Sonntag, Oktober 04, 2009

Gänsehaut

Die meisten Textnachrichten, die ich in den letzten Tagen bekam, hatten einen recht eindeutigen Tonfall: Sie waren Kondolenzschreiben. Der Name Friedhelm Funkel wird von den Freunden recht spezifisch verstanden, von mir ja auch: Das war es mit der Hoffnung auf eine spielerische und charakterliche Evolution der Mannschaft, das war es mit dem Anspruch, auch nur in irgendeiner bescheidenen Form an der Entwicklung dieses Sports teilzunehmen.


Die Hertha wird unter Funkel weiterhin ihre Spiele austragen, aber wird man auf diese Spiele schauen? Im Moment kann ich nicht mehr aufbringen als patziges Vorurteil. Funkel ist, was der Markt hergab - für einen Verein, der sich kaum die Abfindung für Favre leisten kann. Funkel hat bis zur Sommerpause Eintracht Frankfurt trainiert, ironischerweise der Club, in dessen Nachbarschaft Lucien Favre immer die Hertha angesiedelt hat - was nämlich die finanziellen Möglichkeiten anlangt.

Für das Spiel gegen den HSV können wir heute - nach einem unter den Umständen halbwegs akzeptablen 0:1 am Donnerstag bei einer sehr schwachen Mannschaft von Sporting Lissabon in der Europa League - nicht mehr erwarten als einen unbefangenen Blick auf den Kader. Den hat schon Karsten Heine bewiesen, der notgedrungen Kaká revitalisierte. Ich rechne damit, dass Friedrich heute wieder fit ist, und erwarte folgende Mannschaft: Ochs. Janker-Friedrich (Kaká)-von Bergen-Stein (Pejcinovic). Piszczek (Ebert)-Dardai-Kacar-Nicu. Raffael-Ramos (Domovchyiski wäre mir lieber).

Manager Preetz bezeichnete Funkel als "Kind der Bundesliga", der neue Trainer sprach von einer "Gänsehaut", die er beim Anruf von Preetz verspürt hatte. Perspektivisch sind wir jedenfalls wieder dort, wo wir vor zwei Jahren waren, bevor Manager Hoeneß uns mit Lucien Favre überraschte - im Niemandsland. Aktuell allerdings fehlen uns sogar die Punkte für das Niemandsland. Einer wäre heute schon ein Erfolg. Und Friedhelm Funkel werde ich ab sofort an seinen Entscheidungen messen. Vorurteilslos.

1 Kommentar:

Gerald Hoedl hat gesagt…

Aber, wenn Rapid den HSV schlagen kann (ich habe es ja leider nicht gesehen), warum sollte das die Hertha nicht können, wenn man/frau von den finanziellen Rahmenbedingungen ausgeht. Trainer, die nur über die letzteren motzen, haben den falschen Beruf, meine ich. Ein Trainer ist zunächst einmal dazu da, das Beste aus den Bedingungen heraus zu holen, dann werden sich bei vernünftiger Klubführung diese auch bessern. Freilich gibt es sowas wie den "Rapid-Geist", was schon beim motivierten Anhang beginnt, der zuletzt in Glasgow meist lauter war als der von Celtic (und das will was heißen).