Sonntag, Februar 26, 2012

Augiasstall

Schneller als von den meisten Beobachtern erwartet hat Manager Preetz die Rechnung für seinen Coup mit Otto Rehhagel präsentiert bekommen: eine schlecht eingestellte, ratlose Elf von Hertha BSC hat in Augsburg eine deprimierende 0:3-Niederlage zugelassen. In der Tabelle bedeutet das den Rückfall auf den Relegationsplatz (wäre Hertha ein börsennotiertes Unternehmen, würden spätestens jetzt die vernünftigen Aktionäre aussteigen, und nur noch Spekulanten würden sich mit dem Papier beschäftigen).

Die Medien machten natürlich ein Mordstrara wegen "König Otto", wer aber ein wenig klaren Kopf hat und nicht hoffnungslos verklärend einer anderen Zeit des Fußballs nachtrauert, musste vom ersten Moment an vermuten, dass diese Personalie eine Katastrophe ist. Und so zeigte sich Rehakles gestern auch: wie ein älterer Herr, der die verschiedenen Winkel des ihm anvertrauten Arbeitsbereichs nicht mehr alle gleichzeitig präsent haben kann. Um es deutlich zu sagen: Ein Cheftrainer, der inzwischen schon mehrfach angedeutet hat, dass er aufgrund seiner großen Verdienste an dieser Sache nicht gemessen werden möchte, und der zudem der Mannschaft schon mehrfach das Vertrauen andeutungsweise entzogen hat, ist nicht geeignet für die Aufgaben von Hertha in den kommenden Wochen.

Nach einer Woche Training durfte man im Grunde nichts anderes erwarten, als dass Tretschok und Covic eine halbwegs praktikable Formation finden würden, während der König royalen Schaum schlägt. Doch wieder einmal hat ein Trainer auf der Gegenseite, der noch in Varianten denkt, mit einem Schachzug das bisschen Hertha-Impetus aufgefangen und in Impulse für Augsburg umgeleitet: Luhukay bot Callsen-Bracker gegen Raffael auf, unser sensibler Brasilianer blieb bald nach Beginn bei einer großen Chance glücklos, danach gab er sich weitgehend auf.

Wie aber Niemeyer und Kobiashvili das defensive Mittelfeld interpretierten, das fiel noch einmal hinter übelste Hertha-Momente zurück: Bei Ballbesitz Mijatovic oder Hubnik machte keiner der beiden "Abräumer" auch nur Anstalten, sich anspielbar zu machen, erwartbar stagnierte das Aufbauspiel schon nach 15 Minuten, danach war das ein desaströses Spiel, das sich auch in der Gesamtlaufleistung (110 Kilometer, das ist de facto Standfußball) niederschlägt.

Über die Auswechslung von Niemeyer zugunsten von Rukavytsya noch vor dem ersten Gegentor wird in den Foren viel diskutiert. Ich finde, dass die Maßnahme richtig war (ordne sie auch TC zu und nicht Rehhagel), wenn man das funktionierende Pressing vom BVB-Spiel als Richtlinie nimmt, oder wenn man den Normalfall ansetzt, dass das eine Mannschaft ist, die sich noch an Alternativen erinnern kann, an Verfahrensweisen aus Liga zwee, wenn sie überhaupt noch ein Fünkchen Geist und Identität hätte.

Doch davon war in Augsburg keine Rede, und das rechne ich der großen Konfusion zu, die Otto Rehhagel ausgelöst hat, und die Michael Preetz zu verantworten hat. Jetzt ist Hertha tatsächlich zu einem Augiasstall geworden, und irgendjemand muss nun beginnen, da ein wenig aufzuräumen: Raffael ins Boot zurückholen, Perdeaj reaktivieren, mit Lasogga Zweikämpfe trainieren, die nicht abgepfiffen werden; Freistöße schießen (gestern wurden nur sinnlose Slices getreten), Bastians an den modernen Fußball heranführen, Djuricin wieder in den Kader nehmen.

Rehakles wird das nicht sein, der ist ja mit Attack, Attack auf den nächsten Fußballgemeinplatz beschäftigt. Hertha hat sich zum Gespött gemacht. Ich finde, Michael Preetz sollte zurücktreten. TC sollten weitermachen. Rehhagel soll weiter Interviews geben, aber nicht im Namen von Hertha BSC.

Samstag, Februar 25, 2012

Majestätsbeleidigung

Auch eine Woche nach dem Paukenschlag von Manager Preetz hat sich meine Einschätzung nicht verändert. Die Sache mit Otto Rehhagel halte ich für groben Unfug, da kann mir auch keiner erklären, dass die Aufmerksamkeit, die Hertha dadurch erlangt hat, unbezahlbar sei (das Dschungelcamp generiert auch Aufmerksamkeit). Was die Trainingswoche gebracht hat, die mit großartigen Bildern des im Schneesturm verwehten Duos Preetz/Rehakles begann, das werden wir heute in Augsburg sehen. Dann wird vielleicht auch deutlicher, ob TC (Tretschok und Covic) noch etwas zu sagen haben, oder ob der Mann mit der "unendlichen Erfahrung" die Mannschaft einfach im Meer dieser Unendlichkeit hat baden lassen, auf dass sie erfrischt und mit einem Plan hervortrete.

In der abgelaufenen Woche war viel von Ablenkung die Rede: Rehhagel nehme Druck von Preetz, der habe durch die "Rauchbombe" (RBB) Rehhagel Druck von der Mannschaft genommen, die Medien wüssten endlich wieder, worüber sie schreiben könnten, und schon beginnen sie, sich Rehhagel über das Saisonende hinaus in Berlin vorzustellen. Das Gespenst, das Preetz gerufen hat, das wird ihn noch heimsuchen.

Die abgelaufene Woche brachte das bisher wildeste Gerücht über Raffael (er soll bei Liverpool auf der Liste stehen), und nun ist auch noch ein Transfer definitiv geworden, an dem Hertha eine nicht einmal vollständig irrelevante Summe mitverdienen sollte (die vermutlich in großen Teilen an Michael Skibbe weiterüberwiesen werden muss): Christopher Samba wechselt zum russischen Magnatenverein Anzhi Makhachkala, wo er angeblich 120000 Pfund pro Woche verdienen soll.

Eine taktische Vorschau auf das Spiel gegen Augsburg kann ich mir sparen, da ich keine Ahnung habe, was der unendlich Erfahrene sich ausdenken wird. Die Begegnungen aus dem Vorjahr geben auch wenig Orientierung, damals handelte es sich um Spitzenspiele in Liga zwee, von denen das zweite schon bedeutungslos war, während das erste sich durch zwei Platzverweise für Hertha auszeichnete, ohne dass Augsburg daraus entscheidend Profit schlagen. So groß sind die personellen Ressourcen heute nicht, dass mit großen Überraschungen zu rechnen ist. Zwei Gelegenheiten gibt es noch, die Mannschaft ohne Ottl zu denken, dann wird auch dieses Fenster der Gelegenheit wieder geschlossen.

In Augsburg ist der Respekt von Rehhagel gering, dort werden Pläne für eine "Majestätsbeleidigung" (Andreas Rettig) gewälzt. Das könnte sich allerdings als schwieriger erweisen, als gedacht - denn bei Hertha ist die Majestät jetzt zugleich der Hofnarr. Doch wer ist der Stratege?

Sonntag, Februar 19, 2012

Witzfigur

Schon vor den beiden Sonntagsspielen hat sich die Tabellensituation der Bundesliga deutlich geklärt. Hertha musste mit dem 0:1 gegen den BVB abreißen lassen und befindet sich nun in einem Vierkampf gegen den Abstieg, oben könnte aus dem Vierkampf bald ein Drei- oder ein Zweikampf werden. Dabei hätte Hertha durchaus dazu beitragen können, dass das alles weniger klar aussieht, denn gegen Borussia Dortmund gab es gute Chancen, das Spiel zu gewinnen. Es fehlte aber an der letzten Konsequenz. Ich war ein wenig marod, konnte deswegen nicht ins Stadion, sondern saß vor der Kiste - die inzwischen de facto aber ein Beamerbild ist, auf dem sehr viel zu sehen ist. Das Bild des Tages war für mich das der beiden Hertha-Betreuer: Tretschok und Covic in beständigem Dialog, einander ins Ohr flüsternd, sich beratschlagend, als hinge das Gelingen des Spiels von einträchtiger Entscheidungsfindung ab.

Die Aufstellung war plausibel. Janker begann statt Morales rechts hinten, Bastians links hinten, Kobiashvili wurde ins defensive Mittelfeld neben Niemeyer vorgezogen, Raffael spielte hinter Ramos zentral, Lasogga blieb anfangs draußen, links spielte Rukavytsya, rechts Ebert. Die erste Hälfte blieb relativ ereignislos, der BVB spielte ohne Druck und sogar richtiggehend zerstreut, Hertha setzte gut nach, konnte aber keinen erfolgreichen Abschluss herausholen (Raffael gegen Weidenfeller nach einem "Bock" von Hummels). Die erste Hälfte der zweiten Halbzeit brachte dann die entscheidenden Szenen. Zweimal konnte Patrick (oder "Petrick", wie er angeblich genannt werden will) Ebert nach Berliner Ballgewinn aussichtsreich aufs Tor schießen, zweimal ging der Ball knapp daneben. So kam das, was in solchen Situationen tatsächlich häufig kommen muss, und es kam, wie bei Hertha in den letzten Wochen üblich, über die linke Defensivseite. Bastians, der allenfalls ein diskretes Spiel zeigte, ließ Kuba flanken, Lewandowski war im Fünfmeterraum ungedeckt, Kraft parierte mit einer seiner außergewöhnlichen Reaktionen, gegen den anschließenden Fallrückzieher von Großkreutz konnte er nichts mehr machen.

Sieht man sich die Tracking-Werte an, dann fällt auf, dass es Hertha gelungen war, den BVB richtiggehend einzulullen (111,2 gegen 114,1 Kilometer Laufleistung sind unterer Ligadurchschnitt, bei den intensiven Läufen sieht es schon ein wenig anders aus, da liegt der BVB um fast 25% voran) - das bedeutet aber auch, dass bei mehr Engagement deutlich mehr möglich wäre. Zum Vergleich: Freiburg, im Abstiegskampf vielleicht das Team mit der besten Tendenz, lief 124,3 gegen den FCB, kam zwar nur zu einem torlosen Remis, holte sich aber viele kleine Erfolgserlebnisse. Hertha hingegen ließ den Haupttrend erkennen, der die Lage so bedenklich macht: Die Mannschaft scheint nicht so recht zu wissen, wie sie ein Spiel über 90 Minuten durchhalten kann. Raffaels Leistung war dafür symptomatisch, er wirkte nicht gerade selbstbewusst, seine übliche Introvertiertheit sah gestern fast resigniert aus an manchen Stellen.

Mit den Einwechslungen (Lasogga für Rukavytsya, Ronny für Bastians) lagen Tretschok und Covic für meine Begriffe richtig, insgesamt haben sie die Sache gut gemacht, ob sie auch die entsprechenden Motivationskünstler sind, möchte ich nach den Eindrücken von außen eher bezweifeln. Auch hier scheint der SC Freiburg einen guten Griff getan zu haben: Christian Streich, ein Mann aus dem eigenen Nachwuchs, hat die Depression im Breisgau vertrieben. Wie das bei Hertha mit Rehhagel und Tretschok/Covic aussehen wird, kann ich mir nicht so recht vorstellen, da stehe ich immer noch unter dem Eindruck dieser für meine Begriffe grotesken Entscheidung.

In Augsburg wird Rehhagel wohl schon auf der Bank sitzen, und wir werden sehen, wie TC dann eingebunden werden. Unübersehbar war jedenfalls das Grinsen auf dem Gesicht von Jos Luhukay, als er zu der Berliner Personalie befragt wurde. Die Liga lacht über Hertha, und zwar gar nicht einmal allzu heimlich.

Samstag, Februar 18, 2012

Otto Nochmalverbraucher

Wenn man zu einem neuen Trainer mehrere Kondolenznachrichten bekommt, dann muss man sich wohl endgültig als Anhänger eines Dodelclubs bezeichnen. Gestern abend verdichteten sich jedenfalls die Hinweise darauf, dass Otto Rehhagel der neue Trainer von Hertha werden soll - bis Saisonende, und mit Unterstützung von René Tretschok und Ante Covic (an den Linien?).

Für mich läge darin eine besondere Ironie, denn diese Chronik ist beinahe genau so alt wie der letzte Triumph von Rehhagel. Im Sommer 2004 begann ich hier mitzuschreiben, der EM-Sieg von Griechenland lag ein paar Wochen zurück, und wie ich damals in die "declaration of principles" dieser Seite schrieb, war ich - in einem Finale, das mir im Grunde egal war - für den Sieg der Hellenen, weil ich den bigotten Portugiesen nichts abgewinnen konnte.

Ich hätte große Lust, nun meinem spontanen Impuls zu folgen und als Fan von Hertha zurückzutreten. Aber was soll ich dann mit meiner Fußballbegeisterung anfangen? Mich mit öden Spielen trösten wie dem zwischen Hoffenheim und Mainz gestern? BVB- oder Werder-Fan werden, um populistisch an meinen ältesten Bundesliga-Impuls, den antibavarischen, anzuschließen (gern würde ich Erwin Blumenfelds großen Satz "Als ich noch nicht einmal ein geiler Gedanke meines Vaters war, wurde ich bereits Antiwagner!" auf mein Verhältnis zum FCB adaptieren, aber das wäre dann doch übertrieben)?

Nein, mir bleibt nur Hertha, und deswegen gilt es auch hier wieder, die eventuelle Vernunft aus diesem auf den ersten Blick verheerenden Manöver herauszuholen. Verheerend erscheint mir vor allem die Signalwirkung, denn einmal mehr denkt Preetz in einer wichtigen Frage populistisch (Rehhagel war von 1963-1966 Herthaner). Die Vernunft liegt vermutlich darin, dass der aus Essen stammende Fußballlehrer gar nicht wirklich als Trainer nach Berlin kommen soll. Wir müssen ihn uns eher als eine Art Sonderbotschafter vorstellen, wie eine dieser Figuren, die von der EU in den Tschad oder nach Lampedusa entsandt werden, damit sie dort den Anschein des Institutionellen wahren.

Die Arbeit sollen wohl Tretschok und Covic machen, während Rehhagel die Interviews geben dürfte. Kompetenz (wenn Tretschok und Covic, hier fortan: TC, denn haben) und Autorität (wenn der Kasperl Rehhagel sie denn hat) werden personell gesplittet - plausibel erscheint mir das nicht gerade. Und im Sommer kommt dann ein "richtiger" Trainer. Konkret bedeutet das natürlich, dass Manager Preetz seine letzte Karte zweimal ziehen möchte. Fraglich ist dabei zweierlei: Kann TC sich auf diese Weise in Ruhe das Standing erarbeiten, das eine weitere Karriere in der ersten Liga denkbar macht? Dazu muss wohl zuerst Klarheit darüber herrschen, ob T oder C der eigentliche Kopf ist. Man sieht, hier gibt es reichlich Potential für weitere Konfusion, es zeichnet sich nachgerade ein Ämterwirrwarr ab (am Ende müssen die Spieler gegen drei Trainer zugleich spielen?).

