Donnerstag, Juli 31, 2008

Daimler Benz

Der VfB Stuttgart hat gestern mit einem Privatspiel gegen den FC Arsenal den Übergang von Gottlieb Daimler zu Mercedes Benz vollzogen, vom Ingenieur zur Marke, vom erfinderischen Geist zum perfektionierten Produkt. Die Namensrechte an dem Stadion wurden verkauft, blieben aber im weitesten Sinne "in der Familie". Das Spiel war dann insofern ganz interessant, als Coach Wenger anfänglich eine fast schon seriöse erste Mannschaft auf den Platz schickte, die aber noch ein wenig schwerfällig wirkte - vor allem Adebayor empfahl sich mit zahllosen Abseitsstellungen und Stolpereien nicht unbedingt für die Clubs, zu denen er gern ziehen wollte. Die kuriose Doppelsechs mit Denilson und Eboué hat eher keine Zukunft, da kommt Fabregas zurück, und ich hoffe immer noch, dass Abou Diaby neben ihm eine Chance bekommt. In der zweiten Halbzeit schickte Wenger wieder seine Talente hinaus, und Carlos Vela, Nicklas Bendtner, Jack Wilshere und Aaron Ramsey zeigten den Stuttgarter Talenten, wo man mit 17, 18, 19, 20 Jahren heute schon stehen kann. Dazu kam eine vielversprechende Show von Samir Nasri, und die Nachricht, dass Arsenal gestern von Werder Bremen den 21jährigen Portugiesen Amaury Bischoff verpflichtet hat. Arsenal lässt sich also offensichtlich von dem Gerede dieses Sommers nicht die Laune verderben, lässt Störenfriede wie Hleb ziehen und baut weiter junge Leute in - das erscheint nun noch deutlicher als arrogante Politik. Sie wird nicht unbedingt zum ganz großen Erfolg führen (ich bin zum Beispiel überzeugt davon, dass diese Defensive zentral nicht gut genug besetzt ist, hinter Gallas und Touré fehlen zwei verlässliche Könner), sie vermittelt jedoch für mich perfekt das, was ich am Fußball eigentlich liebe - die Saga, das Balzac'sche Universum. Arsenal gewann im Mercedes-Benz-Stadion mit 3:1, und selbst Tom Bartels, ein gewöhnlich gut informierter Kommentator, war am Ende ein wenig baff ob der juvenilen Kompetenz, die da herumschwirrte.

Dienstag, Juli 29, 2008

Vitikult

Hat alles geklappt gestern, die Lufthansa ist pünktlich geflogen, mein Freund Walter hat in Wien-Schwechat gewartet, und in der milden Abendstunde waren wir pünktlich in Ritzing, einem burgenländischen Dorf, das bis 1989 im hintersten Winkel von Westeuropa lag, nun aber nicht nur in einer Förderregion der EU, sondern auch mitten in Mitteleuropa zu liegen gekommen ist. Frucht des Wohlstands ist ein adrettes Stadion, in dem gestern Arsenal ein Trainingsmatch gegen eine Burgenland XI abhielt eine lokale Auswahl, die sich selbst FC Vitikult, also so viel wie: FC Weinkult(ur), nannte. Es endete 10:2 und war sportlich wohl von geringer Bedeutung. Wir konnten aber einen so noch nie zuvor möglichen unmittelbaren Eindruck vom Wirken von Co-Trainer Pat Rice gewinnen, der das Aufwärmen leitete und dabei die ungeheuer durchtrainierten Youngsters zu Übungen anhielt, die in der Bundesliga auch nicht anders gemacht werden. Coach Wenger schickte eine junge Auswahl auf den Platz. Bendtner traf vier Mal, der aus Spanien von einer Ausleihe zurückgekehrte Mexikaner Carlos Vela drei Mal. Wichtiger aber war, dass ich einen potentiellen Superstar zum ersten Mal gesehen habe: Aaron Ramsey, Transfer von Cardiff City, 17 Jahre alt, hat in der zentralen Rolle (job description: der nächste Fabregas) eine Energie und Übersicht bewiesen, gepaart mit Technik, die große Dinge erwarten lassen. Walter hat in Ritzing fotografiert, ich werde in den nächsten Tagen auf diesen Höhepunkt meiner Sommerferien zurückkommen.

