Freitag, März 10, 2006

Champions


Früher, als ich noch nicht so genau hingeschaut habe, war Arsenal für mich die Mannschaft, die unverständlich lange an dem peinlichen David Seaman im Tor festhielt. Inzwischen spielt Jens Lehmann dort, und ich verfolge nicht nur die Premier League mit großem Interesse, sondern entscheide mich auch an den CL-Abenden immer für das Arsenal-Spiel. Am Mittwoch wurde ich deswegen Zeuge eines wahrhaft großen Matchs: Das Nullnull gegen Real Madrid in Highbury hatte alle Höhepunkte, die ein torloses Remis haben kann, darunter zwei Pfostenschüsse und einige hundertprozentige Chancen, zwei exzellente Keeper und kurz vor Schluß noch einen Versuch von Pires quer über das ganze Feld auf das leere Tor von Casillas, der von Roberto Carlos im letzten Moment abgefangen wurde - es wäre das Siegel auf dem Triumph von Arsenal über Real geworden. So aber reichte das Auswärtstor von Henry aus dem Hinspiel. Arsenal hat heuer eine schwere Saison, aber am Mittwoch haben sie klar gemacht, daß sie sich vom physischen Spiel in England nicht von ihrer Feinmotorik abbringen lassen möchten. Aleksandar Hleb, der einen schweren Start in London hatte, demonstrierte in Serie, wie man sich aus der Bedrängnis dreier Gegner auf engstem Raum nach vorne befreien kann - durch eine Bewegung oder einen Paß. Das sehe ich in Deutschland so nicht, von der Hertha nicht (die zumindest einige Spieler hat, die das noch probieren: Bastürk, auch Boateng), und von ihren Gegnern schon gar nicht. Werder Bremen ist die Ausnahme: Der Paß von Schulz auf Micoud am Dienstag gegen Juve hatte Arsenalqualität. Diese Mannschaft ist auch den Stehsätzen der Premiere-Experten himmelhoch voraus - es war dann aber doch ein später Höhepunkt, Boris Becker mit Headset hinter dem Bayern-Tor zu sehen, wie er mit seinem Freund Olli mitleiden mußte. Allein seinetwegen gönne ich den Bayern die Niederlage - es hängen einfach zu viele Deppen an diesem Club dran. Jens Lehmann wurde von der "Sun" am Donnerstag als "Jenius" tituliert. Er kommt langsam in das Alter, das Seaman schon immer hatte, ist dabei aber kaum einmal peinlich.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

It's us wot said it first - give the players' award to a German.
Paul Wilson zum "Jenius" im "Observer": http://football.guardian.co.uk/Columnists/Column/0,,1729202,00.html