"Also, wenn das gut geht!" Das sagt Marcel Reif in so einer Situation immer, der heute das Spiel von Hertha gegen den BVB kommentieren wird. Zu diesem besonderen Spiel, dem eintausendsten von Hertha BSC in der Bundesliga, das die BVG durch einen Streik zusätzlich hervorzuheben sich entschlossen hat, noch ein paar Gedanken. Aufgrund der Sperre von Andreas Ottl (den der neue Mann der SZ für Berlin, Max Bosse, neulich unerklärlicherweise als "Mittelfeld-Motor" bezeichnet hat, ein Bild, das, wenn es denn stimmt, die Rechnung ohne das Getriebe gemacht hat, denn Ottl kennt nur einen Gang, den zweiten) kann Hertha nun dreimal ein neues Mittelfeld ausprobieren (Niemeyer steht zudem knapp vor der fünften gelben Karte, und Lustenberger ist verletzt, da zeichnet sich also gegen Augsburg eine strategische Lücke ab, in die einmal mehr der polyvalente, aber auch unerfahrene Morales stoßen müsste).

Ich favorisiere, auch wegen des Ausfalls von Kagawa bei Dortmund, eine Variante mit Raffael neben Niemeyer, mit Ramos neben Lasogga, mit Ebert und Rukavytsya (oder gar mit Schulz gegen Piszczek), mit Bastians statt Kobiashvili (über dessen defensiven Schlappfuß gegen Stuttgart schon wieder ein Gegentor fiel), mit Mijatovic, Hubnik und Morales, und natürlich mit Kraft im Tor. Ich wünsche René Tretschok alles Gute für sein Debüt.

Freitag, Februar 17, 2012

Badstraße

Passend zum letzten Eintrag über Kevin-Prince Boateng hat mein Freund Ludger mir gestern noch ein Bild geschickt, das er von dem berühmten "Käfig" gemacht hat, in dem der Weltstar aus dem Wedding den No-Look-Pass und den Übersteiger gelernt hat - eine künftige Weihestätte, schon jetzt von einer eigentümlichen Aura umgeben.

Oder bilde ich mir das nur ein?

Donnerstag, Februar 16, 2012

Prinzenpark

Ein tolles Tor von Kevin-Prince Boateng machte gestern den Anfang zu einer demütigenden Entzauberung des Arsenal FC beim AC Mailand. Wer die Mannschaft von Arsène Wenger in den letzten Jahren häufig gesehen hat, weiß um die Probleme. Aber auch ich war verhalten optimistisch vor dem Champion's League-Spiel gegen eine Mannschaft, die mit Seedorf und van Bommel im Mittelfeld antrat, die sich aber als absolut souverän und entgegen den Klischees als sehr beweglich erwies. Das hatte allerdings auch mit einem bestürzend schwachen und nervösen Auftritt von Arsenal zu tun - auf sehr schlechtem Boden, das wird AW sicher als Ausrede in Rechnung stellen, wenn er überhaupt noch Lust auf Ausreden hat, nach diesem Tiefpunkt einer von ihm konsequent in diese Richtung geführten Saison.

Den Weg des Prinzen aus dem Wedding bis zu diesem Abend gestern einmal ausführlicher zu beschreiben, wäre ein wenig Arbeit wert (sollte er einmal, sagen wir nächstes Jahr, seine erste Biographie schreiben wollen, ich stünde als Geisterschreiber zur Verfügung - Italienisch kann ich auch). Die wesentlichen Stationen sind schnell genannt: Abschiebung aus Berlin (gegen sieben Millionen, die irgendwie in die Hertha-Bilanzen hinein verdampft sind) - Abstellgleis in London bei den Spurs - Abschiebung nach Portsmouth in deren Abstiegssaison (erste deutliche Zeichen von Klasse und Lernbereitschaft) - Foul an Michael Ballack vor der WM 2010 (Pariarolle bei den deutschen Fans, Joachim Löw darf sich die Dankbarkeit nicht anmerken lassen) - starke Leistung für Ghana bei der WM 2010 - Zwischenlagerung in Genua - Führungsspieler beim AC Mailand (unterbrochen nur von einer Verletzung beim Liebesspiel mit einem italienischen Starlet).

Für einen Berliner Jungen ist das schon sehr bemerkenswert, und jung ist er ja auch noch. Interessant auch, wie das Pendel zwischen den beiden Boateng-Brüdern derzeit wieder deutlich auf die Seite des älteren geschwungen ist, nachdem Jerome ihn eine Weile richtiggehend verleugnet hat.

Das Tor gegen Arsenal war eine Kombination aus Schusstechnik und Chuzpe - aus der Position, aus der KPB traf, fallen, wenn, dann nur sehr spektakuläre Tore. Und das war eines, ein Topspin-Knaller genau an die Unterseite der Latte. Danach war er eher der Ballverteiler, mit seinen langen O-Beinen in der charakteristischen Tipp-Kick-Haltung, die sowohl kleine Weiterleitungen als auch diese ansatzlosen, schnurgeraden, flachen Bälle erlaubt. Der Prince, wie er sich in Mailand nennt, ist im Begriff, ein Superstar auf der Sneijder-Position zu werden - eine Position, auf der Arsenal gestern Aaron Ramsey aufbot, der auch das Zeug dazu hat, dem aber die Leichtigkeit fehlt, die ein KPB anscheinend aus den Schwierigkeiten seiner Karriere gewonnen hat.

Was Arsenal anlangt, war ich nach einer Stunde so weit, dass ich zu hoffen begann, es würde kein Auswärtstor fallen. Der Club braucht einen Neubeginn, da kann ich mir nicht wünschen, es ginge irgendwie vielleicht doch noch mit letzter Not halbwegs ein bisschen weiter. Dass Wenger den Vertrag von Johan Djourou neulich bis 2015 verlängert hat, eines Verteidigers, den Ibrahimovic gestern der Lächerlichkeit preisgab, ist nur ein Indiz dafür, dass dieser Kader grundlegend falsch gebaut wird. Dazu kam gestern aber auch, dass ein Topspieler wie Vermaelen, zum ersten Mal wieder auf seine besten Position zentral neben Koscielny, einen schrecklichen Abend hatte, dass Koscielny verletzt ausschied, dass Arteta sich vom starken Mailänder Pressing sehr eingeschüchtert zeigte, dass der nominell linke Winger Rosicky beständig nach innen zog, um dort die Bälle zu verlieren, und dass Walcott einmal mehr ein apathisches Rätsel darstellte.

Die meisten "Young Guns" von Arséne Wenger sind nicht gut genug für englisches, geschweige denn internationales Top Level. Der zentrale Aspekt ist aber einer der Einstellung: Arsenal lassen sich zu leicht "ärgern", sie können mit den Zumutungen des Spiels nicht umgehen und verfallen bald in stereotypes Ballgeschiebe. Dennis Bergkamp hat dies eingehend beschrieben, und zwar vor dem Spiel gegen Mailand. Das 0:4 tut weh, aber es war wichtig, um vielleicht Einsichten entstehen zu lassen. Ich bin gespannt.

Und nachdem nun die willkommene Abwechslung der CL für diese Woche vorbei ist, werde ich wohl nicht umhin können, mich wieder Hertha zuzuwenden, wo der Posten des Cheftrainers vakant ist. Ich höre ja nur die peinlichsten Gerüchte, möchte da gar nicht näher darauf eingehen. Fatalismus ist die einzige Religion der Fans, so will mir scheinen. Bin aber jederzeit bereit, mich zu bekehren.

Montag, Februar 13, 2012

Ante Covic ante portas

Nicht nur René Tretschok, sondern auch Ante Covic wird am Dienstag bei den Profis von Hertha BSC das Training leiten. Das erfuhr ich gestern noch im Sportplatz des RBB, wo Manager Preetz den Auftritt vom Dezember in mehr oder weniger identischer Form wiederholen musste: es war, wie ein Kommentator des Berliner öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit der ihm geboten erscheinenden Schärfe anmerkte, die vierte Trainerentlassung von Preetz in seinen nunmehr zweieinhalb Jahren als Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC. Viele Fans sind längst dazu übergegangen, Preetz zu attackieren. Deswegen will ich hier, bevor wir uns der Frage nach dem neuen Trainer zuwenden (den Namen Stanislawski wollte Preetz jedenfalls nicht gerade leidendschaftlich aus der Diskussion nehmen, aber er hatte ja auch kaum geschlafen), versuchen, mit der gebotenen Ruhe die Verdienste und Fehler von Preetz gegeneinander zu halten.

Er trat sein Amt ja mehr oder weniger unter den Vorzeichen eines Putsches an, als 2009 vorzeitig der Vertrag mit Dieter Hoeneß aufgelöst wurde. Von damals rührt die enge Beziehung zu Präsident Gegenbauer her, die bis heute intakt zu sein scheint. Wenige Woche später wurde Lucien Favre entlassen, was Preetz allgemein als Fehler angelastet wird. Dagegen ist zu halten (und hielt er selber gestern auch ausdrücklich), dass Favre nicht mehr weitermachen konnte und wollte - wir wissen inzwischen um seine gesundheitlichen Probleme zu der damaligen Zeit. Möglicherweise hätte man ihn einfach sechs Wochen beurlauben sollen, wenn das gereicht hätte - aber insgesamt schätze ich die Sache so ein, dass Favre damals wirklich grundlegend überfordert war, und seine Entlassung leider unumgänglich.

Danach kam der Fehler, den ich für die Ereignisse des vergangenen Wochenendes als den Schlüssel sehe: Preetz holte den vermeintlichen Routinier im Abstiegskampf, Friedhelm Funkel, und hielt an ihm bis zum bitteren Ende fest.

Danach kamen eine ganze Reihe von guten Entscheidungen. Preetz gewann Babbel für die zweite Liga, stellte einen funktionierenden Kader für diesen Bewerb zusammen, und so gelang der sofortige Wiederaufstieg, und ein sehr guter Einstieg in die neue Erstligasaison.

Nun zu Babbel. Seine Entlassung, so gestern auch der Moderator im RBB, wäre eigentlich nicht notwendig gewesen, man hätte ihn doch noch bis Sommer 2012 weiterarbeiten lassen können und dann in Ruhe einen neuen Trainer bestellen. Aber eigentlich weiß jeder, dass die Branche so nicht funktioniert - es wäre ein äußerst schwieriger Parcours für Babbel geworden, zumal man ihn weiterhin mit Fragen nach den Gründen gelöchert hätte (und inzwischen weiß "die ganze Stadt", wie Preetz gestern mit angemessener Süffisanz fallen ließ, dass "private Gründe" ausschlaggebend waren). Zudem, und das war für mich der Hauptgrund dafür, dass ich die Entlassung von Babbel begrüßt habe, ließ er in der Hinrunde die Mannschaft zunehmend verschludern. Die Krise begann ja schon im November. Ich bin also der Meinung, dass Preetz in der Causa Babbel letztlich - trotz zahlreicher "handwerklicher" Fehler - richtig gehandelt hat.

Bei der Entscheidung für Skibbe lag er dann wieder falsch, das sehe ich auch inzwischen ein, obwohl ich so gut wie möglich versucht habe, da nicht sofort in den naheliegenden Defätismus einzustimmen. Leider hat Skibbe ein Präsentationsproblem, sein Bemühen um Souveränität wirkt unauthentisch, und dass er schon nach dem zweiten Spiel genötigt war, einen Spieler wie Lell persönlich zusammenzufalten, war ein schlechtes Zeichen. Trotzdem hat Skibbe recht: Gute Ansätze waren da, sie waren nur nach dem Debakel in Stuttgart nicht mehr vermittelbar, und die Erinnerung an Funkel ließ den Manager dieses Mal sehr schnell handeln.

Nun hat Preetz noch einen Zug. Wenn er den vermasselt, soll heißen: wenn er nun einen Trainer bringt, mit dem Hertha wieder absteigt, ist er klarerweise nicht mehr zu halten. Es wird auch nicht reichen, einfach einen Routinier zu holen, mit dem so eben mal der Klassenerhalt geschafft wird. Preetz muss jetzt schon das nahezu unmögliche Kunststück schaffen, zugleich einen Krisenmanager und einen Konzeptualisten zu finden. Einen für jetzt, der aber auch einer für übermorgen ist. Ich kann mir vorstellen, dass er Stanislawski für einen solchen hält, vielleicht ist sogar Ralf Rangnick schon wieder für neue Aufgaben bereit (wenngleich der wohl für Hertha zu teuer ist), vielleicht taucht nun doch noch einmal Franco Foda auf. Dazu wissen wir sicher bald mehr.

Die Namen Tretschok und Covic verweisen schließlich auf einen Bereich, über den kaum gesprochen wird, in dem für meine Begriffe aber entscheidende Versäumnisse von Preetz erkennbar sind: Mit seiner damaligen Entscheidung, die Nachwuchsmannschaften mit Hertha-Veteranen zu besetzen, und nicht mit ausgewiesenen Fachkräften, hat er bewusst zugunsten einer populistischen Maßnahme die Ressourcen ausgedünnt, auf die Hertha bauen kann. Fußballsachverstand ist tatsächlich eine Mangelware bei Hertha BSC, da hat Preetz sich gegen jegliche intellektuelle Konkurrenz im eigenen Haus gut abgesichert. Vielleicht bildet René Tretschok da eine Ausnahme, vielleicht ist er ja der nächste Thomas Tuchel. Das ist immer noch der Trainer, dem ich am liebsten in Berlin sehen würde, leider ist das derzeit undenkbar.

So muss nun Ante Covic neben Tretschok dazu herhalten, dass Manager Preetz die Zeit für die wichtigste Entscheidung seiner zweiten Karriere hat.

Sonntag, Februar 12, 2012

Schleifspuren

Heute überschlagen sich ja die Ereignisse. Manager Preetz fand also, dass die fünf Spiele von Michael Skibbe schon eine Serie (und nicht, wie es mir scheint, eine lose Verkettung unglücklicher Umstände) ergeben, und hat ihn deswegen entlassen. Das ist verständlich, denn die Öffentlichkeit versteht eben leichter "Serie" als "es ist alles ein wenig kompliziert". Mit René Tretschok kommt nun ein "Schleifer der Berliner Juwelen" vorübergehend zum Zug, von dem zu befürchten steht, dass er (noch?) nicht das Zeug zum nächsten Thomas Tuchel hat. Schlimmer noch, er wird gar keine Gelegenheit haben, das Gegenteil auch nur anzudeuten, es sei denn, Hertha schlägt unter seiner Leitung hintereinander Dortmund und Augsburg (dann darf er sicher gegen Bremen und Köln auch noch wirken). Ich muss das alles erst einmal analysieren. Den neuen Kanal des deutschen Bezahlfernsehens werde ich deswegen aber sicher nicht einschalten.

Jausengegner

In Österreich spricht man von einem Jausengegner, wenn eine Mannschaft sich in einem Spiel ohne Gegenwehr verspeisen lässt - nicht einmal für eine richtige Mahlzeit reicht das dann, nur für eine kleine Stärkung zwischendurch. So sollte der VfB Stuttgart das 5:0 von gestern auch nehmen, denn zu einer tollen Mannschaft wird die Elf von Bruno Labbadia dadurch nicht gleich - zu einzigartig waren die Umstände. Wird Hertha, nach einer ja eigentlich sehr anständigen Vorstellung noch am Mittwoch im Pokal, nun gleich zur Pleitemannschaft? Diesen Eindruck erwecken natürlich nun die meisten Medien, und auch viele meiner Hertha-Freunde sind sehr deprimiert. Skibbe auf der Schibbe - die Reimer in den Redaktionen finden die Sache sehr ergötzlich, und der momentane Hertha-Coach ist mit seinem verkniffenen Gesichtsausdruck leider sehr nahe am Phänotyp Funkel, sodass einschlägige Parallelen nur allzu leicht gezogen werden können.

Was waren aber gestern die Probleme? Hertha begann das Spiel wieder einmal zu passiv. Die Passivität begann mit der Aufstellung, bei der Skibbe aus unerfindlichen Gründen den Verteidiger Bastians als Winger aufbot (weil der das angeblich als Jugendlicher schon einmal gespielt hat), Raffael wieder zentral, die Doppelmoppelsechs wie üblich in der dieses Mal von Beginn an nicht funktionierenden Sechserkette. Schon Raffaels Pressing war schlecht, Lasogga war wieder ganz allein, die ganze Arbeit gegen den Ball war auch schon vor dem ersten Gegentor insgesamt schlecht.

Dann kam aber alles zusammen: Zuerst schlägt Ibisevic mit einem irregulären Tor richtiggehend eine Bresche für Stuttgart, dann leitet Ottl gleich darauf mit einem Fehler den zweiten Gegentreffer ein, dann kommt der süddeutsche Führungsspieler bei einem Tackling so deutlich zu spät, dass die rote Karte kaum zu beanstanden ist. In nur sechs Minuten war Hertha aus dem Spiel, ein paar weitere Unzulänglichkeiten führten schließlich zu einem Endstand, der in der Sache schon nach einer halben Stunde klar war.

Das erinnert nicht von ungefähr an das Spiel in Hoffenheim, das Lucien Favre seinerzeit als seine Bankerotterklärung nahm. Da wir nicht davon ausgehen können, dass Manager Preetz jetzt schon zu dem drastischen Mittel einer weiteren Trainerentlassung greifen wird, spitzt sich nun alles auf das Auswärtsspiel in zwei Wochen in Augsburg zu - mit dem 1000. Hertha-Bundesligaspiel gegen den BVB nächsten Samstag als Übungsspiel, aus dem niemand wirklich Zählbares erwartet. Übungsspiel deswegen, weil die Sperre für Ottl nun endlich zu einem Experiment zwingt: Wie sieht diese Mannschaft ohne dieses schwarze Loch in der Mitte aus? Kann jemand dort auch ein Spiel aufziehen, das nicht auf Antimaterie beruht?

Zu dumm, dass Lustenberger verletzt ist - das Zusammentreffen der Sperre von Ottl und des Ausfalls des Schweizers ist wieder einmal einer dieser vermaledeiten Umstände, die daran glauben machen könnten, Hertha habe einfach ein schlechtes Horoskop - und zwar schon seit Jahren und wohl für immer. Die zehn Minuten von Stuttgart erinnerten jedenfalls fatal an die Abstiegssaison. Wenn man Pech hat, hat man Glück auch keins, sagt man dazu in Österreich gern. Und wenn dazu noch zu große taktische Feigheit kommt, wird daraus sogar noch ein verdientes Debakel. Nicht mehr und nicht weniger war das gestern, im Abstiegskampf hat das Team aber immer noch gute Karten. Bangemachen gilt nicht.

Samstag, Februar 11, 2012

Hubnikiaden

Roman Hubnik kam vor zwei Jahren nach Berlin, in jener Winterpause, die Hertha mit sechs Punkten auf einer nahezu aussichtslosen Tabellenposition zubringen musste. Außerdem kamen damals Theophanis Gekas, den übrigens, das fällt mir jetzt wieder ein, zu diesem Zeitpunkt auch Michael Skibbe unbedingt für Eintracht Frankfurt haben wollte, und Levan Kobiashvili. Man kann also durchaus sagen, dass die Krisentransfers von Manager Preetz im Januar 2010, seine erste dramatische Bewährungsprobe auf dem Markt, zu zwei Dritteln funktioniert haben. Gegen Gekas war ich damals aber von Beginn an, er stand (meistens buchstäblich) für meine Begriffe der vernünftigsten Formation im Weg, in der Adrian Ramos vorne zentral Verwendung gefunden hätte. Nun, das ist alles lange her, heute spielt Gekas in Frankfurt in Liga zwee, während Skibbe in Berlin den erneuten Abstieg verhindern muss.

Roman Hubnik erweist sich dabei als zunehmend wichtige Figur. Wenn es im aktuellen Team von Hertha einen Führungsspieler gibt, der nicht so zur Kenntnis genommen wird, dann ist er es. Nach Stuttgart fährt er heute mit der Hypothek seines Fehlers im Pokalspiel. Aber auch der hatte wohl noch mit dem gesteigerten Verantwortungsgefühl zu tun, das Hubnik verströmt. Er war in den letzten Spielen an vielen entscheidenden Szenen beteiligt, vom späten Ausgleich in Hoffenheim vor der Winterpause bis zu Abdellaoues Tor im Heimspiel gegen Hannover. Seine Bilanz ist keineswegs lupenrein, er macht Fehler, aber anders als Mijatovic, der bei seinen zwei, drei groben Schnitzern pro Spiel von Fehlinterpretationen der Referees (Foul an de Camargo) oder Rettungsmissionen der Mitspieler abhängt, arbeitet Hubnik beständig daran, auch das Spiel aufzubauen.

Er will produktiv nach vorne sein, seine langen Bälle missglücken allerdings zu häufig, aber dann gibt es ja auch noch den Ausflug, den Vorstoß (eine Spezialität, die übrigens Laurent Koscielny bei Arsenal auch zunehmend interessiert interpretiert), ein Spielzug, der besonders dazu geeignet ist, defensive Unordnung beim Gegner zu schaffen. Denn wenn ein Innenverteidiger sich auf den Weg macht, wissen die penibel in Grundordnungen geschulten Gegner nicht immer gleich, was sie tun sollen. Der marodierende Innenverteidiger ist eine der interessantesten Optionen im gegenwärtigen Fußball, auch deswegen gefällt mir Roman Hubnik so gut.

Er ist jetzt 27 Jahre alt, deutlich schneller als Dick van Burik (an den er mich am ehesten erinnert), er ist torgefährlich (in den Grenzen, in denen das ein im Innersten glaube ich nicht kaltblütiger Spieler sein kann), vor allem aber zeigt sein Spiel den Willen, vom Schema notfalls abzuweichen. Mit seinen Hubnikiaden zeigt er eine "Sehnsucht" (Arsène Wengers Lieblingswort), für mich als Fan ist das enorm wichtig, denn mir fehlt ja persönlich das Talent und einiges mehr, da unten mitzuspielen - ich muss meine Sehnsucht also delegieren, und bei Roman Hubnik finde ich sie besser aufgehoben als bei manch anderem derzeitigen Stammspieler.

Für das Auswärtsspiel in Stuttgart verändere ich deswegen das Hertha-Hi Five ein wenig: Ha Ho He. Hu!

Freitag, Februar 10, 2012

Om Shanti Om


Zwischendurch schnell was ganz Anderes: Die Berlinale hat begonnen, am Samstag wird der indische Superstar Shah Rukh Khan erwartet, der hier in einem Bild zu seinem neuen Film "Don - The King Is Back" im Olympiastadion fotografiert wurde - wahrscheinlich der prominenteste Erdenbürger nach Cristiano Ronaldo und Frank Zander, der unsere sportliche Heimstätte jemals beehrt hat.

Om Shanti Om, kann ich da nur sagen (Hindi für Ha Ho He).

