Montag, Februar 13, 2012

Ante Covic ante portas

Nicht nur René Tretschok, sondern auch Ante Covic wird am Dienstag bei den Profis von Hertha BSC das Training leiten. Das erfuhr ich gestern noch im Sportplatz des RBB, wo Manager Preetz den Auftritt vom Dezember in mehr oder weniger identischer Form wiederholen musste: es war, wie ein Kommentator des Berliner öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit der ihm geboten erscheinenden Schärfe anmerkte, die vierte Trainerentlassung von Preetz in seinen nunmehr zweieinhalb Jahren als Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC. Viele Fans sind längst dazu übergegangen, Preetz zu attackieren. Deswegen will ich hier, bevor wir uns der Frage nach dem neuen Trainer zuwenden (den Namen Stanislawski wollte Preetz jedenfalls nicht gerade leidendschaftlich aus der Diskussion nehmen, aber er hatte ja auch kaum geschlafen), versuchen, mit der gebotenen Ruhe die Verdienste und Fehler von Preetz gegeneinander zu halten.

Er trat sein Amt ja mehr oder weniger unter den Vorzeichen eines Putsches an, als 2009 vorzeitig der Vertrag mit Dieter Hoeneß aufgelöst wurde. Von damals rührt die enge Beziehung zu Präsident Gegenbauer her, die bis heute intakt zu sein scheint. Wenige Woche später wurde Lucien Favre entlassen, was Preetz allgemein als Fehler angelastet wird. Dagegen ist zu halten (und hielt er selber gestern auch ausdrücklich), dass Favre nicht mehr weitermachen konnte und wollte - wir wissen inzwischen um seine gesundheitlichen Probleme zu der damaligen Zeit. Möglicherweise hätte man ihn einfach sechs Wochen beurlauben sollen, wenn das gereicht hätte - aber insgesamt schätze ich die Sache so ein, dass Favre damals wirklich grundlegend überfordert war, und seine Entlassung leider unumgänglich.

Danach kam der Fehler, den ich für die Ereignisse des vergangenen Wochenendes als den Schlüssel sehe: Preetz holte den vermeintlichen Routinier im Abstiegskampf, Friedhelm Funkel, und hielt an ihm bis zum bitteren Ende fest.

Danach kamen eine ganze Reihe von guten Entscheidungen. Preetz gewann Babbel für die zweite Liga, stellte einen funktionierenden Kader für diesen Bewerb zusammen, und so gelang der sofortige Wiederaufstieg, und ein sehr guter Einstieg in die neue Erstligasaison.

Nun zu Babbel. Seine Entlassung, so gestern auch der Moderator im RBB, wäre eigentlich nicht notwendig gewesen, man hätte ihn doch noch bis Sommer 2012 weiterarbeiten lassen können und dann in Ruhe einen neuen Trainer bestellen. Aber eigentlich weiß jeder, dass die Branche so nicht funktioniert - es wäre ein äußerst schwieriger Parcours für Babbel geworden, zumal man ihn weiterhin mit Fragen nach den Gründen gelöchert hätte (und inzwischen weiß "die ganze Stadt", wie Preetz gestern mit angemessener Süffisanz fallen ließ, dass "private Gründe" ausschlaggebend waren). Zudem, und das war für mich der Hauptgrund dafür, dass ich die Entlassung von Babbel begrüßt habe, ließ er in der Hinrunde die Mannschaft zunehmend verschludern. Die Krise begann ja schon im November. Ich bin also der Meinung, dass Preetz in der Causa Babbel letztlich - trotz zahlreicher "handwerklicher" Fehler - richtig gehandelt hat.

Bei der Entscheidung für Skibbe lag er dann wieder falsch, das sehe ich auch inzwischen ein, obwohl ich so gut wie möglich versucht habe, da nicht sofort in den naheliegenden Defätismus einzustimmen. Leider hat Skibbe ein Präsentationsproblem, sein Bemühen um Souveränität wirkt unauthentisch, und dass er schon nach dem zweiten Spiel genötigt war, einen Spieler wie Lell persönlich zusammenzufalten, war ein schlechtes Zeichen. Trotzdem hat Skibbe recht: Gute Ansätze waren da, sie waren nur nach dem Debakel in Stuttgart nicht mehr vermittelbar, und die Erinnerung an Funkel ließ den Manager dieses Mal sehr schnell handeln.

Nun hat Preetz noch einen Zug. Wenn er den vermasselt, soll heißen: wenn er nun einen Trainer bringt, mit dem Hertha wieder absteigt, ist er klarerweise nicht mehr zu halten. Es wird auch nicht reichen, einfach einen Routinier zu holen, mit dem so eben mal der Klassenerhalt geschafft wird. Preetz muss jetzt schon das nahezu unmögliche Kunststück schaffen, zugleich einen Krisenmanager und einen Konzeptualisten zu finden. Einen für jetzt, der aber auch einer für übermorgen ist. Ich kann mir vorstellen, dass er Stanislawski für einen solchen hält, vielleicht ist sogar Ralf Rangnick schon wieder für neue Aufgaben bereit (wenngleich der wohl für Hertha zu teuer ist), vielleicht taucht nun doch noch einmal Franco Foda auf. Dazu wissen wir sicher bald mehr.

Die Namen Tretschok und Covic verweisen schließlich auf einen Bereich, über den kaum gesprochen wird, in dem für meine Begriffe aber entscheidende Versäumnisse von Preetz erkennbar sind: Mit seiner damaligen Entscheidung, die Nachwuchsmannschaften mit Hertha-Veteranen zu besetzen, und nicht mit ausgewiesenen Fachkräften, hat er bewusst zugunsten einer populistischen Maßnahme die Ressourcen ausgedünnt, auf die Hertha bauen kann. Fußballsachverstand ist tatsächlich eine Mangelware bei Hertha BSC, da hat Preetz sich gegen jegliche intellektuelle Konkurrenz im eigenen Haus gut abgesichert. Vielleicht bildet René Tretschok da eine Ausnahme, vielleicht ist er ja der nächste Thomas Tuchel. Das ist immer noch der Trainer, dem ich am liebsten in Berlin sehen würde, leider ist das derzeit undenkbar.

So muss nun Ante Covic neben Tretschok dazu herhalten, dass Manager Preetz die Zeit für die wichtigste Entscheidung seiner zweiten Karriere hat.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sag einmal,
ließe es sich einrichten, diesen Blog per Email zu „abonnieren “?

Grüße

PS: Das die Kommentare nicht automatisch angezeigt werden ist Absicht, oder?

marxelinho hat gesagt…

die kommentare werden immer so schnell wie möglich, aber nicht sofort und automatisch freigeschaltet

Natalie hat gesagt…

Hey,
a) der Thomas Kroh ist Moderator beim inforadio vom rbb. Finde, er hat das ganze Dilemma bestens auf den Punkt gebracht, bis auf winzige Kleinigkeiten.
b) daß Du die Kommentare erst freischaltest, finde ich ok. Wäre auch angenehm, wenn man die direkt im Anschluß lesen könnte, ohne anklicken...
c) Tuchel - ich weiß nich...
beste Grüße ;)

Anonym hat gesagt…

Hey, ich meinte nicht das freischalten, sondern die Sichtbarkeit auf der Startseite. Fänd ich praktisch.
Abo geht nicht?

marxelinho hat gesagt…

das scheint nicht zu gehen, ich habe in den einstellungen nachgeschaut. abonnieren kann man auf der seite ganz unten

Enno, Sportblogger a.D. hat gesagt…

Wegen der E-Mail-Funktion könnte marxelinho entweder seinen Blog bei Feedburner anmelden. Oder jeder Nutzer nutzt für sich einen Service wie z.B. http://www.feedmyinbox.com/ (habe ich selbst nie getestet...)