Dienstag, September 20, 2011

Vertragsauflösung

In Amerika sagt selten einmal jemand, er oder sie sei "arbeitslos". Man ist allenfalls "between jobs", wie es sich für flexible Menschen gehört. Der ehemalige Kapitän von Hertha BSC, Arne Friedrich, ist neuerding auch "zwischen Jobs". Der Vertrag mit dem VfL Wolfsburg wurde aufgelöst, offiziell auf Wunsch des Spielers.

Damit schließt sich ein weiterer von den vielen Kreisen, die mit dem Abstieg von Hertha vor eineinhalb Jahren gezogen wurden. Bei der WM in Südafrika hatte Friedrich noch ein paar große Momente, damals schien er sogar als Manndecker für seinen schon in Schwierigkeiten steckenen Kollegen Per Mertesacker zu funktionieren. Danach ging er mit Dieter Hoeneß nach Wolfsburg, und es begann eine Pechsträhne bzw. eine Serie von körperlichen Problemen mit dem Stützapparat, die fast schon tragische Züge hat.

Heute hat Per Mertesacker einen Vertrag in London, den er nie bekommen hätte sollen, wenn Arsenal diesen Transfersommer nicht so grandios vergeigt hätte. Und Arne Friedrich muss überlegen, was er mit 32 Jahren noch als Profifußballer anfangen will - im Winter noch einmal bei einem deutschen Club anheuern (und sich Probleme wie Michael Ballack einhandeln, wenn er Pech hat)? Oder doch schon in eine Luxusliga, wobei sein Glamourfaktor vermutlich für einen Oligarchenclub nicht groß genug ist. Mit dem VfL Wolfsburg II hätte er am kommenden Wochenende vielleicht in Wilhelmshaven spielen können - nicht gerade ein Ort, an den internationale Scouts in Scharen zu reisen pflegen.

Das deutsche Nationalteam ist längst woanders, und wir haben wieder einmal ein Exempel für die gnadenlose (wenngleich finanziell doch einigermaßen entschärfte) Brutalität des Fußballsports, zu der natürlich Inkompetenz eine Menge beiträgt - wenn, wie beim VfL Wolfsburg, ein Manager wie Dieter Hoeneß und ein Trainer wie Felix Magath fuhrwerken, kann auf individuelle Schicksale keine Rücksicht genommen werden. Und momentan gilt sogar Alexander Madlung als besser, der nach dem Meisterjahr 2009 kein sehr konsistentes Leistungsprofil vorzuweisen hat (wie übrigens auch "Asche" Dejagah, der aber damit zufrieden zu sein scheint, bei guter Bezahlung immer gerade das Minimum zu tun, um bei Wolfsburg im Kader zu bleiben).

Ich war nie ein großer Fan von Arne Friedrich, er hatte eigentlich keine Karriere, über die man ein eigenes Buch schreiben muss - auf das nächste Kapitel bin ich aber jetzt fast ein wenig gespannt. Wie wär's mit einem Job bei Arminia Bielefeld? Dort könnte er Grundlagenarbeit leisten, ein wenig mäzenatisch müsste es auch sein. Aber das kann er sich leisten.

Kommentare:

Natalie hat gesagt…

Wie oft denke ich an unsere Spieler, die uns nach der Abstiegssaison den Rücken gekehrt haben, und wie oft frage ich mich, ob ein Mitmarsch durch die 2. Liga, die Karriere einiger nicht in eine Sackgasse geführt hätte... Dem Königsmörder weine ich keine Träne nach. Simunic (der vorher ging) werde ich im Augenwinkel behalten. Kacar & Drobny erleben den selbstgewählten Super-GAU.

Anonym hat gesagt…

Ob die Arminia einen wie Arne braucht in ihrer derzeitigen Situation? Nur weil er von dort seinen Weg in die große, weite Fußballwelt angetreten hat? Ich glaube, daß weder er der Arminia noch sie ihm helfen kann. Von mir aus kann er gerne wie der andere Alt-Armine Thomas Helmer in den Aufsichtsrat gehen, als lebendes Memento an bessere Zeiten, ohne sicht- oder greifbaren Einfluß. Meint Valdano

marxelinho hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
marxelinho hat gesagt…

Bei Drobny und Kacar ist am noch weit entfernten Horizont tatsächlich eine besondere Ironie als Eventualität auszunehmen: In drei Jahren zweimal mit einem Club abzusteigen, dessen Standortfaktoren eigentlich eine sichere Erstligaexistenz gewährleisten sollten. Dazu müsste Arnesen aber wohl Friedhelm Funkel engagieren, und den hat er sich gerade entgehen lassen.

Natalie hat gesagt…

Ganz genau, und der hat Radjabali-Fardi postwendend aussortiert. Ich bin schon sehr auf den Kommentar zum Bremenspiel gespannt! Beste Grüße