die Hertha das zweite Spiel in Liga zwee gestern erfolgreich bestritten: 2:1 in Düsseldorf, bei einem Team, das für seine Heimstärke bekannt ist. Allmählich komme ich drauf, was es mit dem Abstieg auf sich hat: In der zweithöchsten Spielklasse wird doch deutlich mäßiger Fußball gespielt als in der ersten, und Hertha passt sich an.

Aus einer Menge planloser Einzelaktionen und verbissener Zweikämpfe resultierten schließlich zwei Tore für Berlin in der ersten Halbzeit (Friend und Domovchyiski) und ein relativ später Anschlusstreffer durch Wellington, der dafür sorgte, dass es in den letzten zehn Minuten hoch her ging (eine gelb-rote Karte für den Düsseldorfer Bröker wegen versuchten Schindens eines Elfmeters war die einzige zählbare Konsequenz).

Coach Babbel hatte die Elf seines Vertrauens aus dem Spiel gegen Oberhausen erneut aufgestellt: Domovchyiski hinter Friend, Perdedaj im zentralen Mittelfeld neben Niemeyer, den Rest kennen wir. Raffael also sechzig Minuten auf der Bank, Dardai nicht einmal im Kader. Düsseldorf kam der Hertha gestern insofern entgegen, als sie selber das Spiel machten, damit aber nicht so richtig den Abschluss fanden. Hertha konnte sich eine gute halbe Stunde darauf beschränken, irgendwie entgegenzuhalten - die eigenen spielerischen Bemühungen waren, wenn man es genau nimmt, anfangs sehr schwach.

Der Zusammenhang zwischen den Mannschaftsteilen funktioniert noch nicht, am deutlichsten ist das bei den Außenspielern zu sehen: Kobiashvili und Lell, gestern beide nicht wirklich hochkonzentriert, harmonieren kaum mit Rukavytsya und Ramos. Eher positiv fiel erneut das zentrale Mittelfeld auf, Niemeyer und Perdedaj, aber auch sie blieben häufig auf sich allein gestellt (die Vorlage von Niemeyer an Domovchyiski vor dem 2:0 war so, dass der Bulgare sie nicht unbedingt verarbeiten musste - er tat es aber doch, und zwar virtuos).

Nehmen wir das weitere Erfreuliche zu Buch: Mijatovic arbeitete sich irgendwie in das Spiel hinein, Aerts machte sich einige Mal in gefährlichen Situationen gut zu schaffen, Rukavytsya bereitete erneut einen Treffer mit gutem, langem Freistoß vor (die Standards von Kobiashvili fallen dagegen deutlich ab), Friend weiß, wo im Getümmel das Tor steht. Ramos nahm das nahende Ende der Transferperiode ohne größere Depression zur Kenntnis, er engagierte sich auch defensiv, ihm fehlen aber für ein schnelles Kombinationsspiel die Partner - man hatte manchmal das Gefühl, er vermisse die Laufwege einer älteren Hertha, die über die Projektphase nie hinauskam.

Seit gestern weiß ich: das wird ein hartes Jahr auch für die Zuschauer. Immerhin machte der Coach im Interview hinterher deutlich, dass er über die spielerischen Defizite im Bilde war, auch wenn ihm Christian Ziege, der auch da war (Sky ist in der zweiten Liga manchmal lustig aufgestellt) die Leistung ein wenig schönreden wollte. Die Punkte (6 aus 2) machen die Leistung schön.

Sonntag, August 29, 2010

Lancashire

Einer der Gründe dafür, dass mein ohnehin schon großes Interesse an Fußball immer noch steigt, ist sicher der, dass wir uns alle in einer Langzeitbeobachtung befinden. Nehmen wir diesen Fall: 2006 verkauft Hertha den polyvalenten Spieler Christopher Samba für 500.000 Euro an die Blackburn Rovers in der Premier League. In der neuen Umgebung wird der imposante Franzose mit der leicht unorthodoxen Motorik sehr schnell zu einem unumstrittenen Innenverteidiger, der auch offensiv sehr gefährlich ist. In Ansätzen war das in Berlin schon zu sehen gewesen, doch an Arne Friedrich und Josip Simunic führte damals kein Weg vorbei, und die erratischen Experimente, die Coach Götz mit Samba vornahm, blieben ohne Konsequenz.