Sonntag, Juli 27, 2008

Volksfest

Die Hertha hatte heute zu einem Tag der offenen Tür geladen, zum letzten in dieser Saison vermutlich, denn gewöhnlich verwenden Journalisten diesen Begriff, wenn es viele Gegentore und eine schwache Defensivleistung zu vermelden gibt. Ich war guter Dinge, mir die Präsentation der Mannschaft ansehen zu können. Dann kam aber zu Mittag ein Anruf, der bedeutende ägyptische Regisseur Youssef Chahine ist gestorben, dazu musste ich noch etwas schreiben, und so fing ich mir die Verspätung ein, die dazu führte, dann wir - A. mitzunehmen war auch keine gute Idee bei der Hitze - vor einem vollen Amateurstadion standen, die Spieler schon auf dem Platz, umgeben von 100 Kids, die zu einem Showtraining eingeladen worden waren. Die leicht antiklimaktische Stimmung, die sich in mir in diesem Moment breit machte, steigerte sich noch, nachdem ich an einer der Führungen durch die Räume des täglichen Betriebs teilgenommen hatte. Die Kabine der ersten Mannschaft war zwar aufgeräumt, der Anblick und Geruch von Badelatschen verwies mich aber doch auf Aspekte des fußballerischen Alltags, die ich so genau gar nicht wissen muss. Wir waren also bald wieder daheim, und ich harre nun der Dinge, die der Lufthansa-Streik für mich bringen wird - ich bin nämlich morgen auf einen Flug nach Wien gebucht, der Voraussetzung dafür ist, dass ich am Abend im burgenländischen Ritzing das Testspiel von Arsenal sehen kann. Das zu versäumen, habe ich nicht ver.dient.

Dienstag, Juli 22, 2008

Liverpool

Kurz vor dem Anpfiff des Freundschaftsspiels zwischen der Hertha und dem FC Liverpool hat mich heute im Olympiastadion so ein kleiner Schauer durchfahren, eine Ahnung dessen, wie es vielleicht bei einem wirklich großen Match sein könnte. Es war der Name Kuyt auf der Anzeigentafel, und er selbst nur ein paar Meter vor mir, die das in mir ausgelöst haben. Der Kuyt, der vor wenigen Wochen erst gegen Arsenal in der CL gespielt hat, der bei der EM für die Niederlande dabei war, dessentwegen heute auch viele Berliner Rote im Stadion waren. Ich hatte mir einen Platz ganz nahe am Feld besorgt, unmittelbar neben der Ehrentribüne, in englischer Distanz zum Spiel also. Es war ein tolles Erlebnis, im Fernsehen hat es sicher profaner ausgesehen. Coach Benitez begann mit einer jungen Mannschaft, so waren Pacheco und Leto auf dem Feld, als Routinier der auch heute unsägliche Voronin sowie Jermaine Pennant, der Marc Stein eine Halbzeit lang auf größere Aufgaben vorbereitete. Gerrard und Torres fehlten, das war vorher schon klar gewesen. Coach Favre schickte seine momentane erste Elf auf den Platz: Drobny. Chahed-von Bergen-Kaká-Stein. Ebert-Kacar-Dardai-Piszczek. Raffael-Pantelic. Nach einer Stunde kam Cicero und deutete Gutes an. Arne Friedrich, der gestern aus dem Urlaub zurückkam, wird ein wenig gestaunt haben über das gute Funktionieren der Viererkette. So richtig dringend wird man auf ihn derzeit nicht warten, auf Josip Simunic noch weniger, kommt mir vor. Ob Hertha jemals in einem Wettbewerb auf Teams aus der Dimension Liverpool treffen wird, lässt sich nicht abschätzen - heute hat sie jedenfalls in meinen Augen, nach langjähriger systematischer Abkehr vom Spitzenfußball (die CL bald nach Wiederaufstieg war eher eine Laune des Sports), symbolisch einen Platz in Europa reklamiert. Noch geht das nicht ohne Sportfive, die Vermarktungsagentur. Mal sehen, wie es nach der kommenden Saison aussieht. Irgendwie habe ich ein gutes Gefühl.

Fütterung

Die Hertha hat von Fluminense in Rio de Janeiro den Spieler Cicero Santos geholt. Er bekommt die Nummer 7, was auf seine designierte Position in der Doppelsechs verweist, gilt aber als vielseitig einsetzbar. Bei der heutigen Exhibition gegen den FC Liverpool soll er schon zu sehen sein. Der Transfer ist in zweierlei Hinsicht signifikant, nach innen und nach außen. Nach innen zeigt er, wie sehr Lucien Favre (und Michael Preetz?) inzwischen die Abläufe bei der Hertha verändert haben. Bis vor einem Jahr war diese taktische Position noch nicht einmal als Aufgabe erkannt worden, inzwischen erweckt der ganze Kader den Eindruck, dass er aus Optionen besteht - für jede Position und für jede taktische Variante stehen Spieler zur Verfügung, es gibt, wie bei richtig guten Clubs, für alle Mannschaftsteile eine intensive Konkurrenzsituation und es gibt sogar eine Schattenmannschaft, also für jeden Stammspieler einen "understudy", wobei dieses Verhältnis nicht auf allen Positionen gleich eindeutig ist - wird Nicu die Zweitbesetzung für Ebert, oder Pisczcek die Zweitbesetzung für Cicero, wenn der über links kommen soll? Möglichkeiten sonder Zahl. Allerdings, und dies betrifft die Transferpolitik nach außen, mit Spielern, um die uns momentan noch kaum jemand beneidet. Es hängt also viel davon ab, dass sie sich zeigen, bewähren, steigern, dass die Mannschaft mit den Individuen wächst, und dass die Angebote kommen für Leute wie Kacar, Stein, Raffael, Radjabali-Fardi etc. Hertha stellt sich ganz klar als "feeder club" neu auf, als Fütterungsinstitut für größere und reichere Vereine, die schon länger professionell arbeiten. Die Transfers, die bisher Geld brachten, waren eher den Wirren des Marktes geschuldet (über sieben Millionen für Kevin-Prince Boateng!). Die nächste Welle könnte schon eher etwas mit der Qualität der Einkäufe zu tun haben. Vor ein, zwei Jahren lag Hertha noch ganz am Rande des großen Marktes, sie kaufte stagnant ein und schob Spieler mit Verlust ab. Jetzt bewegt sie sich mit ein wenig mehr Geschick. Cicero Santos wird ab heute zeigen können, wie gut er ist - wenn er sehr gut ist, bleibt er zwei Jahre und bringt acht Millionen Gewinn. Wenn er halbwegs gut ist, kann er wenigstens helfen, Dardai endlich zu überwinden. Wenn er schlecht ist, halten sich die Verluste in Grenzen - er kommt auf Leihbasis für zwei Jahre.

