Sonntag, April 25, 2010

Tag der Wahrheit

Das vorletzte Heimspiel der Saison ging gestern gegen Schalke mit 0:1 verloren. Damit bliebe, wenn die Parzen, die sich mit Hertha dieses Jahr ja einen groben Spaß machen, ein wenig Sinn für Poesie haben, noch ein Endreim für die Saison 2009/2010: Dem ersten (und bisher letzten) Heimsieg im ersten Saisonspiel gegen Hannover würde dann noch ein zweiter (und unwiderruflich letzter) Heimsieg im letzten Spiel der Saison folgen, in zwei Wochen gegen den FCB.

Dazu noch ein Auswärtssieg nächste Woche in Leverkusen, und Hertha könnte die Liga noch halten. Ein Wunder? Ohne eines geht es jetzt wirklich nicht mehr. Dass ich mich nun doch noch immer ein wenig weigere, den Abstieg schon zu akzeptieren, liegt an der Leistung gestern gegen Schalke. Das war vielleicht kein Spitzenspiel, aber ein auf hohem Niveau geführtes Abnützungsmatch (21 Fouls von Schalke), in dem Felix Magath (der mit den Parzen im Bund zu stehen scheint und auch zunehmend so tut) das bessere, glücklichere Ende hatte: Tor durch Westermann in der 87. Minute, Fassungslosigkeit. (Der Gegentreffer war aber, das muss man dazusagen, auch ein Ergebnis kollektiven Nachlassens in der Hertha-Defensive: Piszczek, Kobiashvili und von Bergen waren nicht mehr konsequent genug in dieser Szene.)

Hertha konnte in dieser entscheidenden Saisonphase neuerlich eine unveränderte Elf auf den Platz schicken, mit Lustenberger zentral vor der Viererkette, taktisch dieses Mal eher in einem 4-3-3 mit Raffael auf links und Ramos auf rechts sowie Gekas zentral. In der 40. Minute wechselte der Grieche auf rechts und ging dort sogar in einen Zweikampf! Das war dann schon so etwas wie der Auftakt zu einer intensiven zweiten Halbzeit (nach eher neutralisierter erster), in der Hertha deutlich an Aggressivität zulegte.

Gojko Kacar, der bisher im Abstiegskampf eindeutig nicht an seine Reserven ging, nahm mehr am Spiel teil, die Balleroberung begann schon in der Hälfte von Schalke, selbst Funkels Dogmen wankten also angesichts der unbedingten Notwendigkeit eines Siegs. Es gab tolle Chancen, sie wurden alle nicht genutzt, am Ende machte Schalke das eine "Törchen", von dem der Schelm Magath immer ausgegangen war. So spricht einer, der das Glück auf seiner Seite weiß (aber auch selbst eine Menge richtig macht).

Hertha steht vor dem Abstieg, und bis zu einem gewissen Grad ist das eine unableitbare Tatsache, denn auch gestern hätte es jederzeit anders kommen können. Die aktuelle Mannschaft ist mit der Ligaspitze konkurrenzfähig, der Kader (auf den es im Lauf einer langen Saison ankommt) allerdings nicht. Wenn Lustenberger nach 75 Minuten die Luft ausgeht, kommt Dardai; im Sturm hat Funkel die Wahl zwischen Wichniarek und Domovchyiski, wenn Gekas einen schwachen Tag hat (ausgewechselt wurde gestern allerdings Ramos, ein rätselhaftes, ohnehin zu spätes Manöver).

Vermutlich müssen wir es schon als Erfolg sehen, dass eine Mannschaft, die aus der Hinrunde sechs Punkte geholt hat, am vorletzten Spieltag immer noch eine mathematische Chance haben wird: Der Tag der Wahrheit ist neuerlich verschoben worden, kommenden Samstag reicht aber wirklich nur noch ein Sieg für neuerlichen Aufschub. Was danach käme, wäre entweder großes Drehbuch - oder wohl doch eher eine Antiklimax, wie sie das Leben viel häufiger schreibt.

Kommentare:

Natalie hat gesagt…

Wunder:
Im engeren Sinn versteht man darunter ein Ereignis in Raum und Zeit, das menschlicher Vernunft und Erfahrung und den Gesetzlichkeiten von Natur und Geschichte scheinbar oder wirklich widerspricht.(Wikipedia)
und das ganze gepaart mit größtmöglicher unwahrscheinlichkeit.
die voraussetzungen für "das wunder von berlin" sind also gegeben.

Anonym hat gesagt…

Gekas ist an allem Schuld. Und Favre, finde ich langsam, der sich wider besseres Wissen gegen Pantelic ausgesprochen hat.

marxelinho hat gesagt…

Favre trifft sicher ein wesentlicher Teil der Verantwortung, die Pantelic-Personalie war ja nur der deutlichste Ausdruck dafür, dass er bestimmte Spieler heimlich verachtet hat und auch nicht immer den Blick für Qualität hatte. Gekas hätte er aber sicher nicht geholt.