Gestern spielte der FC Arsenal in Blackburn, und die Kommentatoren interessierten sich stark dafür, wie die defensiv anfälligen Schöngeister aus London mit Samba umgehen würden - bei Standardsituationen einen Mann vor ihm, einen Mann hinter ihm, besser aber nicht ihn so umreißen, wie Chamakh das in einer Situation tat, zum Glück ohne Folgen. Arsenal gewann schließlich 2:1, in einem mitreißenden Match, das die ganzen Qualitäten der PL erkennen ließ, denn Blackburn ist (daheim gegen Spitzenteams) einer der schwierigsten Gegner.

Die neue Arsenal-Viererkette mit Sagna-Koscielny-Vermaelen-Clichy hatte gelegentlich Probleme, erwies sich aber insgesamt als bemerkenswert kompakt und auch im Luftkampf autoritativ. Nur auf dieser Grundlage wird Arsenal irgendetwas mit dem Meistertitel zu tun haben können, im Moment reicht die exzellente Form von Theo Walcott für einen guten Start in die Saison. Samba hatte gestern zweimal das Nachsehen, an seinem Standing als einer der besten Centerbacks in England ändert das nichts. Und auch nicht daran, dass ich ihn bei meiner Langzeitbeobachtung immer im Auge haben werde.

Montag, August 23, 2010

Peter Niemeyer

Im RBB war am Sonntag nach dem ersten Zweitligaspiel Peter Niemeyer zu Gast, Neuzugang aus Bremen, guter Typ. Ich muss gestehen, dass ich ihm in meinem ersten Kommentar nach dem Spiel ein wenig Unrecht getan habe, das hat auch damit zu tun, dass unsere neuen Plätze auf dem Unterrang keinen so guten Blick auf das Spiel erlauben.

Nachdem ich den Sieg gegen Oberhausen nun auch auf Fernsehbildern gesehen habe, muss man ihm auf jeden Fall bescheinigen, dass er in der Balleroberung gute Momente hatte und zwei der drei Tore de facto einleitete. Live fiel mir dagegen eher auf, dass er fast immer Perdedaj die Rolle dessen überließ, der die Bälle aus der Abwehr abholt, und da hatte ich dann häufig das Gefühl, er könnte sich bei Ballbesitz noch ein bisschen besser in Position laufen.

Der Umstand betrifft symptomatisch die generelle Spielanlage, die Hertha in der zweiten Liga haben wird. Gegen Oberhausen hat sich schon gezeigt, dass sie bei Ballbesitz nicht so stark ist, sie wird also darauf angewiesen sein, früh zu pressen, um Situationen kurzen, intensiven Ballbesitzes zu haben (mit zwei, drei Pässen vor das Tor), und das erfordert eine Rolle, die Niedermeyer am Freitag schon gut ausgefüllt hat. Die Tore eins und zwei waren gefühlte Kontertore, das dritte im Grunde auch, denn der öffnende Pass von Ronny überwand zwei Oberhausener Reihen auf einmal.

Den hohen Aufwand, den eine solche Spielanlage erfordert, konnten wir gegen Oberhausen aber eben nur in Ansätzen sehen - zum Glück reichte bei den Gelegenheiten, die daraus entstanden, das Geschick aus, um die Chancen auch zu verwerten. Da die nächste Begegnung erst am kommenden Montag sein wird, haben die Spieler heute frei - vielleicht sehen sie sich ja am Abend den Premier-League-Schlager zwischen Manchester City und Liverpool an, und bekommen dabei einen Eindruck vom Arbeitsethos im Spitzenbereich dieses Sports.

Samstag, August 21, 2010

Wahre Werte

Wahre Liebe kennt keine Liga, das hatten die Hertha-Fans gestern auf ein Transparent gemalt, und noch auf dem Weg nach Hause sangen sie ironisch: "Zweite Liga, wir sind dabei, scheißegal." Sie konnten es guten Mutes tun, denn beim 3:2 gegen RW Oberhausen stimmte das Ergebnis, und dazu kam die unglaubliche Geschichte, dass der Sieg einem siebzehnjährigen Nachwuchsstürmer zu verdanken war, den von den 48000 im Stadion sicher der Großteil vorher nicht gekannt hatte: Marco Djuricin kam schon nach einer Viertelstunde ins Spiel, nachdem Rob Friend bei dem Versuch eines Fallrücksziehers schwer zu Boden geplumpst war und dabei eine Gehirnerschütterung erlitt.

Oberhausen führte da schon 1:0 durch einen Treffer von Lamidi nach einem Eckball, und die Mannschaft von Markus Babbel suchte nach Orientierung in einem sehr interessanten Spiel. Bei den Personalien war eigentlich nur eine ein wenig fraglich gewesen, sie löste sich aber eindeutig: Perdedaj spielte neben Niemeyer, Dardai war nicht einmal im Kader.

Dass Hertha gestern gewann, verdankt sich einer technischen und spielerischen Überlegenheit, die aber so sicher nicht zum Aufstieg reichen wird. Denn Oberhausen tat das, was ein Außenseiter tun kann und muss: Sie störten, und zwar mit Nachdruck. Lell schaffte es in der ersten Halbzeit sicher drei, vier Mal nicht, einen einfachen Pass zu spielen, er war ganz offensichtlich geistig nicht auf Gegenwehr eingestellt.

Die Viererkette machte insgesamt keinen sonderlich guten Eindruck, vor allem bei Mijatovic hat Babbel sich mit der Entscheidung, ihn zum Kapitän zu machen, keinen Gefallen getan: Denn nun muss er ihn wohl oder übel spielen lassen, und damit hat Hertha als Spielführer einen langsamen, immer wieder ungeschickten Innenverteidiger, der in der Spieleröffnung gestern wie Hubnik und Lell auch weitgehend ratlos war.

Das lag aber auch daran, dass Niemeyer und Domovchyiski ein wenig faul spielten. Der Mann aus Bremen machte - anders als Perdedaj - selten die zwei, drei Schritte in den leeren Raum, die ihn bei Ballbesitz besser anspielbar gemacht hätten, und Domovchyiski, der auf der Position des "Spielmachers" agierte, war meistens zu weit vorn, und wartete nur auf das Ende von Kombinationen, dabei hätte er sie ja entscheidend mitgestalten sollen. So konnte er zwar nach schöner Vorarbeit von Rukavytsya und Ramos nach einer halben Stunde ausgleichen, insgesamt aber war er eine Enttäuschung.

Der Australukrainer auf dem rechten Flügel kam nach einer Weile ein wenig besser ins Spiel, er bereitet nach der Pause auch den Führungstreffer durch Djuricin vor, der nur abstauben musste. Dann wurde er durch Ronny ersetzt, der bei seinen Freistößen aber nicht überzeugen konnte. Nach fast 80 Minuten stellte sich Mijatovic bei einem längeren vertikalen Ball in die Oberhausener Spitze ungeschickt an, und Lamidi glich aus. Und dann kam der große Moment von Marco Djuricin: Er deutete Ronny, der noch in der eigenen Hälfte den Ball hatte, einen diagonalen Lauf hinter die Viererkette an, lief los, der Pass kam exakt rechtzeitig, und der österreichische Nachwuchsherthaner verwertete im Stil eines van Basten oder Higuain.

Da staunten alle Bauklötze, und die Hertha-Saison in Liga zwee hatte ihre erste große Story. Die erstaunlichen 48000 Zuschauer waren glücklich, die Mannschaft ließ sich in der Ostkurve feiern, über die Leistung wird der Trainer mit dem Team sprechen. Ich würde es mal so sagen (in der Fußballersprache): Da muss noch viel mehr kommen. Positiv auffällig waren die Jungen: Neben Djuricin gefiel mir vor allem Perdedaj, der als einziger eine positive Aggressivität zeigte.

Die Stadion-Regie bewies dann eine Viertelstunde nach Abpfiff noch Witz, und spielte einen Klassiker des Austropop von Wolfgang Ambros ein: "Zwickt's mi, I man i tram" (Kneif mich mal einer, ich glaube, ich träume). Nichts hätte besser zu diesem Abend von Marco Djuricin passen können. In dem Lied kommt auch die Zeile vor: "Die Jugend hat kein Ideal, keinen Sinn für wahre Werte." Die jungen Herthaner (auch Nico Schulz kam gestern noch zum Einsatz) deuten gerade das Gegenteil an. Schon kommende Woche soll Marco Djuricin einen Vierjahresvertrag unterschreiben - Eile ist geboten, denn das war mehr als nur eine Andeutung.

Freitag, August 20, 2010

Exile on Main Street

Heute beginnt die Hertha ihre erste (und hoffentlich auf absehbare Zeit letzte) Saison im Exil. Sie wird zweite Liga spielen gegen RW Oberhausen, unter Umständen, die das Niveau der ersten Liga haben: Man erwartet 40000 Zuschauer, das Olympiastadion wird also ähnlich voll werden wie auch sonst gegen Bochum oder Hannover (letztes Jahr, wir erinnern uns).

Die Hertha exiliert also gewissermaßen in Sichtweite zu ihren Ansprüchen, und das ist auch schon alles, was sich im Moment mit Gewissheit sagen lässt. Die harte Vorbereitung hat ihre Opfer gefordert, der fragile Fabian Lustenberger steht für einen ganzen Kader, dem das Training in die Knochen gefahren ist (oder in den Magen, wie bei Raffael, der heute nicht spielen kann).

Ramos wird wohl auf dem linken Flügel auflaufen, bei ihm gibt es aber neue Gerüchte über einen Transfer, da ist auf jeden Fall noch alles möglich. Der Held der letzten Aufstiegssaison, Pal Dardai, wird heute wohl nicht erste Wahl sein, alle Beobachter rechnen mit Fanol Perdedaj neben Peter Niemeyer, und das hielte ich auch für richtig.

Mein Buddy Volker und ich, wir haben die Saison in der zweiten Liga dazu genützt, uns mit der Dauerkarte ein wenig zu verändern. Wir sitzen in diesem Jahr auf dem Unterrang, weiterhin fast mittellinig auf der Nordseite, aber eben viel näher am Spiel, dafür ohne den großen taktischen Überblick, den ich weiter oben so geschätzt habe. Mal sehen, wie sich das anlässt. Auf geht's, Hertha!

Donnerstag, August 19, 2010

Arnautensaga

Durch den Abstieg von Hertha ist die erste deutsche Liga für mich natürlich ein wenig verwaist. Das kann ich nicht einfach so lassen, ganz ohne Affekt (oder gleich ganz gar nicht) will ich da nicht zuschauen.

Ich werde also in dieser Saison zu Werder Bremen halten. Das ist keine willkürliche Entscheidung, denn zu den Hanseaten habe ich eine alte Beziehung, die mit Andreas Herzog zusammenhängt, der uns damals in Österreich als wirklich großer Spieler erschien. Dass er vielleicht die internationale Spitzenklasse nicht hatte, lag sicher nicht an seinem Talent, sondern an anderen Umständen.

Herzog ging es bei Bremen gut, beim FCB ja nicht so. Er hat einmal ein Tor geschossen, wie ich es seither nie wieder gesehen habe, obwohl es diese Situation gar nicht so selten gibt: ein Spieler läuft zentral aus dem Mittelfeld auf die Viererkette zu, die geht einen Schritt heraus, um die gegnerischen Stürmer ins Abseits zu stellen, und diesen Moment nützte Herzog für eine völlig unerwartete und unorthodoxe Beschleunigung - er spielte nicht ab, sondern lief einfach durch die Defensive hindurch und schloss dahinter souverän ab. Das nennt man Chuzpe.

Gestern hat Werder gegen Sampdoria Genua gezeigt, wie man spielt, wenn man unbedingt in die CL will: Das 3:1 durch Tore von Fritz (Bild), Frings und Pizarro war eine großartige Willensleistung (nur beim Gegentor hat Mertesacker gezeigt, warum Arsenal keinesfalls 10 Millionen für ihn zahlen sollte).

Hertha hat vor fünf Jahren auch einmal (auswärts) gegen Sampdoria gespielt, es war die Uefacup-Saison des Grauens, als sie sich nahezu torlos durch eine Gruppenphase bewegte, in der von Cup-Atmosphäre keine Rede sein konnte.

Werder wird nun verschiedentlich von Berliner Tabloiden als Modell genommen, weil sie auch einmal abgestiegen sind und danach ihr doch bemerkenswerter Aufstieg zur internationalen Klasse begann. Sei's drum, ich hätte nichts dagegen, wenn sich die kompetenten Leute finden, die in Berlin das auch zusammenbringen. Vielleicht sind sie ja schon da.

Auch in dieser Saison hat Bremen wieder Österreicher im Kader. Interesse verdient vor allem Marko Arnautovic, von dem es überall heißt, er wäre "schwierig". Auch er ist ein Grund dafür, dass ich im kommenden Spieljahr häufiger Werder Bremen einschalten werde (wenn nicht gerade Hertha oder Arsenal spielt).

Dienstag, August 17, 2010

Rossonero

Eine der Transferfragen, die mich in diesem Sommer am meisten interessiert haben, ist seit ein paar Tagen entschieden: Kevin-Prince Boateng wechselt vom FC Portsmouth, der in England in die Championship abgestiegen ist, nach Italien - nominell zum FC Genua, der 6,5 Millionen für ihn bezahlt, ihn aber direkt an den AC Mailand ausleiht. Der Ghetto-Prinz ist damit bei einem europäischen Spitzenclub angelangt, na ja, sagen wir, bei einem Traditionsverein aus einer bröselnden Liga. Ein großer Name sind die Rossoneri natürlich immer noch, leider kann man die Serie A beim hiesigen Bezahlsender seit Jahren nicht mehr sehen, irgendwie werde ich aber doch ein Auge darauf haben, wie es Boateng in der Mailänder Gerontokratie ergeht.

Das interessiert mich umso mehr, als der AC Milan erst vor zwei Jahren für dieselbe Position einen Spieler geholt hat, den ich sehr schätze, und der dort dann doch einigermaßen in der Versenkung verschwunden ist: Mathieu Flamini hatte 2008 beim FC Arsenal neben Fabregas eine großartige Saison, die allerdings ohne Titel blieb. Der Franzose war einer der ersten in Europa, die so agierten, wie es heute für einen Khedira selbstverständlich ist: Laufdistanzen pro Match bis zu 14 Kilometer sorgten dafür, dass er defensiv im zentralen Mittelfeld fast alles erwischte, und bei Gelegenheit trotzdem immer wieder in den gegnerischen Strafraum vorstoßen konnte und Tore erzielte.

Flamini ist (war?) ein universaler Fußballer, sein Fall ist ein Beispiel für die Verschwendung von Ressourcen, die in diesem Sport systemisch ist. Boateng und er konkurrieren jetzt direkt um einen Platz in der ersten Elf bei Milan, in einem Kader, der laut Transfermarkt momentan 42 (!) Spieler umfasst.

Wie steht es um die anderen Herthaner aus dem Jahrgang von Kevin-Prince Boateng? Ashkan Dejagah hat bei Wolfsburg noch Vertrag bis 2013, ist aber nach den Erkenntnissen des Pokalspiels vom Wochenende gerade nicht so nahe dran an der Stammelf. Patrick Ebert haben wir im Blick, wir wünschen gute Motivation für das Comeback. Und bei Hansa Rostock, nun in der dritten Liga und neuerdings von Stefan Beinlich als Manager strategisch betreut, ist der Innenverteidiger Robert Müller wieder aufgetaucht, er hatte im Cup gegen Hoffenheim gleich einmal eine kalte Dusche. Müller spielte 2006/2007 noch neben Jerome Boateng in der zweiten Mannschaft von Hertha, KPB war damals schon bei den Profis.

Sonntag, August 15, 2010

4-2-3-Friend

Die Hertha hat die erste Pflichtaufgabe der neuen Saison mit Anstand absolviert: 2:0 beim SC Pfullendorf in der ersten Runde des DFB-Pokals. Zweite gegen vierte Liga, der Klassenunterschied war zu sehen, die Chancenverwertung spiegelt das Kräfteverhältnis nicht adäquat. Es war auch ganz deutlich zu sehen, dass dieses Team fast nichts mehr mit dem Favrismus zu tun hat, der im Vorjahr über viele Kombinationen in den Abstieg geführt hat.

Beide Tore fielen aus Standardsituationen, einmal traf Ramos per Kopf nach Freistoß von Rukavytsya, wenig später Friend nach Eckball von Kobiashvili. So richtig lässt sich natürlich noch nicht abschätzen, was diese Mannschaft gegen einen stärkeren Gegner tun würde, sie hat aber auf jeden Fall ihr Stilmittel schon einmal gezeigt, und es ist tatsächlich das Flügelspiel in einem 4-2-3-Friend, von dem die Berliner Medien den ganzen Sommer hindurch fast schon andächtig berichteten (weil es ja auch das System von J-Lö und eigentlich das des aktuellen Weltfußballs ist).

Einige neue Herthaner habe ich gestern zum ersten Mal gesehen, zum Teil fielen sie positiv auf: Rukavytsya spielte auf dem rechten Flügel, er ist offensichtlich eine Bereicherung, seine Standards waren viel besser als die von Kobiashvili, ich schätze ihn höher ein als Traoré, den die Hertha ziehen ließ. Lell und Niemeyer hatten eher diskrete Debüts (der Mann vom FCB gab hinterher aber noch ein gutes Interview, das ihn als relativ selbständigen Geist auswies), dafür konnte Perdedaj, der ja im strengen Sinne kein Debütant mehr war, echt überzeugen - er beherrscht diese im zentralen Mittelfeld so wichtige Kunst, den Ball abzuschirmen und sich aus einem Getümmel irgendwie nach vorn zu befreien, wenn das nicht geht, schafft er immer noch den Pass nach außen.

Rob Friend, bei dem ich mich gern eines Besseren belehren lasse, hat in mehrfacher Hinsicht positive Andeutungen gemacht: er ist auch technisch gar nicht schlecht, spielt mit und legt ab, er erinnert mich ein wenig an Peter Crouch (that is, zweite deutsche Liga). Ramos brauchte lange, um einen Zugang zum Spiel zu bekommen, er rochierte mit dem zentral startenden Domovchyiski, beide hatten viele gute Ansätze. Positiv fiel auf, dass alle schon früh mit der Balleroberung begannen, niemand ließ sich gegen einen unterklassigen Gegner hängen.

Am Freitag gegen Oberhausen wird Raffael statt Domo und vielleicht Dardai statt Perdedaj spielen (obwohl, warum eigentlich?), darüber hinaus werden wir die Elf von gestern dann auch im Oly sehen, und sie genauer kennenlernen können. Der erste Augenschein war jedenfalls nicht schlecht, und als Zuckerl konnte gegen Ende der 17jährige Nico Schulz noch ein paar Flügelläufe starten, um zu zeigen, dass die Hertha im Begriff ist, eine ihrer langjährigen Verkümmerungen zu beleben.

Mittwoch, August 11, 2010

Märkisches Dutzend


In Lübars im Märkischen Viertel (oder zumindest unweit davon) hätte die Hertha in einem Freundschaftsspiel gegen den lokalen 1. FC beinahe das Dutzend vollgemacht - am Ende stand es 9:0 in einem Match, das als Testspiel nicht gelten kann, weil anscheinend die Mannschaft, die am Samstag im DFB-Pokal das erste Pflichtspiel absolvieren wird, heute vollständig geschont wurde.

Damit war eine Elf aufgeboten, die sich in der ersten Hälfte schwer tat und in der zweiten Hälfte, als Lübars sichtlich schon die eigenen Hinterbänkler eingewechselt hatte, eine schöne, unbehelligte Blaupause künftiger toller Hertha-Mannschaften abgab: Djuricin als zentraler Angreifer (nachdem Lasogga sich schon sehr früh verletzt hatte und die ganze erste Halbzeit humpelte), Schulz auf dem linken Flügel, Neumann in der Innenverteidigung. Bei diesen Namen kommt ein wenig Phantasie auf, wie die Börsianer sagen.

Djuricin und Schulz waren auch nach dem Abpfiff die umschwärmten Figuren, übertroffen nur von einem Neueinkauf, der vielleicht nicht bei den Laktatwerten, anscheinend aber bei den Sympathiewerten ganz vorn ist: Ronny, heute links in der Viererkette eingesetzt, zog die Menschenmassen auf sich.

Die Hertha war ohne Ersatzspieler hinausgefahren, sodass nach der Pause Sascha Burchert für Lasogga im Sturm spielte - und sogar ein Tor erzielte, worüber er sich sehr freute.

Aus der Vorbereitung kann man nun abschließend als Bilanz verbuchen, dass bei der Hertha vielleicht wirklich zwei Projekte gleichzeitig in Gang gekommen sind - einerseits der Wiederaufstieg, für den pragmatische Transfers wie der von Friend getätigt wurden, andererseits die perspektivische Konzeption einer Mannschaft, in der ein Djuricin, ein Lasogga, ein Schulz, ein Neumann schon in absehbarer Zeit relevante Spielanteile haben könnten.

Für das zweite Projekt nehme ich die Unsicherheiten des ersten Projekts eben in Kauf, bei dem sich in wenigen Tagen zum ersten Mal erweisen wird, ob der aktuelle Remix einer Hertha-Mannschaft auch funktioniert und das Zeug zur Nummer 1 (in den Zweitligacharts) hat.

Akademisches Jahr

Michael Horeni, Sportjournalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, schreibt in deren Sonntagsausgabe in unregelmäßigen Abständen eine Serie über den "Traum vom Profifußball" (vergleichbar dem großen Dokumentarprojekt des Filmemachers Christoph Hübner). Horeni verfolgt dabei zwei Jungen aus dem Nachwuchsbereich der Hertha: Bilal und Fritz. Die Nachnamen nennt er mit Bedacht nicht, der ganze Text ist sehr interessant, momentan aber nicht online und deswegen auch nicht verlinkbar.

Mich interessiert daran ein Aspekt besonders. Bilal (hier auf einem Bild aus der Saison 2007/2008) und Fritz wechseln in diesem Sommer von der U14 in die U15. Bisher wurden sie von Frank Bigalke (den Ergebnissen nach anscheinend sehr erfolgreich) betreut, laut Horeni hätte auch der Trainer mit dem Team (minus fünf Spielern, die es nicht geschafft haben) den Jahrgang wechseln sollen. Nun aber wird Ante Covic die U15 übernehmen, die Jungen bekommen einen neuen Trainer, diejenigen, die Fußball zu ihrem Beruf machen werden, werden das noch oft erleben.

Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, wie das immer ist, wenn eine bewährte Kraft durch jemand mit alten (und anderen) Verdiensten abgelöst wird. Michael Preetz hat eine prächtige "photo opportunity" geschaffen, als er sich damals mit der ganzen Riege bewährter und beliebter Herthaner auf die Bühne gestellt hat und die Reihen fest geschlossen hat. Was die Revirements in der Akademie nun aber konkret mit sich bringen, und ob nicht tatsächlich mehrfach Kompetenz durch Stallgeruch ersetzt worden ist, davon kann man sich von außen nur sehr vage ein Bild machen.

Ein Unbehagen aber bleibt auf jeden Fall: Michael Preetz betreibt mit dem Nachwuchsbereich eine "Politik der Gefühle", die hoffentlich nicht das Niveau der Ausbildungsarbeit sinken lässt. Horeni zitiert in der Angelegenheit auch den kleinen Fritz, und der spricht schon wie ein großer Profi: "Der Erfolg gibt dem Trainer recht. Aber das ist eine Sache, um die ich mich nicht so kümmern sollte. Das sollen die oben machen." Aber richtig. Heute werde ich im Norden von Berlin zum ersten Mal die Hertha 2010/2011 sehen, im Freundschaftsspiel gegen den Partnerclub 1. FC Lübars.

Dienstag, August 10, 2010

Wojska Polskiego

Über das verlängerte Wochenende war ich ein paar Tage in Polen, bin mit dem Zug herumgefahren, kam aber aus Gründen der Zeit und der Größe des Landes nur nach Bialystok (wo Hertha vor drei Jahren einen damals vollkommen unbekannten Verteidiger namens Rodnei entdeckte), Czestochowa und Warschau.

In der Hauptstadt fand am Samstag das Spiel statt, um das herum die Idee zu dieser kleinen Reise erst entstanden war: Arsenal spielte gegen Legia Warschau eine Exhibition aus Anlass der (geplanten) Fertigstellung des neuen Stadions des polnischen Erstligisten. De facto fehlt noch eine ganze Tribüne, die westliche, durch die Baulücke brannte die Sonne auf den Platz.

Arsenal gewann schließlich 6:5 in einem bizarren Match, das unter anderem wohl zur Folge haben wird, dass Arsène Wenger seinen polnischen Keeper Lukasz Fabianski endgültig aus dem Rennen um die Nummer 1 in der Mannschaft nehmen wird (wofür seit einiger Zeit alles spricht).

Eine Woche vor Beginn der Premier League trat Arsenal ohne viele Stars, aber immerhin mit der designierten Viererkette an (Sagna-Kosczielny-Vermaelen-Clichy), die Defensivleistung war selbst für ein Showspiel unter hochsommerlichen Bedingungen Besorgnis erregend. Arsenal geht bisher mit zwei noch nicht aufeinander abgestimmten Innenverteidigern und dem leider wenig vertrauenswürdigen Johan Djourou an den Start, und zu Almunia gibt es auch noch immer kein klares Wort.

Wengers Politik, seinen Talenten sehr lange die Treue zu halten, hat manchmal etwas Grausames, wie in den Fällen von Fabianski oder Djourou zu sehen ist, die bei anderen Mannschaften vermutlich besser zur Geltung kommen würden.

Ich habe anlässlich des Spiels eine kleine Tradition fortgesetzt, die Simon bei früheren Besuchen in der Ferne begründet hat - ich habe einen kleinen Film gedreht über das Hineingehen in ein neues Stadion. Warschau, 7. August 2010: Wojska Polskiego (Armee-Stadion).

video

Sonntag, August 08, 2010

Ferien ohne Hertha

Ich bin gerade ein paar Tage im oestlichen Nachbarland unterwegs, gestern sah ich ein Exhibition-Match zwischen Legia Warschau und Arsenal, das der Hitze angemessen mit 6:5 fuer meine Favoriten ausging. Einen Treffer von Eboue habe ich fast genau getroffen, er faellt ungefahr eine Zehntelsekunde nach Belichtung obigen Fotos. Am Mittwoch werde ich gegen den FC Luebars zu Hertha zurueckkehren.