Freitag, Juli 18, 2008

Laufwerk

Es war eine rauschende Ballnacht gestern im Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg. Die Hertha kam frisch aus dem Trainingslager, um den überdeutlich unterlegenen Gegner FC Nistru Otaci aus Moldawien zu besiegen. Am Ende stand es 8:1, die Fans waren glücklich, ich auch, und das Team ging in die Kurve. Die gute Stimmung hat vor allem damit zu tun, dass die Hertha in diesem Stadium des Uefacups, also früh in der Saison und gegen Gegner mit schwer auszusprechenden Namen, bisher prinzipiell ohne die richtige Einstellung auftrat und sich entweder eine Runde weiter quälte oder gleich blamierte. Gestern war Schwung zu sehen, die Mannschaft erschien als ein Laufwerk mit vielen Möglichkeiten. Ein kleiner Junge neben mir sprang bei jedem Tor auf, er hatte ein Transparent mitgebracht, das ein 10:0 forderte. Er war auch so zufrieden. Es ist müßig, aus diesem Spiel etwas abzuleiten, außer dass es gute Stimmung macht und dass Otaci in zwei Wochen in Chisinau ein 7:0 genügen würde, um doch noch weiterzukommen. Zwei Sachen fielen aber auch bei schwacher Gegenwehr auf: Die Viererkette hat Zukunft, vor allem, nachdem Chahed hinausging, Stein auf rechts wechselte und links (als unser Lahm) der siebzehnjährige Radjabali-Fardi mit viel Potential ans Werk ging. Vor ihm arbeitete Pisczek, der vielleicht noch einmal ein echter Flügelstürmer wird. Mit einem Wort, das Zusammenwirken von defensiver Konzentration und schneller Eröffnung sah gut aus. Mein Lieblingstor war das zweite, bei dem Kacar im Zentrum den Ball gewann, loszog, halblinks zu Pantelic in den Lauf spielte, der mit dem Außenrist eine schöne Banane zu Raffael hinüberzog, der volley flach einsenden konnte. Das könnte in dieser Form auch gegen bessere Mannschaften gelingen. Unter den Zuschauern befand sich gestern schon Cicero, der neue Herthaner, den Valdano gleich mit ein paar Scherzen aus dem Liber Latinum begrüßte. Sei's drum: Salve, Hertha!

Donnerstag, Juli 17, 2008

Auftakt

Allzu viele neue Leute dürften wir heute noch nicht zu sehen bekommen, wenn die Hertha im Jahn-Stadion zu ihrem ersten Pflichtspiel in dieser Saison antritt: Gegen den FC Nistru Otaci aus Moldawien, in der ersten Vorqualifikationsrunde zum Uefacup 2008/2009. Einige Zeitungen rechnen sogar mit Dardai in der Startelf, was ich für ein schlechtes Zeichen halten würde, andererseits ist der neue Mann für diese Position noch nicht da. Es soll sich um Cicero aus Brasilien handeln, der Name passt zu einem Hauptstadtclub, die in Berlin erscheinende gleichnamige Postille für intellektuelles Häppchening wollen wir dagegen geflissentlich ignorieren. Die Viererkette sollte heute besonderes Interesse erwecken: Marc Stein links und Kaká innen neben von Bergen, mal sehen. Ich habe eine Karte für die Gegentribüne, auf der es vermutlich nicht allzu voll werden wird. Sofian Chahed hat sich im Trainingslager einen Bart wachsen lassen, vielleicht legt er es auf den Metzelder-Bonus des "elder statesman" mit eingeschränkter Laufleistung an? Dabei ist er durchaus schnell, nur hält er gern Sekundenschlaf auf dem Feld. Patrick Ebert, der metaphysisch Obdachlose bei der Hertha, sollte auch eine Chance bekommen, inschallah! Und Marko Pantelic hat in den letzten Tagen das Wadendrama von Michael Ballack vor dem EM-Finale als Satyrspiel nachgestellt - er kann auflaufen, er soll einsenden, er soll Platz machen für Domovchyiski nach einer Stunde, er ist und bleibt ein Held! Frühform, Stärke, langer Atem - die Saison geht los!

