Sonntag, November 20, 2005

Der Pantelic-Effekt








Das 0:2 gegen Dortmund im Westfalen-Stadion war eine nahezu identische Kopie der ebenfalls lupenreinen und unspektakulären Niederlage vor ein paar Monaten am selben Ort. Irgendwie hat die Hertha ohne grosses Engagement das Spiel gemacht, und der Gegner die Tore. Ich hoffe nur, daß der Coach jetzt nicht die falschen Schlüsse zieht und aufgrund der schlechten Leistung von Nando Rafael auf das alte 4-5-1 umstellt, also auf die "Kontermannschaft" Hertha, auf die doch niemand mehr hereinfällt. Pantelic, der auswärts keine Tore schiesst, wird für mich immer deutlicher zum Typ dieses Teams. Er hat die Temperamente im kreativen Mittelfeld auf eine prekäre Weise zugespitzt, weil er als Stürmer bevorzugt den Weg durch das Nadelöhr sucht. Er ist auch der Erfinder der Hacken-Hertha. Marcelinho und Bastürk machen das gern mit, die Gegner sind aber nicht immer so desparat wie der FCK vor zwei Wochen, und wenn sie ein wenig Grips haben, dann nehmen sie Pantelic einfach den Ball vom Fuss. Gestern war jedenfalls auffällig, wie patzig die Hertha bei ihrem nutzlosen "Kreativspiel" blieb, ohne aber Druck zu machen.
Ich war nur einmal positiv überrascht, in dem Moment nämlich, als der Coach die fällige Auswechslung von Dardai vornahm, dann aber nicht Kovac brachte, sondern Boateng, der auch eine gute halbe Stunde zeigte. Ich setze grosse Hoffnungen auf ihn. Daß die Innenverteidigung neu aufgestellt werden muss, kann inzwischen niemand mehr übersehen. Simunic merkt man deutlich an, daß ihn die Vertragsverhandlungen belasten - er spielt fahrig, bekommt in jedem Match eine berechtigte gelbe Karte (gegen die er immer lautstark protestiert), und zeigt sich selten so souverän, wie er es von seinem Talent her eigentlich sein könnte. Hertha will unbedingt mit ihm verlängern. Sie sollte ihm vor der Unterschrift aber nicht nur den Hof machen, sondern ihm auch deutlich machen, daß ihn von grossen, auch offensiv produktiven Innenverteidigern eine Menge unterscheidet. Der Vertrag von van Burik läuft Ende des Jahres aus, wie auch der von Niko Kovac. Damit ergibt sich eine prächtige Gelegenheit, das zentrale hintere Dreieck neu aufzustellen. Dick van Burik ist ein sympathischer Typ, der häufig einen Blödsinn spielt und hinterher als "Führungsspieler" auch brav die Verantwortung dafür übernimmt. Seine Autorität im Team erwirbt er jedenfalls nicht auf dem Feld.

Keine Kommentare: