Samstag, August 08, 2009

Wundertüte

Die Nacht vor einem Heimspiel verbringt die Hertha gewöhnlich in einem Hotel in zentraler Lage. Wir können also davon ausgehen, dass sie Mannschaft mit dem Stab gestern vor einem angemessen großen Fernseher gesessen ist, als Wolfsburg und Stuttgart die neue Saison eröffneten. Es war ein starkes Match, und fast jeder Spieler wird etwas Vorbildliches gesehen habe - Marc Stein die offensive Leistung von Marcel Schäfer, Gojko Kacar den enormen Einfluss von Sami Khedira auf das Spiel in der ersten Halbzeit, Patrick Ebert ein paar explosive Antritte von Timo Gebhardt, Nemanja Pejcinovic einen dynamischen Christian Träsch.

Man sah aber auch einen armen Hund, Serdar Tasci, der gegen einen Antritt von Grafite ohne Chance war, und man sah, dass ein Moment der Geistesgegenwart und der feinen Technik ein auf hohem Niveau ausgeglichenes Match kippen lassen kann: Misimovic brachte den enorm selbstbewussten Meister in der zweiten Halbzeit in Führung, die erste Hälfte hatte den Stuttgartern gehört.

Ich würde mir wünschen, die Hertha könnte auch häufiger so ebenbürtig und angriffslustig mitspielen, aber ich fürchte, sie wird nicht nur aus dem Spiel von gestern, sondern aus den allgemeinen Kräfteverhältnissen in der Liga heraus ihren Stil ähnlich wie im Vorjahr bestimmen müssen - sie wird subtil destruktiv sein müssen, nicht "hinten drinnen stehen", wie es häufig heißt, sondern übers ganze Feld hinweg "drinnen stehen" und mit Bedacht aus sich herausgehen.

Vor dem ersten Heimspiel gegen Hannover 96 sind zwei Fragen offen: Wie wird die Viererkette aussehen? Und welche Balance bekommt das Mittelfeld? Da der neue Schwede Rasmus Bengtsson noch nicht im Kader stehen wird, würde ich für die Variante Stein-Friedrich-von Bergen-Pejcinovic plädieren, aufgrund der Eindrücke vom Cupspiel letzte Woche, als mir von zwei schwachen Außenverteidigern Pisczczek noch ein bisschen weniger in Form zu sein schien als Stein.

Für das Mittelfeld kann es meiner Meinung nach nur eine Konstellation geben: Cicero und Kacar müssen zentral spielen (Dardai, so sehr er als Identifikationsfigur zu schätzen ist, hat nicht die Qualität für die besten Gegner der Liga und lähmt auch die Spieleröffnung), Patrick Ebert ist zu Recht unser Mann auf dem rechten Flügel, und Nicu, der sich allerdings noch deutlich stärker engagieren könnte, tritt links an. Vorne Wichniarek und Raffael, im Tor Drobny.

Macht eine Mannschaft, die etwas kann, in der aber auch wirklich jeder volle Verantwortung übernehmen muss. Sobald sich Alibiaktionen einschleichen, sobald zu viele mögliche Lösungen an den Nebenmann delegiert werden, sobald der Gegner (und sei er viertklassig) mehr Probleme schafft als er von Hertha bekommt, wird es schwierig. Die Medien schreiben in so einem Fall gern von einer "Wundertüte", für mich aber ist das wie jedes Jahr einfach unsere Mannschaft: Hertha BSC.

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