Mittwoch, Juli 16, 2008

Federball

Valdano, Korrespondent und höflicher Paparazzo dieser Seite, hat eine Beobachtung gemacht, die sehr gut in die Übergangsphase passt, in der wir alle uns derzeit befinden: "Neulich beim Badminton betrat eine vierköpfige Familie die Halle, und der Vater kam uns sehr bekannt vor. Mit Frau und Zwillingstöchtern ging er auf das Spielfeld, und als er uns dann kurze Zeit später nach den Badminton-Regeln fragte, gab es keinen Zweifel mehr: Dick van Burik ist noch immer in Berlin, er hat den größeren gegen einen sehr viel kleineren Ball eingetauscht, und wenn seine fußballerischen Leistungen bei der Hertha schon nicht unumstritten waren - ein großer Badminton-Spieler wird aus ihm bestimmt nicht mehr werden. Ein paar Tage zuvor waren uns im selben Sportcenter zwei andere Herren begegnet, die sich nicht so anständig zu benehmen wußten wie DvB, die sehr viele Tattoos aufwiesen und offenbar ein wenig Indoor-Soccer, wie sich das nennt, spielen wollten. Der großmäulige Tottenhamer Kevin-Prince Boateng prollte an der Bar, und Patrick Ebert gab sich viel Mühe, genauso großkotzig und nölig aufzutreten wie sein alter Internatskamerad. Wir hatten dann keine Zeit mehr, um herauszufinden, auf wen die beiden warteten. Wird bestimmt eine prima Reunion gewesen sein." Das fällt wohl unter schlechten Einfluss, der arme Patrick Ebert muss zusehen, wie der Kevin-Prinz eine vielversprechende Karriere verschlenzt, und möchte am Ende lieber da hinterher als selbst etwas auszuprobieren.

Freitag, Juli 11, 2008

Zidaninho

Der Transfer von Samir Nasir von Marseille zum Arsenal FC ist noch nicht die große Transaktion, von der eine Reihe weiterer Rochaden im europäischen Fußball abhängt. Trotzdem ist das ein wichtiger Einkauf - ein hochbegabter Mittelfeldmann, eher Techniker als Kämpfer, der vielfach als der nächste Zidane tituliert wird, weswegen ich ihn hier als den kleinen Zidane aka "Zidaninho" einführe. Hleb hat eineinhalb Jahre gebraucht, um in der Premier League Fuß zu fassen, so lange kann Nasri sich nicht Zeit lassen. Er wird Rosicky vertreten, der auf unabsehbare Zeit verletzt ist, oder in einem 4-5-1 vor der Doppelsechs mit Fabregas und (mein Favorit für die Flamini-Stelle) Abou Diaby operieren, oder über rechts kommen, wenn Walcott eine Pause braucht. Für die Physis braucht Arsenal vorne aber noch zwei Recken, sonst wird mir das alles zu fragil. Am 21. Juli reist Arsenal nach Österreich, bin schon gespannt, wer dann noch mitfliegt.

Donnerstag, Juli 10, 2008

Seppuku

Dass der FIFA-Präsident kein Guter ist, mussten wir schon lange annehmen. Dass er sich für Dinge zuständig erklärt, die ihn nichts angehen, ist nicht untypisch für ältere Männer. Dass er nun aber ein "Machtwort" in das Transfertheater dieses Sommers gerufen hat, ist eine rechte Seppelei, um nicht zu sagen: geistiger Seppuku. Blatter sprach von "moderner Sklaverei", er bezog sich dabei auf die Tatsache, dass Spieler mit Vereinen auf Vertragsbasis zusammenarbeiten und dass die Vereine ein Interesse daran haben müssen, dass die Verträge auch ein gewisses Gewicht respektive eine Hebelwirkung haben. Abgesehen davon, dass Blatter keine Ahnung davon zu haben scheint, was Sklaverei wirklich ist (Leibeigenschaft, Rechtlosigkeit, nacktes Leben), hat er auch keine Ahnung von dem Spiel, dem er sich weltweit als Vorsteher aufdrängt. Mannschaften brauchen Kontinuität, dazu braucht es Planbarkeit und keine Einjahres-Söldnerei. Ich hoffe stark, dass Ronaldo in Manchester bleibt, und ich hoffe stärker, dass Carlos Queiroz sich von Alex Ferguson verabschiedet - der einflussreiche Co-Trainer wird eine Lücke hinterlassen, deren Auswirkungen mich sehr interessieren.

Dienstag, Juli 08, 2008

Diplomatie

In dieser Woche, in der Hertha in Österreich ist und ich in Berlin bin, ist das Transfertheater die einzige tägliche Unterhaltung. Der FC Arsenal ist mir dabei natürlich besonders angelegen, denn bei den Einkäufen der Hertha kann ich in der Regel wenig sagen - Nicu oder Kaká habe ich nie gesehen, Marc Stein muss sich auch erst beweisen, Valdivia muss sich erst konkretisieren, insgesamt habe ich gar kein so schlechtes Gefühl. Bei Arsenal ist die Sache ein wenig anders. Dort muss Coach Wenger ein potentiell großartiges Team zusammenhalten, um das die Räuber aus den europäischen Großligen sitzen wie vor einer schon waidwunden Beute. Aber auch die Spieler haben es nicht immer leicht. Hleb zum Beispiel steht jetzt schon bald zwei Monate auf den Listen von Real Madrid, Fc Barcelona und Bayern München (plus Wolfsburg, nicht zu vergessen). Es will aber noch nicht so recht eine Entscheidung fallen, was auch damit zu tun hat, dass auf den Listen der genannten Vereine noch viele andere Spieler stehen, und im europäischen Gigantendomino bisher kein relevanter Stein gefallen ist. Arshavin von Zenit St. Petersburg könnte dieser Stein sein, erst danach wird für Hleb die Sache konkret. Das kann sich also noch ziehen. Bei Adebayor sind es bisher vielleicht doch eher öffentliche Gehaltsverhandlungen, die er über die Bande von Barcelona und Milan spielt, während Arsenal sich bisher als Arbeitgeber zeigt, der Verträge eingehalten sehen will. Hleb hat nun ein kleines (un)diplomatisches Manöver riskiert. Er hat auf Cesc Fabregas geschimpft, den Arsenal gerade zum Spieler der abgelaufenen Saison erklärt hat. Fabregas sei eigensinnig und suche häufig den Torschuss - selten ist eine Invektive so auf den Urheber zurückgefallen wie diese, wo Hleb doch notorisch den Abschluss auch dann vermeidet, denn er eigentlich unumgänglich ist. Ein interessanter Poker ist da im Gang, bei den meisten Clubs beginnt gerade wieder die Arbeit, und so könnte es sein, dass Hleb sogar noch mit dabei sein wird, wenn Arsenal am 28. Juli in Österreich gegen eine Burgenland-Auswahl antritt. Tickets dafür habe ich heute bestellt. Chisinau wird dagegen wohl nichts, Zug oder Flug sind zu teuer, es wird ja hoffentlich noch andere internationale Auswärtsfahrten mit der Hertha in diesem Sommer geben.

Mittwoch, Juli 02, 2008

FC Nistru Otaci

Gestern habe ich eine gute halbe Stunde damit zugebracht, eine mögliche Reiseroute nach Ocnita zu erstellen - ich müsste mit dem Zug nach Warschau, dann weiter nach Lemberg, von dort nach Czernowitz, und dann nach Ocnita. Bald habe ich aber herausgefunden, dass Hertha in der ersten Vorqualifikationsrunde für den Uefacup das Spiel gegen den FC Nistru Otaci aus Moldawien nicht in Ocnita, wo der Club daheim ist, sondern in der Hauptstadt Chisinau austragen wird, und dass nach Möglichkeit die Termine getauscht werden sollen: Auswärtsspiel also am 17. und Heimspiel am 31. Juli. Dann flugs ab nach Mallorca zu einem Aufwärmturnier mit international bekannten Teams. Ich muss jetzt erst einmal abwarten, was die Clubs vereinbaren, dann wird Hertha sicher einen Fancharter anbieten, und ich kann mir überlegen, ob ich die Konstellation mit einem moldawischen Gegner zum Anlass einer schon länger im Geiste entworfenen Fahrt ins Volker-Koepp-Land nehme (im Regionalexpress durch die Bukowina), oder doch mit der innersten Ostkurve in der Holzklasse nach Osten fliege - oder mir die Sache auf Hertha TV ansehe. Heute beginnt für den FC Nistru Otaci übrigens die Saison, mit einem Auswärtsspiel bei Dinamo Bender. Ob Hertha da noch rechtzeitig einen Scout hinbekommt?

Dienstag, Juli 01, 2008

Selección









Es
war
keine rauschende Ballnacht, dieser 1:0-Sieg von Spanien über Deutschland am Sonntag, aber es hat gereicht, um ein interessantes Turnier zu einem tollen Abschluss zu bringen. Meine österreichische Konditionierung (gegen die deutsche Fußballnationalmannschaft) erweist sich immer wieder als überraschend beständig - Einsicht spielt da gar keine Rolle, meine deutliche Präferenz für Berlin gegenüber Wien auch nicht, sobald ein Länderspiel mit Deutschland angepfiffen wird, nehmen die tieferen Gehirnschichten in mir Partei für den Gegner. Am Sonntag war das ein Vorteil, denn fast alle Freunde waren im Grunde zerrissen: sie wollten Deutschland gewinnen sehen, sie lieben aber den Fußball viel zu sehr, um nicht die Schönheit des spanischen Spiels erst recht anzuerkennen. So saßen wir dann also noch in einem Lokal in Kreuzberg, spätnachts, und suchten nach möglichen Ursachen für das deutsche Ungenügen. Ich glaube immer noch, dass Löw seine Reaktion auf die erste Halbzeit gegen Kroatien bis ins Finale nachhing. Dass er Jansen aus dem Spiel nahm, und Friedrich gegen Österreich zurückkam, war Chiffre dieses Turniers - die Preisgabe mindestens der rechten Außenbahn konnte nie richtig kompensiert werden. Unser Mann von Hertha hat tatsächlich gegen Portugal, respektive gegen Cristiano Ronaldo höchstpersönlich, wacker verteidigt (obwohl ich da auch empfehlen würde, die Minuten 40-46 noch einmal anzusehen, und vergessen wir nicht, der Sieg verdankte sich einem Foul von Ballack). Gegen die Türkei und gegen Spanien aber war Friedrichs Zugriff auf das Match zu schwach - er hat meistens reagiert, kaum einmal einen prägenden Pass gespielt. Im Verein mit Metzelder (sinnlose Vorstöße) und dem ebenfalls anfälligen Mertesacker (ratlose Fehlpässe) sowie dem Nullsummengenie Lahm ergab das eine Viererkette, die zum Rest der Mannschaft viel zu selten kreativen Kontakt fand. Deutschland war entzwei geschnitten, schon gegen die Türkei und erst recht gegen Spanien. Die Selección von 2008 hat den ersten Titel für das Land seit 1964 geholt. Es wurde verschiedentlich bemerkt, dass Torres dieses Siegestor vielleicht nur erzielen konnte, weil er schon ein Jahr Erfahrung in der Premier League hat - nur dort lernt man, in extrem umkämpften Situationen technische und überraschende Lösungen zu suchen. Philipp Lahm stand besser zum Ball, Lehmann kam überstürzt aus dem Tor, und Torres schlug zu. Ein Weltklassetor vom vermutlich derzeit besten Stürmer der Welt. Es war ruhig auf der Reichenberger Straße, als ich gegen ein Uhr morgens nach Hause ging und im Geist einige öffnende Pässe zwischen stehenden Autos spielte.