Freitag, März 11, 2011

Ritter der Mischmaschine

Ich muss zugeben, das CL-Spiel zwischen Barcelona und Arsenal beschäftigt mich immer noch. Das liegt nicht nur daran, dass in Sachen Hertha eher nachrichtenarme Zeit ist (soll ich mich wirklich ausführlich damit auseinandersetzen, dass Janker nur ein, zwei Spiele statt Lell machen wird?). Es liegt daran, dass in diesem Spiel grundsätzliche Optionen des Fußballs verhandelt wurden, wie auch Ronald Reng in einem guten Text ausführt.

Ich habe einfach eine Weile gebraucht, um zu verdauen, dass Arsenal dieses Mal eine andere - und man muss konstatieren: weniger naive - Herangehensweise an diese Herausforderung gewählt hat. Sie haben sich gegen die Armada der Ritterlichkeit als die Ritter der Mischmaschine positioniert, zwar nicht im eigentlichen Sinn Beton angerührt oder gar den Bus geparkt, wie die einschlägigen Formulierungen lauten, aber sie haben doch den Zugang des krass unterlegenen Teams gewählt.

Und damit wird erst so richtig verständlich, warum Arsène Wenger nach der roten Karte gegen van Persie so aus der Rolle gefallen ist. Denn der Referee hat den Strohhalm gekappt, auf den diese ganze Idee gestützt war - eindeutig hatte Arsenal einen Matchplan, und durch das Eigentor von Busquets waren sie in dem Moment auch drauf und dran, ihn durchzusetzen. Es war der Plan eines Underdogs, und damit hatte ich beim aktuellen Sehen des Spiels echte Schwierigkeiten, das zu konzedieren.

Bleibt also offen die Paradigmenfrage: Welches Konzept könnte gegen Barcelona funktionieren? Interessant ist eine Bemerkung des Arsenal-Keepers Almunia, der den Eindruck hatte, sein Team liefe zu wenig. Mir kam das auch so vor, aber die Statistik korrigiert das: Arsenal lief 111km, Barcelona 116, das ist weitgehend der Unterschied, den van Persies Fehlen ausmacht. Der Eindruck entsteht, weil Arsenal fast durchweg hinterher lief.

Die permanente Feinjustierung der beiden Defensivlinien war eine bemerkenswerte taktische Leistung, aber es fehlte etwas Entscheidendes: Aggressivität. Nur Wilshere kämpfte wirklich um den Ball, Fabregas hätte eigentlich nach 15 Minuten schon ausgewechselt werden müssen, Diaby war wie immer nur halb präsent, und Nasri kämpfte seine Duelle meistens auf Höhe des eigenen Sechzehners.

Ich bin sicher, Arsenal hatte auch einen Plan für die Einteilung der Kräfte, sie wollten wie im Hinspiel gegen Ende noch einmal zusetzen. Das wäre dann auch mehr gewesen als ein "lucky punch", das wäre tatsächlich Strategie gewesen, Abwägung von Mittel und Zweck, Konzession der Hoheit auf dem Feld im Tausch für den entscheidenden Konter (für den es ab Minute 60 allmählich die Räume gegeben hätte).

All das hat Busacca zumindest stark beeinträchtigt. Vor dem Spiel hatte ich getippt (gehofft), dass Arsenal mit einem 2:3 weiterkommen würde. Der Spielverlauf hat das im wesentlichen bestätigt, aber dann kam eben der Moment, der alle Pläne über den Haufen warf. Wie das eben so ist im Fußball, wo es nun noch fünf Gelegenheiten gibt, auf den FC Barcelona in diesem Jahr eine internationale Antwort zu finden.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Antwort hat ja Inter gegeben und davor auch schon der FC Chelsea, der nur durch Iniestas Last-Minute-Tor gescheitert ist. Auf der großen Leinwand, auf der ich das Spiel gesehen habe, war in der Tat sehr genau zu sehen, wie gut Arsenal lange Zeit stand. Enorm high up the pitch die erste Viererkette, mit wenig Raum zur Fünferkette, die durch den hängenden van Persie oft zur Sechserkette wurde, so dass Nasri einen besseren Linksverteidiger abgab als Clichy - mit dem Effekt, dass nach vorne nichts von ihm ausging. Ich bezweifle allerdings, dass van Persies Hinausstellung so entscheidend war. Die Chance, die Bendtner hatte, hätte auch er erst mal verwerten müssen; daß es nicht so kam, lag sicher an Bendtner, aber eben auch an Sagnas Flanke. Und vielleicht braucht es gar keine fünf Gelegenheiten, um Barca zu knacken - s.o, s. Inter oder Chelsea. Gruß von Valdano

PVG hat gesagt…

Klasse Analyse, die von AW irgendwann im Nachgang auch bestätigt wurde. Man hoffte, wie auch in den vergangenen Spielen in den letzten 15/20 Minuten besser reinzukommen und das Spiel (mit) zu bestimmen.

Noch immer ärgerlich, dass es nicht geklappt. Noch immer ärgerlich, dass sich RvP hierzu hat hinreissen lassen und der Ref diese Karte gegeben hat. Die man geben kann, aber auch nicht geben muss.