Donnerstag, Februar 09, 2012

Dezisionismus

Wer sich Pokalspiele wünscht, muss Drama ertragen: Mit diesem Gedanken ging ich gestern nach Hause, nachdem Hertha unglücklich und nach Verlängerung 0:2 gegen Gladbach verloren hatte. Es war eine Niederlage, die zugleich schwer und leicht zu ertragen - schwer aufgrund der Umstände, durch die sie zustande kam; leicht wegen der Qualität des Spiels der Mannschaft, mehr noch wegen ihrer großartigen Einstellung. Hertha wird mit schweren Beinen nach Stuttgart fahren, eigentlich aber gibt es Grund zum Optimismus.

Es war ein unangenehmer Abend, nach einem relativ normalen Wintertag wurde es während des Spiels im Olympiastadion noch einmal richtig kalt. 47000 waren gekommen, in unserem Sektor saßen zahlreiche "Eventfans", aus deren hervorgestoßenen Aussagen man schließen konnte, dass sie verwöhnt werden wollen. Es war dann aber ein Spiel, in dem es auf Kleinigkeiten ankam, bei schwierigem Boden und einem Gegner, der die beste Defensive der aktuellen Ligasaison vorzuweisen hat. Da wollte Skibbe nichts riskieren, und stellte seinerseits eine Mauerformation auf, mit Ottl und Niemeyer vor der erwarteten Abwehr. Der Preis dieser Konstellation war, dass Raffael auf links in die Mannschaft zurückkam, denn Lustenberger behielt seinen Platz auf der Zehn, er interpretiert ihn zunehmend interessant vor allem beim Pressing, bei dem Lasogga nun nicht mehr so isoliert ist. Und Hertha machte auch das Spiel, nicht berauschend, aber klug und leidenschaftlich - die Chancenverwertung ist im Moment allerdings nicht die beste, wie man bei einem wunderbaren Lochpass durch Ebert sah, den Lasogga auf den linken Fuß bekam, mit dem er eben nicht ganz so stark ist wie mit dem rechten.

Das erste wegweisende Ereignis in einem Spiel, das Hertha dominierte, kam mit der Verletzung von Fabian Lustenberger nach einer Stunde. Raffael konnte dadurch zwar wieder in die Zentrale, Skibbe brachte aber mit Bastians einen weiteren Defensiven, wodurch die Wahrscheinlichkeit auf eine Verlängerung wuchs. Nur ein Pfostenschuss von Niemeyer brachte einmal wirklich Gefahr. In der 70. Minute brachte Favre für Hermann den offensiven Igor de Camargo (Bild), der zur Schlüsselfigur wurde.

Denn durch Camargo fühlte sich, da lief schon die erste Halbzeit der Verlängerung, Roman Hubnik bei Ballbesitz Hertha im eigenen Strafraum so provoziert, dass er meinte, ihn stellen zu müssen - er kam ihm tatsächlich bedenklich nahe, er attackierte ihn aber nicht. De Camargo ließ sich dramatisch fallen (große Nummer Marke Salihovic im Dezember), und Schiedsrichter Felix Brych entschied auf Tätlichkeit Hubnik (tatsächlich war es nur eine Blödheit), rote Karte, Elfmeter, den Daems dann verwandelte.

Die Szene wird noch viel Gesprächsstoff bieten, hier also mein Senf: Entscheidend ist, dass der Referee sich in dieser Situation, in der er weiß, dass er gerade im Begriff ist, ein Spiel zu entscheiden, absolut sicher sein muss. Nun fiel mir in der natürlich sofort unübersichtlichen Situation auf, dass der Linienrichter, der die Situation im Profil sah, also am besten, kein Foul anzeigte. Brych ging also vom eigenen Augenschein aus, sah aber dafür nicht genug. Zweitens würde mich interessieren, was de Camargo da genau geäußert hat - er muss etwas gesagt haben, das sieht man an der Reaktion von Kraft, der währenddessen den Ball hat und sofort bemerkt, dass Hubnik auf etwas reagiert. In England gibt es inzwischen Präzedenzfälle dafür, dass Spieler wegen mündlicher Äußerungen auf dem Platz gesperrt werden. Das sollte in die Untersuchung eingehen.

Nun zum größeren Kontext dieser Entscheidung des Schiedsrichters. Hertha hatte nämlich an einer anderen Stelle auch Glück. Eine Schwalbe von de Camargo an der Strafraumgrenze war keine, sondern hätte im schlimmsten Fall auch mit einer roten Karte für Mijatovic geahndet werden können - allerdings hätte es keinen Elfmeter gegeben, sondern Freistoß. Die rote Karte gegen Hubnik hätte Hertha gestern wahrscheinlich auch noch verkraftet, es war der Elfmeter, durch den die Fehlentscheidung von Brych so dramatisch wurde.

Dass Hertha durch Ramos auch danach noch eine große Chance hatte, brachte das Doppelgesicht des Abends auf den Punkt. Der Kolumbianer, den Wolf-Dieter Poschmann später im Fernsehen zum "Kapitän der Nationalmannschaft von Venezuela" machte, traute sich einen Abschluss mit dem linken Fuß gleich gar nicht zu, und so konnte Gladbach in den "dying moments" des Spiels noch einen Konter abschließen, der dann wirklich wehtat. Der Trainer war noch waidwund, als er zu den Interviews musste - dabei kann er eigentlich etwas vorweisen: Eine Mannschaft, die sich gegen eines der gegenwärtigen Top Teams der Liga sehr beachtlich schlug und sich letztlich vor allem einem Schiedsrichter geschlagen geben musste, der sich seine einzige Gelegenheit zu einer dramatischen Geste an diesem Abend nicht entgehen lassen wollte.

Mittwoch, Februar 08, 2012

Momentologik

Das heutige DFB-Pokalspiel zwischen Hertha und Gladbach gibt Anlass zu ein paar grundsätzlichen Betrachtungen über den "richtigen Moment" im Fußball. Denn es war der aus guten Gründen in der Versenkung verschwundene Dieter Hoeneß, der den Trainer der heute zu favorisierenden Mannschaft aus dem Westen auf den deutschen Trainermarkt geholt hat. Lucien Favre hat, wie wir alle wissen, in Berlin begonnen, aber er war damals der Aufgabe noch nicht gewachsen. Nun ist er, dem äußeren Anschein nach deutlich fitter und selbstbewusster, zum wichtigsten Konzepttrainer nach Jürgen Klopp geworden, während Hertha in das attraktivste Bewerbsspiel seiner jüngeren Geschichte mit einem Trainer geht, von dem derzeit noch offen ist, ob es sich hier um Funkel redivivus oder wenigstens um einen soliden Handwerker handelt, der dem Team aus Berlin gerade die Grundlagen des modernen Fußballs (schon wieder) neu beibringen muss.

Manager Preetz hat mit der damaligen Entscheidung für Funkel leider einen Präzedenzfall geschaffen, an der er wohl noch eine Weile gemessen werden wird: eine Entscheidung, mit der er auf Nummer sicher gehen wollte, die sich aber als dramatisch unproduktiv erwiesen hat. Michael Skibbe wird von vielen auf eine ähnliche Weise wahrgenommen, und tatsächlich kann er den Eindruck nicht leichthin zerstreuen, dass er schon jetzt ein Gelassenheitsdarsteller werden muss. Aber er spricht viel verständiger über das Spiel, als ich das von Funkel jemals gehört habe, mein Vertrauensvorschuss ist noch nicht aufgebraucht.

Max Eberl hat mit seiner Entscheidung für Favre in der vergangenen Rückrunde eine Entscheidung getroffen, die der von Preetz für Funkel diametral gegenübersteht. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es eine Entscheidung war, die eigentlich den Abstieg schon einkalkuliert hatte - dass Favre das Wunder schaffte, hatte für meine Begriffe auch damit zu tun, dass er nicht als Feuerwehr und Gesundbeter kam, sondern als Stratege, dessen Arbeit gerade noch rechtzeitig zu greifen begann (ich erinnere mich, nebenbei, an grausame Gladbach-Spiele aus der vergangenen Saison noch unter Favre - aber es ging eben gut).

So kommt Gladbach nun als eine Mannschaft mit Perspektive nach Berlin, während Hertha als eine Mannschaft antritt, die auch weiterhin über Reagieren und Improvisieren nicht hinauskommt. Der Unterschied ist dabei im Prinzip so groß nicht - denn für Preetz war Babbel die langfristige Option, auf die er seine konzeptuellen Hoffnungen setzte. Nur deswegen konnte es wohl zu dem peinlichen Theater vor Weihnachten kommen, weil Preetz zu lange nicht einsehen wollte, dass er schon wieder von vorn beginnen muss.

Hertha hat es heute in der Hand, mit der zweiten Entzauberung von Lucien Favre zu beginnen. Es trifft sich gut, dass dieses Spiel mit der Aufgabe für Michael Skibbe einhergeht, eine Weichenstellung für die Mannschaft zu treffen. Denn mit der Rückkehr von Raffael muss er die Offensive neu aufstellen. Ich zähle dabei zu der Mehrheit der Fans, die Lustenberger statt Ottl sehen wollen. Wer auch weiterhin an der Mär von den Führungsqualitäten des gemächlichen Gestikers festhalten will, der sei auf die Statistiken verwiesen: 20 Spiele, ein (!) Assist. Das ist antimoderner Fußball par excellence, und mir ist es nebenbei gesagt auch ein Rätsel, wie Ottl sein Spiel vor sich selbst rechtfertigen kann. Irgendwo in dieser hochwertigen Bayern-DNA muss doch noch ein Rest Reflexion möglich sein, der ihm klar macht, dass das nicht reicht.

Adrian Ramos sieht man wenigstens an, dass er nicht zufrieden ist. Es spricht einiges dafür, ihm heute eine Pause zu gewähren, woraus sich folgende Aufstellung ergeben würde: Kraft. Kobiashvili - Mijatovic - Hubnik - Morales. Niemeyer. Lustenberger - Raffael. Rukavytsya - Lasogga - Ebert. Ich würde also die Barcelona-Variante vorschlagen, mit einem Sechser und mit Raffael und Lustenberger als pressenden Umschaltspielern, die mit Lasogga gemeinsam ein Tannenbaum-Pressing spielen würden, das als defensives 4-5-1 und offensives 4-1-4-1 vor allem Nordtveit (oder einen meiner Taufpaten, Thorben Marx, wer weiß!) unter Druck setzen sollte.

Sonntag, Februar 05, 2012

Ansatzweisheiten

Nach dem 0:1 gegen Hannover 96 läuft Hertha heute schon Gefahr, auf den Relegationsplatz abzurutschen. Der Auftakt zur Rückrunde ist verpatzt, es bleiben nur dreieinhalb Tage, um sich auf das Pokalspiel gegen Gladbach vorzubereiten. Die Leistung gegen H96 gibt aber tatsächlich Anlass dazu, sich jetzt noch nicht zu nervös machen zu lassen. Es gab (für mich leider nur im Clubkanal) prinzipielle Fortschritte zu beobachten, ich glaube aber auch, dass ein taktischer Irrtum für die Niederlage entscheidend war. Hannover spielt ja auf einem konzeptuell etwas höherem Niveau einen Fußball, mit dem Hertha selbst in diese Saison gestartet ist: eher abwartend, das Spiel nicht selbst unbedingt machen wollend, aber effektiv im Abschluss. Darauf ging Skibbe, der offensichtlich mit dem Team während der Woche gearbeitet hat, auch ein. Deutlich weiter vorn begann dieses Mal das Pressing, Lasogga arbeitete wie immer sehr viel, Ottl ging viel öfter aus der Sechserkette heraus und griff teils schon im gegnerischen Drittel an. Das bedeutete aber auch, dass Lustenberger, dieses Mal als "Zehner" vor Niemeyer und Ottl aufgeboten, eine Weile brauchte, um seine Rolle zu finden.

Eine insgesamt homogene Mannschaftleistung brachte in Halbzeit eins mehrere, teils sehr gute Gelegenheiten, während Hannover nur kurz vor der Pause eine, allerdings starke Möglichkeit für Pinto bekam. Für die zweite Halbzeit blieb Schmiedebach in der Kabine, für ihn kam Diouf - wenn es ein Manöver gab, das dem Spiel allmählich eine Richtung wies, dann dieses. Denn Schlaudraff rückte dadurch auf die rechte Seite, auf die Hertha-Seite, auf der Kobiashvili und Ramos defensiv nicht gut zusammenfinden. Skibbes erster Wechsel erwies sich hingegen als unproduktiv: er tauschte Ebert gegen Ronny, Ramos wechselte dadurch auf die rechte Seite, die bessere Idee wäre allerdings die gewesen, die Skibbe erst später riskierte: Ottl auszuwechseln, Ramos vorn neben Lasogga, und Ruka auf den linken Flügel.

Als er sich dazu durchringen konnte, führte Hannover schon 1:0 durch ein Tor von Abdellaoue, das danach ein wenig zu oft als "Sonntagsschuss" bezeichnet wurde (Preetz, Niemeyer, Morales). Im Gegenteil war das ein Qualitätstor, das Hubnik nicht antizipieren wollte - zu passiv blieb er in dieser Szene. Für Hannover war das ein typischer Sieg, für Hertha eine auch irgendwie typische Niederlage, denn es fehlt die Konstanz über 90 Minuten. Das Pressing fiel in der zweiten Halbzeit deutlich zurück, gute 110 Kilometer für beide Mannschaften verweisen auch auf ein insgesamt "schwaches" (Slomka) Spiel, in dem Hertha dazu aufgerufen war, mit erhöhter Intensität um die ersten Punkte in 2012 zu kämpfen. Diese Intensität fehlte mit zunehmender Spieldauer, und sie fand in dem Kämpfer von der traurigen Gestalt, Adrian Ramos, die Symbolfigur. Er machte zwar viel, aber es fehlte ihm offensichtlich am Glauben.

Michael Skibbes Analyse in der Pressekonferenz war plausibel, immerhin begreift er, was geschieht, und stellt sich nicht immer nur stereotyp "vor die Jungs". Sein Problem in diesen ersten drei Spielen war, dass er Raffael eins zu eins ersetzen wollte. Dadurch bekamen seine Aufstellungen etwas unpassend Experimentelles, verschiedene Spieler durften sich 45 Minuten oder länger probieren. Stattdessen hätte das System den Spielmacher ersetzen sollen, aber das war erst gegen Hannover in Ansätzen zu erkennen. Auch wenn ich hier schon wie eine defekte Schallplatte klinge: Die Arbeitsaufteilung in der Offensive war auch hier insgesamt nicht gut, Ottl hatte seinen üblichen tollen Moment (Chance für Ramos und Lasogga kurz vor der Pause), über 90 Minuten hinweg bleibt seine Produktivität aber wieder einmal viel zu dürftig. Lustenberger von der "Acht", Ramos neben Lasogga, und zwei echte Winger (Ruka und Ebert) hätten H96 nach Minute 60 vor mehr Probleme gestellt.

Bei Sebastian Neumann hat Skibbe in der Pressekonferenz richtige Worte gefunden: Das Spiel des Mijatovic-(Janker)-Vertreters war eigentlich in Ordnung, er hatte nur wenige Fouls, beide gelbe Karten waren allerdings vertretbar. Und doch finde ich, dass Neumann sich besser schlug, als man erwarten durfte. Alfredo Morales fand offensiv kaum statt, für ihn war es ein klassisches Debüt, er wird ohnehin noch öfter zu sehen sein, ich traue ihm eine Steigerung zu. Für Hertha ist die Situation ungemütlich geworden, doch nun kommt erst einmal ein Spiel außerhalb des Ligaalltags. Eine gute Gelegenheit für einen zweiten Start.

Samstag, Februar 04, 2012

Boy Group

Das sibirische Tief Cooper (zu deutsch: Böttcher oder Fassbinder) sorgt für einen klaren Morgen in Berlin. Das Spielfeld im Olympiastadion verfügt über eine Rasenheizung, sollte also nicht knüppelhart sein, wenn Hertha am Nachmittag gegen Hannover 96 spielen muss. Ich werde nicht dabei sein, ein kultureller Pflichttermin geht vor, das Spiel folgt dann im Clubkanal. Unter normalen Umständen würde Hertha als leichter Außenseiter gegen den im oberen Mittelfeld der Liga konsolidierten Gegner antreten. Unter den aktuellen Umständen aber wäre schon ein Remis ein Erfolg. Denn aufgrund der schlechten Stimmung, der Verletzungen, der taktischen Defizite und des wachsenden Drucks können die Erwartungen keine großen sein.

In einer Berliner Boulevardzeitung war Mitte der Woche zu lesen, dass Trainer Skibbe sich mit taktischen Alternativen zum 4-2-3-1 beschäftigt - ich nehme nicht an, dass diese heute schon zum Tragen kommen werden. Ohnehin wäre es gut, einmal eine Formation für mehr als nur fünf Minuten beizubehalten - das ständige Rochieren bringt, wie schon zuletzt angemerkt, für meine Begriffe überhaupt nichts. Angesichts der improvisierten Viererkette, die heute zu erwarten ist (die Zeitungen erwarten Kobiashvili - Neumann - Hubnik - Morales, käme Bastians statt Kobiashvili, ergäbe das fast schon zu viel Boy Group), wäre ein 4-4-2 durchaus zu überlegen: Niemeyer und Lustenberger zentral, außen Ebert und Ronny (beiden muss das defensive Mitarbeiten natürlich eigens eingeschärft werden), vorne Lasogga und Ramos.

Vermutlich wird aber wieder Ottl neben Niemeyer auflaufen, Lustenberger davor, Ramos auf außen. Ich bleibe dabei, dass Ottl der Spieler ist, der am meisten zwischen Hertha und dem modernen Fußball steht. Er gehört auf die Bank, und in fünf Monaten auf die Transferliste. Es sei denn, er entschließt sich, der andere Spieler zu werden, der er bisher zwei, drei Minuten pro Match ist. Das wäre aber ganz gegen die Wahrscheinlichkeit.

Nürnberg hat gestern gegen den BVB gezeigt, wie man modernen Underdog-Fußball spielt - dass das Spiel trotzdem 0:2 verloren ging, tut wenig zur Sache, Hecking macht eindeutig gute Arbeit. Damit muss Skibbe nun auch beginnen, wenn er es denn drauf hat. Die Probleme, die Hertha hat, sind eindeutig älter als Januar, sie datieren aus den langen Wochen, in denen Babbel den guten Ansatz dieser Saison verschlampt hat, in denen das Team zunehmend an Organisation eingebüßt hat. Das muss also neu erarbeitet werden - heute geht es nur vor allem darum, sich ein wenig Mut für den DFB-Pokal am Mittwoch zu erspielen. Erst dann, wenn Raffael wieder zur Verfügung steht, wird Skibbe mit seinem Konzept für das Team wirklich herausrücken müssen.

Donnerstag, Februar 02, 2012

Eiszeit

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schloss das Transferfenster für diesen Winter. Hertha hat nach Felix Bastians keine weitere Verpflichtung getätigt, Arsenal FC hat sich, wie man so schön sagt, die Dienste des 19jährigen Thomas Eisfeld von Borussia Dortmund gesichert. In beiden Fällen steht damit eine Mannschaft vor einem schwierigen Frühjahr, allerdings sind die Umstände natürlich kaum miteinander zu vergleichen. Ich will zuerst ein paar Worte über Arsenal verlieren, schließlich musste ich erst gestern einen weiteren Rückschlag mitansehen: 0:0 bei den Bolton Wanderers, Rückfall auf Platz 7 in der Tabelle, und damit die schlechteste Ausgangsposition im Vierkampf mit Chelsea, Newcastle und Liverpool um den CL-Qualifikationsplatz 4. Wie Arsène Wenger mit dem erschöpften Rest, den er derzeit notdürftig zu einer völlig überspielten Stammelf zusammensetzt, auch nur die nächsten Wochen bestehen möchte, das ist mir schleierhaft. Arsenal steht personell jetzt so da, dass Rosicky (den Wenger gestern zu spät und für Walcott und nicht für Ramsey brachte), Thierry Henry, Arshawin die einzigen Reservisten von Statur sind, dazu kommt der polyvalente Coquelin. Zwar werden Gervinho und Chamakh bald wieder da sein, aber von einem "tiefen" Kader kann keine Rede sein - im Gegenteil hatte Arsenal, seit ich sie beobachte, noch nie einen derart bedenklichen personellen Notstand. Der Transfer von Thomas Eisfeld erinnert mich ein wenig an einem gewissen Amaury Bischoff, den Wenger 2008 von Werder Bremen holte und der nach einem Jahr ohne nennenswerte Auftritte wieder ging - er spielt jetzt in der zweiten portugiesischen Liga. Arsenal bewegt sich auf die lange Wenger-Agonie zu. Im Grunde muss ich jetzt schon darauf hoffen, dass es bei Platz sieben oder acht bleibt, aber selbst dann ist noch nicht sicher, ob sich das Board im Sommer zu einem Trainerwechsel entschließen kann.

Und nun zu Hertha: Hier haben sich die Nachrichtenmärkte dazu entschlossen, Michael Preetz zu attackieren. Der Manager hat sich angreifbar gemacht, weil Michael Skibbe die ersten beiden Spiele vermasselt hat, vor allem aber, weil er gleich zu starken Worten gegriffen hat. Ein neuer Trainer sollte einer schlecht instruierten Elf zuerst einmal Orientierung anbieten - das ist nicht geschehen, was wir gesehen haben, war konfuse Personalpolitik. Markus Babbel wird sich die Hände reiben, wenn er sieht, wie die Zeitung, für die Philip Lahm sich als Werbeträger hergibt, nun frontal auf Preetz losgeht. Christian Lell muss in einer Parodie der Causa Robben als Fallbeispiel herhalten. Tatsache ist, dass der süddeutsche Außendecker nach guten Ansätzen im Herbst zunehmend dürftigere Leistungen wie man so schön sagt: angeboten hat - ob das nun an einem Loch im Schenkel, in der Motivation, in der Vitamin D-Bilanz oder sonstwo lag, können wir nicht wissen. Lell hat das Zeug zum Führungsspieler, jetzt ist er mehrfach beschädigt, dafür bekommt Herthas Coquelin, der polyvalente Alfredo Morales, wohl eine Chance. Kobiashvili-Bastians-Hubnik-Morales - das wäre noch die plausibelste Viererkette gegen H96. Das sind aber im Moment nur Details, wichtiger ist, dass Skibbe sich nach nur zwei Wochen schon in eine Position gebracht hat, die wir von Friedhelm Funkel noch gut in Erinnerung haben: taktische Ratlosigkeit bei schwindender Disziplin.

Sieht alles nicht so gut aus bei meinen Lieblingsmannschaften im Moment. Zum Glück wird schon am Samstag wieder gespielt.