Der Spielplan von Liga zwee hat es mit sich gebracht, dass ich heute auf das Heimspiel der Hertha gegen Ingolstadt gute Sicht hatte, obwohl ich gerade in Wien bin. In der Sportbar im Marriott Hotel war ich der einzige Gast, der Samstag um 13h zum "lunch crunch" etwas sehen wollte, sie schalteten dann für mich auch gleich von der Konferenz auf das Einzelspiel um.So konnte ich ohne viel Spannung einen weiteren Sieg beobachten, und muss einmal mehr feststellen: Hertha spielt in diesen Wochen ganz einfach deswegen nicht besser, weil sie nicht muss. Domovchyiski, der nach der Pause mit dem 2:1 die Richtung wies, ist dafür ein gutes Beispiel. Er bringt sich wenig ein, kann aber, wenn ihm ein Ball wie der von Friend im Strafraum vor die Füße fällt, inzwischen soweit die Ruhe bewahren, dass er genau jene Feinjustierung noch hinbekommt, die zu einem sehenswerten Schuss führte.
Beim Jubel konnte man dann sehen, dass der junge Bulgare es inzwischen mit der Coolness ein wenig zu übertreiben beginnt - aber gut, fünf Tore sind auch ein Argument, und Ingolstadt war über 90 Minuten nicht die Mannschaft, die Systemfragen an Hertha zu stellen wusste.
An der Stelle von Rukavytsya war heute Ronny in die erste Mannschaft gerückt, sein Bruder Raffael feierte diesen Umstand nach einer guten Viertelstunde mit einem Flachschuss von halblinks (nach schönem Pass von Kobiashvili). Ein paar Minuten später ergab sich aus inkonsequenter Arbeit gegen den Ball im eigenen Drittel ein Gegentor, an dem der Sky-Kommentator Sebastian Neumann die Schuld gab. Wer genauer hinsah, würde aber wohl zuletzt Hubnik und Lell daran beteiligen wollen, Lell ließ einen Querpass von der Grundlinie zu, und Hubnik blieb im leeren Raum, wodurch erst Neumann dazu gezwungen wurde, zwischen zwei Ingolstädtern zu wählen - er kam dadurch zu spät.
Die erste Halbzeit verlief danach ohne große Ereignisse, in der zweiten gab es noch den Treffer von Domo und ein Kopfballtor von Ramos nach Corner von Raffael. Dass sich am 3:1 nichts mehr änderte, lag auch daran, dass einige Konter zerstreut zu Ende gespielt wurden, immerhin deutete Lasogga, der für den still mit der Welt hadernden Friend kam, an, dass er weiß, wo der Torpfosten steht. Hertha segelt durch den Bewerb, dicht gefolgt von (!) Erzgebirge Aue. Ich gehe jetzt wieder ins Kino, viereinhalb Stunden mit den "Geheimnissen von Lissabon" stehen auf dem Programm.




